Rems-Murr-Kreis

Worauf es jetzt ankommt, damit das Coronavirus nicht wieder um sich greift

Corona Testzentrum
Symbolfoto. © Benjamin Büttner

Die Leute reisen wieder mehr – umso wichtiger ist ein zuverlässiges Testsystem, damit Ansteckungen schnell erkannt, Infektionsketten zurückverfolgt und unkontrollierbare Corona-Ausbrüche wie im Tönnies-Landkreis Gütersloh verhindert werden können. Was bedeutet das für die Menschen im Rems-Murr-Kreis? Das müssen Sie wissen ...

Mehr Freiheit – und weiterhin Sicherheit: Darum geht es aktuell. Der Landkreis hat deshalb eine aus drei Säulen bestehende Corona-Teststrategie entwickelt.

Corona-Tests, Säule 1: Was tun, wenn jemand an sich selber Symptome wahrnimmt?

Wenn Sie Symptome bemerken (Fieber, trockener Husten, Müdigkeit, eventuell Glieder-, Hals-, Kopfschmerzen, Durchfall), wenden Sie sich an Ihren Hausarzt. Er nimmt entweder gleich einen Abstrich oder schickt Sie in eine der Schwerpunktpraxen im Kreis oder in die Corona-Ambulanz an der Rems-Murr-Klinik Schorndorf. Sie ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet; telefonische Voranmeldung über Tel. 0 71 81/67-31 24 oder über die zentrale Rufnummer 116 117.

Corona-Tests, Säule 2: Was geschieht, falls es einen lokalen Infektions-Hotspot gibt?

Keine Sorge, momentan gibt es so etwas im Rems-Murr-Kreis nicht. Sollte sich aber in irgendeiner Stadt oder Gemeinde die Lage aufschaukeln, kommt das Infektomobil: Mit einem speziell ausgestatteten Fahrzeug aus dem Pool des Landratsamts fahren ein Arzt aus dem Team der Kreisärzteschaft und ein Helfer aus der Mannschaft der Notfallpraxis Rems-Murr an den Brennpunkt und machen vor Ort schnell Tests in großer Zahl – auch am Wochenende.

Corona-Tests, Säule 3: Wie schützen sich die Rems-Murr-Kliniken?

Patienten, die zu länger vorher geplanten Eingriffen kommen (zum Beispiel einer Hüft-OP), werden zwischen drei und fünf Tagen vor der Aufnahme getestet und erhalten die Empfehlung zur anschließenden Selbstquarantäne. Notfallpatienten werden bei Infektionsverdacht in der Klinik getestet. Dazu wurden zusätzliche Testkapazitäten eingerichtet und unter anderem Schnelltestgeräte von Bosch Healthcare aus Waiblingen beschafft, die binnen zweieinhalb Stunden ein Ergebnis liefern.

Aber die Corona-Infektionszahlen sind aktuell im Rems-Murr-Kreis doch niedrig?

In der Tat – nicht nur aktuell, sondern schon lange.

  • In der Woche von Montag bis Sonntag, 1. bis 7. Juni, gab es 14 Neu-Infektionen.
  • Woche vom 8. bis zum 14. Juni: 16.
  • Woche vom 15. bis zum 21. Juni: 20.
  • Woche vom 22. bis zum 28. Juni: 19.

Zur Einordnung: Die Obergrenze, bei deren Überschreitung Maßnahmen zur Eindämmung zu ergreifen sind, liegt im Rems-Murr-Kreis bei 213 Infektionen binnen sieben Tagen (die Rechenformel dazu lautet: 50 Fälle pro 100 000 Einwohner).

Warum dann aber diese ganze aufwendige Corona-Teststrategie?

Der Tönnies-Skandal hat offenbart, dass sich die Lage binnen kurzem dramatisch ändern kann, wenn Schlamperei um sich greift. Im Landkreis Gütersloh wurden in den vergangenen sieben Tagen 671 neue Fälle bestätigt – viele, aber nicht alle sind Tönnies-Beschäftigte. Das Virus hat sich mittlerweile aus dem Betrieb heraus verbreitet und um sich gegriffen. Die kritische Eingriffsschwelle im etwa 360 000 Einwohner zählenden Kreis Gütersloh liegt bei 180 – sie ist aktuell förmlich pulverisiert.

Fußt die neue Corona-Teststrategie auf Vorgaben des Landes?

Ja. Zitat aus einer Pressemitteilung des Landes: „Um weiterhin frühzeitig auf das Infektionsgeschehen reagieren zu können, soll nun die Teststrategie erweitert werden. Hierzu sind zielgerichtete Untersuchungen in bestimmten Bevölkerungsgruppen erforderlich, die über unsere bisherige Teststrategie hinausgehen. Wichtig dabei ist, dass wir wirklich gezielt vorgehen und nicht ins Blaue hinein testen. Die Masse an Tests allein macht den Erfolg nicht aus. Vielmehr muss die Untersuchungsstrategie klug auf das Infektionsgeschehen und auf bestimmte Personengruppen ausgerichtet sein.“ Die erweiterte Teststrategie sieht unter anderem Folgendes vor: Testung symptomatischer Personen; Untersuchung asymptomatischer Personen im Umfeld bestätigter Covid-19-Fälle; Testung von Patienten bei Krankenhausaufnahme.

Der Clou an der Sache aus Rems-Murr-Sicht: Das Land hat dieses Konzept noch kaum vorgelegt, da hat es der Landkreis bereits umgesetzt.

Hat das vom Land vorgegebene Corona-Testsystem Schwächen?

Ja, glaubt Landrat Richard Sigel. „Verwundert“ habe ihn, „dass Schulen und Kitas in der neuen Teststrategie“ des Landes „noch nicht auftauchen. Ich gehe davon aus, dass man hier noch mal nachsteuern muss. Überlegungen dazu hatten die Landkreise aus der Region Stuttgart bereits Anfang Mai formuliert.“

Wie sollten sich Reiserückkehrer angesichts der aktuellen Corona-Lage verhalten?

Wer aus einem anderen Staat nach Baden-Württemberg einreist, muss nicht mehr grundsätzlich in Quarantäne. Wer allerdings in einem Risikogebiet war, muss sich nach der Rückkehr im Rathaus seines Wohnorts melden, 14 Tage in Quarantäne bleiben und, wenn Symptome auftreten, den Hausarzt anrufen.

Welche Länder gelten derzeit als Corona-Risikogebiete?

Das Robert-Koch-Institut weist aktuell sage und schreibe 135 Länder der Welt als Risikogebiete aus, von A wie Afghanistan bis Z wie Zentralafrikanische Republik; und auch Schweden, auch die Türkei, auch weite Teile der USA. Von einer globalen Entwarnung kann also nicht im Entferntesten die Rede sein.

Die Leute reisen wieder mehr – umso wichtiger ist ein zuverlässiges Testsystem, damit Ansteckungen schnell erkannt, Infektionsketten zurückverfolgt und unkontrollierbare Corona-Ausbrüche wie im Tönnies-Landkreis Gütersloh verhindert werden können. Was bedeutet das für die Menschen im Rems-Murr-Kreis? Das müssen Sie wissen ...

Mehr Freiheit – und weiterhin Sicherheit: Darum geht es aktuell. Der Landkreis hat deshalb eine aus drei Säulen bestehende Corona-Teststrategie

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