Rems-Murr-Kreis

WZG-Lieferstopp an Rewe: Keine Weine der Remstalkellerei oder Fellbacher mehr?

Kein lokaler Wein mehr für Rewe
Bei Rewe Aupperle gibt es auch weiterhin Weine der Fellbacher Weingärtner und der Remstalkellerei zu kaufen, obwohl diese WZG-Mitglieder sind, bestätigt Verena Aupperle. Warum ist das so? © Alexandra Palmizi

Die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) setzt sich für eine aus ihrer Sicht moderate Preiserhöhung beim Wein ein. Die Rewe-Group sieht das anders und akzeptiert sie nicht. Deshalb hat die WZG einen vorläufigen Lieferstopp verfügt und liefert seit Anfang April keine Weine mehr an Rewe aus. Gibt es also bald auch kein Rebensaft der Fellbacher Weingärtner und der Remstalkellerei mehr bei den Rewe-Filialen im Rems-Murr-Kreis? Teils ja, teils nein. Es gibt Ausnahmevereinbarungen.

Warum Rewe Preiserhöhungen nicht mitträgt

„Aus unserer Sicht sind die Forderungen der WZG nicht plausibel begründet“, sagt Sabine Stachorski, Pressesprecherin Region Südwest der Rewe-Group. Obwohl die WZG ein sehr geschätzter regionaler Lieferant sei, habe sich die geforderte Preiserhöhung in voller Höhe als nicht marktkonform erwiesen. Die Rewe-Group sei aktuell mit einer Vielzahl von steigenden Kosten bei Rohstoffen, Energie und Logistik sowie Preiserhöhungen der Lebensmittelindustrie und Lieferanten konfrontiert. „Dies führt zwangsläufig dazu, dass wir bei einzelnen Warengruppen und Artikeln die Verkaufspreise erhöhen müssen. Wir werden allerdings strikt darauf achten, dass nur dort Preisanpassungen an die Kunden weitergegeben werden, wo es tatsächlich einen hohen Kostendruck gibt“, sagt Stachorski.

Erhöhte Preisforderungen von Herstellern und Lieferanten, die nicht durch gestiegene Kosten begründet seien, werde Rewe auch weiterhin nicht akzeptieren. „Denn wir sehen es auch als unsere Aufgabe als Händler an, steigende Preise im Sinne unserer Kunden einzudämmen. Mit der WZG haben wir in mehreren Gesprächsrunden um eine Einigung gerungen und sind auch weiterhin gesprächsbereit.“

WZG-Vertriebsvorstand Uwe Kämpfer kann sich über solche Aussagen nur wundern. „Es geht um eine Preiserhöhung von weniger als fünf Prozent. Die Verhandlungen laufen schon mindestens ein halbes Jahr lang. Schon vor dem Ukraine-Krieg hatten wir mit einer Inflationsrate von über sieben Prozent, steigenden Kartonagen-, Glas- und Energiepreisen zu kämpfen. Sie können sich vorstellen, dass die vorgelagerten Kosten bei unseren Lieferanten jetzt nun noch viel krasser gestiegen sind. Es ist also nicht nachvollziehbar, dass Rewe unsere wirklich mehr als moderate Forderung nicht mittragen möchte.“

Alle Rohstoffe hätten sich extrem verteuert, „auch beim Aluminium für Flaschenverschlüsse“, stimmt ihm Peter Jung bei. Er ist Geschäftsführer der Remstalkellerei. Die Wengerter-Genossenschaft mit Sitz in Beutelsbach ist wie auch die Fellbacher Weingärtner eG Mitglied der WZG. Die Unter-Fünf-Prozent-Forderung der WZG sei auf alle 26 Mitglieder überschlagen worden. „Bei uns sind noch höhere Preissteigerungen für Wein angemessen. Wir sind da ein Stück weit drüber. Und haben die Preise unserer Weine im Literbereich angepasst. Das sind wir unseren Wengertern schuldig, da deren und unsere Kosten gerade durch die Decke gehen.“

Während die WZG laut Uwe Kämpfer Weine ihrer Mitgliedsgenossenschaften ausschließlich über den Einzelhandel vertreibt, so haben Einzelgenossenschaften wie die Fellbacher Weingärtner eG und Remstalkellerei noch weitere Standbeine des Weinverkaufs und -vertriebs. Und zwar in der Direktvermarktung, im Fachhandel und in der Gastronomie, bestätigt Peter Jung. Den Kernumsatz mache die Remstalkellerei, ganz gleich auf welcher Vertriebsschiene, im Südwesten, wo der regionale Bezug gegeben ist. „Wir sind aber, was den Einzelhandel angeht, über die WZG auch regional und überregional bei Rewe im Verkauf. Was die Umsatzausfälle durch den Lieferstopp der WZG an Rewe angeht, können wir momentan noch nichts Genaueres sagen. Das lässt sich noch nicht abschätzen“, sagt Peter Jung. Er hoffe, dass die Verhandlungen zwischen WZG und Rewe weitergehen und es noch eine Einigung geben wird.

Trotz WZG-Lieferstopps haben lokale Rewe weiter auch regionale Weine im Sortiment

Ein Grundsortiment von WZG-Weinen hat(te) jeder Rewe-Markt im Südwesten im Sortiment, sagt Rewe-Sprecherin Sabine Stachorski. „Im Heimatgebiet der WZG ist das Sortiment entsprechend breiter.“ Trotz Lieferstopps durch die WZG „können unsere selbstständigen Kaufleute eigenständig über die direkte Belieferung entscheiden.“ Will heißen „Rewe offene Handelsgesellschaften (oHG)“ haben aufgrund von jahrelangen Direktvermarktungsverbindungen weiter lokale Weine auch von WZG-Mitgliedserzeugern im Sortiment. Das trifft im Rems-Murr-Kreis zum Beispiel zu auf Rewe Aupperle in

  • Hegnach (Oeffinger Straße 1),
  • Fellbach (drei Filialen: Stuttgarter Straße 32, Daimlerstraße 18-20, Bühlstraße 138),
  • und Grunbach (Inhaber: Aupperle-Tochter Stefanie Bauer und ihr Mann Christian Bauer).

Das bestätigt Verena Aupperle (Stuttgarter Straße, Fellbach): „Wir beziehen schon immer nur im geringen Umfang Ware von der WZG, sind aber weiterhin sicher ein sehr großer direkter Abnehmer der Kellereien, die für uns und für das Remstal sehr wichtig sind.“ Dies aufgrund jahrzehntelanger, sehr vertrauter und guter Zusammenarbeit und direkter Lieferverträge, bestätigt Seniorchef Fritz Aupperle. Er gilt als Pionier der Regionalität und verweist auf ein Magazin der Familie zum 75-jährigen Jubiläum. Danach sind die fünf Rewe-Aupperle-Märkte „mit die besten Kunden der heimischen Winzergenossenschaften und ebenso der zahlreichen Spitzenweingüter im Remstal.“ Die Weinabteilungen der Märkte führten Qualitäten vom Tafel- bis zum Spitzenwein: Zwischen Holzregalen und Fässern werden bis zu 1000 verschiedene Weine angeboten, der allergrößte Teil stamme aus der Region. Die ausgewiesene Weinkenner-Familie kooperiert mit mehr als 50 regionalen Erzeugern.

Remstalkellerei-Geschäftsführer Peter Jung sowie Albrecht Schurr, Vertriebschef der Fellbacher Weingärtner, bestätigen: „Seit Jahren arbeiten wir direkt zusammen mit Rewe Aupperle und pflegen eine enge geschäftliche Partnerschaft.“ Dass die Weinlieferungen trotz Lieferstopps der WZG nun weitergehen, sei mit Rewe und der WZG abgesprochen, sagt Schurr.

Auch die Rewe-Filialen des Kaufmanns Jürgen Lang haben sehr wahrscheinlich direkte Lieferverträge mit der Remstalkellerei und den Fellbacher Weingärtnern für alle Filialen, nämlich in

  • Kernen-Stetten (Kirchstraße 24),
  • Korb (Seestraße 8),
  • Waiblingen (Alter Postplatz 2),
  • Neustadt (Neustädter Hauptstraße 135),
  • Bad Cannstatt (Naststraße 24).

Jürgen Lang lässt eine Anfrage dieser Zeitung aber von dem bundesweiten Rewe-Group-Pressesprecher Raimund Esser nur so beantworten: „Wir können Ihnen versichern, dass weder in den Rewe-Märkten in Deutschland noch in der Region und auch nicht im Rewe von Jürgen Lang die Weinregale leer bleiben werden. Wir werden die WZG-Sortimente vorerst durch adäquate Produkte aus der Region ersetzen.“

Gehen die lokalen Rewe-Kaufleute bei Wein-Preiserhöhungen mit?

Die Beantwortung dieser Frage ist schwierig. Von niemandem der befragten Rewe-Leute kam eine konkrete Antwort. Dass es zu Preiserhöhungen bei Weinen der Remstalkellerei und der Fellbacher Weingärtner auch in inhabergeführten Rewe-Filialen gekommen ist, deuten sowohl Peter Jung als auch Albrecht Schurr nur zwischen den Zeilen an. Wie hoch diese ausfielen, wollte keiner der beiden konkret beziffern.

„Wir waren jedenfalls erstaunt, dass die wirklich sehr moderate Preiserhöhung der WZG so hohe Wellen geschlagen hat bei Rewe insgesamt“, sagt Schurr. „Mit der Familie Aupperle sind wir jedenfalls über gewisse, geringfügige Preisanpassungen einig geworden.“

Schließlich hätten nicht zuletzt auch die coronabedingten Einschränkungen die Umsatzeinbußen der Wengerter verstärkt, sagt Schurr. „Wir machen normalerweise 50 Prozent unseres Weinumsatzes mit Privatkunden. Durch Corona fielen aber die ganzen Stadtfeste aus, auch in Waiblingen, Backnang und die SchoWo in Schorndorf aus. Auch das Stuttgarter Weindorf und der Fellbacher Herbst fanden nicht oder sehr eingeschränkt statt. Wir hoffen, dass jetzt mit der Öffnung wieder mehr Veranstaltungen stattfinden können, bei denen Wein getrunken wird.“ Freilich hoffe man auch auf eine baldige Einigung zwischen der WZG und Rewe, sagt Schurr.

Die Württembergische Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) setzt sich für eine aus ihrer Sicht moderate Preiserhöhung beim Wein ein. Die Rewe-Group sieht das anders und akzeptiert sie nicht. Deshalb hat die WZG einen vorläufigen Lieferstopp verfügt und liefert seit Anfang April keine Weine mehr an Rewe aus. Gibt es also bald auch kein Rebensaft der Fellbacher Weingärtner und der Remstalkellerei mehr bei den Rewe-Filialen im Rems-Murr-Kreis? Teils ja, teils nein. Es gibt

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