Rems-Murr-Kreis

Zahl der Corona-Infektionen eskaliert: Wo stehen wir nach zwei Jahren Pandemie?

Coronavirus, Covid. SARS-Cov-2
Erinnern Sie sich? Das Coronavirus war mal ein großes Thema. Derzeit kursiert es so intensiv wie nie, aber keinen interessiert's. © Pixaybay

Zwei Jahre Corona: Wo stehen wir? Bei aberwitzigen Infektionszahlen, die vor ein paar Monaten nackte Panik ausgelöst hätten, heute aber kaum noch jemanden interessieren; und vor dem Scheitern der Impfpflicht-Pläne – das ergibt eine Analyse der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Fünf Thesen zur Lage am 11. März 2022.

These 1: Die Infektionszahlen eskalieren wie noch nie

Bitte festhalten: In den ersten 22 Monaten dieser Pandemie wurden im Rems-Murr-Kreis gut 41 000 Infektionen diagnostiziert. Seit Anfang Januar aber, in etwas mehr als zwei Monaten, kamen mehr als 48 500 weitere hinzu! Die derzeitige Ansteckungsdynamik lässt alles Frühere läppisch aussehen.

Aber Sie sagen dazu nur: Okay, na und.

These 2: Ein Ende des Infektionsschwungs ist nicht absehbar

Karl Lauterbach sei ein ewiger Miesmacher, der immer das Schlimmste an die Wand male? Nun ja. Ende Januar fürchtete er, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle erst Mitte Februar erreicht werde, danach würden die Fallzahlen wieder deutlich sinken.

Nun ja. Hier die Daten aus dem Rems-Murr-Kreis im Acht-Wochen-Vergleich:

  • 15. bis 21.1.: 3583 Infektionen
  • 22. bis 28.1.: 5237 Infektionen
  • 29.1. bis 4.2.: 6242 Infektionen
  • 5. bis 11.2.: 5761 Infektionen
  • 12. bis 18.2.: 5872 Infektionen
  • 19. bis 25.2.: 5881 Infektionen
  • 26.2. bis 4.3.: 6178 Infektionen
  • 5. bis 11.3.: 6086 Infektionen

Man fasst es nicht: Lauterbach war zu optimistisch! Aber Sie sagen dazu schon wieder nur: Okay, na und.

These 3: Gelassenheit trotz derart hoher Infektionszahlen ist vernünftig

Die Infektionsdynamik sprengt alle Maßstäbe, und Sie nehmen es nur beiläufig zur Kenntnis – sind Sie verrückt geworden? Sind Sie nicht. Ihre Gelassenheit ist nachvollziehbar. Aus folgendem Grund ...

  • In den vergangenen acht Wochen kamen im Rems-Murr-Kreis zwar insgesamt 44 840 Infektionen zusammen; enorm!
  • Aber im selben Zeitraum vermeldete das Landratsamt nur 39 Todesfälle nach Infektion. Das ergibt eine Sterblichkeit nach Ansteckung von knapp 0,09 Prozent.

Das also ist die Lage mit Omikron, einem zwar ansteckenden, aber sonst eher harmlosen Virus, das in einer via Impfung gut gegen schwere Verläufe geschützten Bevölkerung umgeht.

Schauen wir zum Vergleich nun zurück auf die zweite Welle:

  • In den acht Wochen von Ende November 2020 bis Ende Januar 2021 kamen im Rems-Murr-Kreis 5281 Infektionen zusammen; ein Klacks!
  • Aber im selben Zeitraum vermeldete das Landratsamt 148 Todesfälle nach Infektion. Das ergibt eine Sterblichkeit nach Ansteckung von 2,8 Prozent.

0,09 gegen 2,8 Prozent: Das Risiko, nach Infektion zu sterben, war damals mehr als 31-mal so hoch wie heute!

Man kann es allerdings auch anders sehen. Er hier findet: Wir nehmen die Pandemie gerade allzu leicht.

These 4: Die Impfkampagne hängt durch, da hilft auch kein Novavax

Die Impfquote in Deutschland liegt derzeit bei etwa 76 Prozent (geht so), die Boosterquote bei 58 Prozent (recht gut) und die Quote in der besonders gefährdeten Altersgruppe Ü 60 bei rund 89 Prozent (eher schlecht) – und daran wird sich in den nächsten Monaten nicht mehr viel ändern.

Den derzeitigen Fortschritt der Impfkampagne als Schnecken-Rennen zu bezeichnen, wäre nämlich eine Beleidigung der wackeren Schleimspurleger: In ganz Deutschland gingen vom 3. bis zum 9. März binnen sieben Tagen nur gut 56 000 Menschen zur Erstimpfung.

Zum Vergleich: Noch Mitte Januar wurden 350 000 Leute pro Woche erstgeimpft; ganz zu schweigen von Mitte Mai 2021 (drei Millionen innerhalb einer Woche).

Und Novavax, der neue Impfstoff, der alle Zaudernden umstimmen sollte? Ist ein Flop. Gut 32 000 Leute in Deutschland wurden bislang damit erstgeimpft; 0,4 Promille der Bevölkerung. Das ist Pillepalle.

These 5: Für die allgemeine Impfpflicht gibt es im Bundestag keine Mehrheit

Österreich war das erste Land der EU, das eine allgemeine Impfpflicht beschloss – und hat die Regel, bevor sie überhaupt in Kraft tritt, schon wieder gecancelt, zumindest vorerst. Grund: die milden Krankheitsverläufe bei Omikron.

Nächste Woche diskutiert der Deutsche Bundestag über das Thema.

Einerseits ist den Österreichern beizupflichten: Eine so starke Maßnahme wie die Impfpflicht ist gegen ein so schwaches Virus wie Omikron nicht vertretbar.

Andererseits warnt Lauterbach: Es könne passieren, „dass wir es im Herbst mit einem mutierten Delta-Typ zu tun bekommen“. Das könnte heftig werden. Großer Haken: Im März 2022 darüber zu spekulieren, mit welcher Virusform wir es im Oktober 2022 zu tun haben, ist Kaffeesatzleserei für Fortgeschrittene. Im Frühsommer 2021 ahnte auch noch niemand was von Omikron.

Aber gehen wir das Impfpflicht-Thema zur Abwechslung mal nicht virologisch an, sondern polit-taktisch ...

Mehrere Vorschläge stehen vor der Bundestagsdebatte im Raum, unter anderem eine Impfpflicht erst ab 50, getragen von einem Parlamentarier-Team aus den Ampelreihen. Die allgemeine Impfpflicht bereits ab 18 aber wurde von der größten Abgeordnetengruppe eingebracht; von 233 Leuten aus SPD, FDP und Grünen.

233: Klingt nach viel; und reicht bei weitem nicht. Denn der Bundestag hat momentan 736 Abgeordnete. Die Mehrheit läge demnach bei 369. Fehlen also noch 136.

Das Ampellager hat 416 Sitze. Vielleicht sind, wenn es zum Schwur kommt, doch ein paar mehr als die 233 drin. Sagen wir: 250. Fehlen immer noch 119.

Von der AfD (80 Sitze) wird es keine einzige Stimme geben. Fehlen weiter 119.

Die Linke ist gespalten und hat sowieso nur 39 Sitze, viel ist da nicht zu holen. Fehlen weiter 90 bis 100 oder mehr.

Bleibt die CDU/CSU: 197 Sitze. Mindestens die Hälfte der größten Oppositionsfraktion müsste den Vorschlag der Regierungsampel mittragen.

Aber Thorsten Frei, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, hat den Seinen schon Mitte Februar einen Rückzugswegweiser aufgestellt: „Je geringer“ die Zahl der schweren Verläufe bei Omikron sei, „desto weniger wird eine Impfpflicht verfassungsrechtlich gerechtfertigt sein.“

Prognose: Die allgemeine Impfpflicht kommt nicht.

Zwei Jahre Corona: Wo stehen wir? Bei aberwitzigen Infektionszahlen, die vor ein paar Monaten nackte Panik ausgelöst hätten, heute aber kaum noch jemanden interessieren; und vor dem Scheitern der Impfpflicht-Pläne – das ergibt eine Analyse der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Fünf Thesen zur Lage am 11. März 2022.

These 1: Die Infektionszahlen eskalieren wie noch nie

Bitte festhalten: In den ersten 22 Monaten dieser Pandemie wurden im Rems-Murr-Kreis gut

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper