Rems-Murr-Kreis

Zu Fuß auf den Spuren großer Literaten: Kultur-Spaziergänge im Rems-Murr-Kreis

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Liebe zur Literatur: Andrea Hahn und Heiko Kusiek teilen ihre Leidenschaft mit den Teilnehmer/-innen ihrer literarischen Spaziergänge. © Pixabay

Hegel, Schelling, Hölderlin: Wer diese Namen hört, fühlt sich vermutlich gedanklich erst einmal in den Deutschunterricht aus der 11. Klasse zurückversetzt. Bei Heiko Kusiek und Andrea Hahn geht es jedoch um alles andere als trockenen Frontalunterricht: Sie wollen die großen Literaten wieder lebendig werden lassen.

Die beiden bieten literarische Spaziergänge an und führen interessierte Mitspazierende durch die gesamte Region Stuttgart, um die Geschichten der Literaten zu erzählen, die in den Orten gewohnt und gewirkt haben. Die „Keimzelle“ der literarischen Spaziergänge, wie Andrea Hahn sie nennt, liegt im Remstal.

Besonders gefragt: Murrhardt

Nachdem das Paar die Idee für die literarischen Spaziergänge aus München mitgebracht hatte, bot es den ersten Spaziergang 1999 in Murrhardt an. Es folgten Touren durch Winnenden und Weinstadt, die bis heute angeboten werden. Murrhardt bleibt jedoch trotz seiner eher beschaulichen Größe von 14 000 Einwohnern der am besten besuchte Spaziergang von den dreien. „Murrhardt ist bis heute auch mein Lieblingsspaziergang“, erklärt Andrea Hahn.

In Murrhardt hat einst der Philosoph Friedrich Wilhelm Schelling seine Frau Caroline Schlegel-Schelling geheiratet, welche zwölf Jahre älter und ebenfalls Schriftstellerin war. Diese Nachricht irritierte seinerzeit nicht wenige. „Die Hochzeit der beiden war damals ein Skandal, weil Caroline Schlegel-Schelling damals schon mit einem anderen Mann verheiratet war und sich von ihm scheiden ließ“, so Andrea Hahn.

Murrhardt war ein bedeutender Ort für die Literaturgeschichte

Schon Schellings Vater Joseph Friedrich Schelling, der in Unterweissach geboren wurde, war einst als evangelischer Geistlicher zum Kloster nach Murrhardt gekommen. Auch die erste Berufsjournalistin, Therese Huber, war mit dem Philosophen Schelling und seiner Frau befreundet und hat sie damals in Murrhardt besucht. „Für einen kurzen Moment war Murrhardt ein sehr bedeutender Ort für die deutsche Literatur-Geschichte“, erzählt Andrea Hahn.

„Das Schwabenland allgemein ist nach Berlin die interessanteste Region, um der deutschen Literatur auf den Grund zu gehen. Hier liegt das literarische Gold buchstäblich auf der Straße, sagen wir immer.“ Diese Geschichten interessierten tatsächlich mehr Leute als Andrea Hahn und ihr Mann zunächst gedacht hätten: „Als wir die Spaziergänge gestartet haben, hat das einen regelrechten Hype ausgelöst“, erinnert sie sich.

„Am Anfang hatten wir ein regelrechtes Monopol“

Zeitungen, Funk und Fernsehen haben die Spaziergänge immer wieder aufgegriffen und so zu einer lokalen Attraktion gemacht. Das hat jedoch nicht nur für ausgebuchte Touren gesorgt, sondern auch andere Wettbewerber auf den Plan gerufen: „Am Anfang hatten wir ein regelrechtes Monopol auf die Spaziergänge, wir waren die Einzigen, die sie angeboten haben“, so Wilde. Nach und nach sind dann auch immer mehr andere Menschen auf die Idee gekommen, selbst Spaziergänge anzubieten. „Es waren teilweise sogar Leute aus unserem eigenen Team, die sich selbstständig gemacht haben, weil sie gesehen haben, was es für ein Interesse daran gibt.“

Zusammenarbeit mit dem Hegel-Haus und dem Mercedes-Benz-Museum

Heiko Kusiek und Andrea Hahn hatten ihr kulturelles Angebot nach ihrem erfolgreichen Start nach und nach professionalisiert und auch andere Leiterinnen und Leiter von Spaziergängen mit an Bord geholt. Heute sind neben ihrem Co-Geschäftsführer Birger Laing noch acht weitere Personen für die literarischen Spaziergänge tätig. Im Laufe der Zeit arbeiteten sie auch mit anderen, größeren Institutionen zusammen, etwa mit dem Hegel-Haus Stuttgart und dem Mercedes-Benz-Museum. Trotzdem bieten beide die Spaziergänge nur nebenberuflich an. Andrea Hahn hat Germanistik und Geschichte studiert und arbeitet heute als freie Texterin und Autorin. Heiko Kusiek ist gelernter Buchhändler und am Deutschen Literaturarchiv tätig. Heute können die beiden von Glück reden, dass sie mehrere finanzielle Standbeine haben: Wegen Corona mussten sie in den vergangenen zwei Jahren viele Spaziergänge ausfallen lassen. „Nach dem Ende des Lockdowns war der Ansturm groß“, berichtet Andrea Hahn, doch mittlerweile sind die Menschen zögerlicher geworden, zu Touren zu kommen“, erklärt Andrea Hahn. Das liege vermutlich am allgemein zurückhaltenden Konsumverhalten der Menschen, ausgelöst durch die Inflation und finanzielle Unsicherheit. „Aufgeben werden sie deshalb nicht“, sagt Heiko Kusiek. Es wäre auch schade drum – immerhin gibt es noch so viel zu erzählen von den Literaten, die im Remstal zu Besuch waren.

Hegel, Schelling, Hölderlin: Wer diese Namen hört, fühlt sich vermutlich gedanklich erst einmal in den Deutschunterricht aus der 11. Klasse zurückversetzt. Bei Heiko Kusiek und Andrea Hahn geht es jedoch um alles andere als trockenen Frontalunterricht: Sie wollen die großen Literaten wieder lebendig werden lassen.

Die beiden bieten literarische Spaziergänge an und führen interessierte Mitspazierende durch die gesamte Region Stuttgart, um die Geschichten der Literaten zu erzählen, die

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