Rems-Murr-Kreis

Zu schnell, zu laut: Polizei kontrolliert am Wochenende die Bikerszene

Lärmschild
Im Rems-Murr-Kreis wird an vielen Stellen an Motorradfahrer appelliert, die Gashand zurückzunehmen und Rücksicht auf Anwohner zu nehmen. © Gabriel Habermann

Auf ein Wochenende wie dieses haben sich Motorradfahrer seit Wochen gefreut. Die Meteorologen versprechen für Samstag und Sonntag endlich warmes, sonniges Wetter - ideal für einen Ausflug auf zwei Rädern. Die Polizei wird jedoch an diesem Wochenende ein besonders wachsames Auge auf die Biker haben. Das Polizeipräsidium Aalen beteiligt sich am landesweiten Aktionswochenende zur Bekämpfung von Motorradunfällen und kündigt Kontrollen an - auch und vor allem der Geschwindigkeit.

Die Verkehrsstatistik weist drei Hauptursachen für schwere Unfälle mit Motorrädern aus: zu hohe Geschwindigkeit (65 Prozent) gefolgt von fehlendem Abstand (14 Prozent) und Überholen (elf Prozent). Besonders bei Motorradfahrern bestehe ein erhöhtes Risiko, bei Verkehrsunfällen schwere oder tödliche Verletzungen davonzutragen, teilt die Polizei anlässlich des Aktionswochenendes mit. Zudem beschweren sich immer wieder Anwohner bei der Polizei über den Lärm durch Motorradfahrende, besonders an beliebten Bikerstrecken. „Diese beiden Punkte werden neben vielen anderen über die warme Jahreszeit wieder verstärkt in den Fokus der Polizei rücken.“

Ziel: „Normentreue bei allen Verkehrsteilnehmern erreichen“

Das Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration hat zu einem landesweiten Aktionswochenende zur Bekämpfung von Motorradunfällen aufgerufen. Das Polizeipräsidium Aalen beteiligt sich und führt während des Wochenendes flächendeckend in allen drei Landkreisen an 26 Stellen Kontrollen durch. Dabei werden rund 100 Polizeibeamte und -beamtinnen im Einsatz sein. Diese Maßnahmen würden durch die polizeiliche Prävention begleitet, „um durch Präventionsmaterialien und persönliche Gespräche mit den Verkehrsteilnehmern weiter auf die im Straßenverkehr für Motorradfahrer lauernden Gefahren zu sensibilisieren und eine Normentreue bei allen Verkehrsteilnehmern zu erreichen“. Darüber hinaus kündigt die Polizei Geschwindigkeitskontrollen durch.

Motorradlärm ist mittlerweile ein Dauerbrenner in der öffentlichen Diskussion. Wie jüngst berichtet, haben sich beispielsweise Anwohner in den Berglen zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen und sammeln seit dieser Woche Unterschriften. Der Rems-Murr-Kreis sowie mehr als zehn Gemeinden von Althütte über Kernen bis Weinstadt sind Mitglied der baden-württembergischen Initiative Motorradlärm, der mittlerweile mehr als 150 Kommunen und Kreise aus zumeist reizvollen Gegenden mit kurvigen Straßen angehören.

Bereits 2005 sind die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm (VAGM) entstanden, die sich als Plattform für Betroffene und Motorradlärm-Bürgerinitiativen verstehen. Gegründet wurden die VAGM übrigens im Rems-Murr-Kreis, und zwar aus einer Initiative des Arbeitskreises Motorradlärm im BUND für Umwelt und Naturschutz. Die Forderungen von VAGM und der Initiative Motorradlärm lassen sich auf drei Punkten bringen:

  • Motorräder müssen leiser werden;
  • Motorräder müssen leiser gefahren werden;
  • rücksichtsloses Fahren muss deutliche Folgen haben.

„Tiroler Modell“ wirkt gegen überlaute Motorräder

In den besonders vom Motorradlärm heimgesuchten Regionen wie dem Schwarzwald wird inzwischen mit dem „Tiroler Modell“ geliebäugelt, dem die Europäische Kommission zugestimmt hat. Während der Saison sind stark frequentierte, beliebte Bikerstrecken für überlaute Maschinen gesperrt - und zwar selbst dann, wenn diese Motorräder den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, aber ein Standgeräusch von mehr als 95 Dezibel aufweisen. Ein Blick in die Fahrzeugpapiere genügt und die Krawallmaschine muss umkehren.

Die VAGM hat im Rems-Murr-Kreis zahlreiche Hotspots ausgemacht, in denen sich Motorradfahrer aus Sicht der Anwohner auf ihre Kosten austoben. Dazu gehören folgende Strecken:

  • Weinstadt: Ortsausgang Schnait Richtung Manolzweiler,
  • Kernen,
  • Auenwald, Däfernstraße in Hohnweiler,
  • Sulzbach an der Murr (B 14: „Abends und wochenends werden hier Rennen gefahren und wird gnadenlos gerast und gelärmt“),
  • Althütte-Lutzenberg (L 1120), Lutzenberg nach Bruch (K 1908), Althütte nach Oberndorf (K 1883), Schöllhütte (L 1120), Waldenweiler (L 1119).
  • Großerlach,
  • Schorndorf, Landesstraße 1157 nach Schlichten,
  • Kirchberg an der Murr.

In Kirchberg hat sich der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber eines speziellen Problems angenommen, gegen das Anwohner wie Rathäuser bisher machtlos sind: Motorradfahrer nutzen ein und dieselbe Strecke immer wieder und fahren dort hin und her. Gruber war eigenen Angaben zufolge mehrfach mit dem Lärmschutzbeauftragten der Landesregierung, Thomas Marwein, und seiner Vorgängerin Dr. Gisela Splett im Gespräch und schriftlichen Austausch. Die letzte Antwort des Lärmschutzbeauftragten zu diesem Thema war: „Leider lautet die kurze und einfache Antwort, dass es keine rechtliche Handhabe gibt, um das außerörtliche Hin- und Herfahren zu unterbinden. Lediglich für das Hin- und Herfahren innerorts gibt es Möglichkeiten, um zum Beispiel gegen Poser vorzugehen.“

Dieser Tage setzt der ADAC in Baden-Württemberg mit der Kampagne „Bitte leise!“ ein Zeichen gegen Lärm. Bei einer Auftaktveranstaltung in Forbach (Landkreis Rastatt) wurde das erste von über 200 Schildern eingeweiht, die in rund 100 Gemeinden für eine rücksichtsvollere Fahrweise werben, um Lärm zu vermeiden. Hintergrund der Kampagne ist, dass der Bundesrat aus Gründen des Lärmschutzes zeitlich beschränkte Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen fordert: „Dadurch fühlen sich die Biker zu Unrecht pauschal bestraft.“ Der ADAC hofft, dass die Appelle Fahrverbote verhindern können.

Auf ein Wochenende wie dieses haben sich Motorradfahrer seit Wochen gefreut. Die Meteorologen versprechen für Samstag und Sonntag endlich warmes, sonniges Wetter - ideal für einen Ausflug auf zwei Rädern. Die Polizei wird jedoch an diesem Wochenende ein besonders wachsames Auge auf die Biker haben. Das Polizeipräsidium Aalen beteiligt sich am landesweiten Aktionswochenende zur Bekämpfung von Motorradunfällen und kündigt Kontrollen an - auch und vor allem der Geschwindigkeit.

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