Rems-Murr-Kreis

Zukunft des Impftrucks ist ungewiss: Tausende Senioren wurden am Wohnort geimpft, vielleicht sind bald Belegschaften kleiner Firmen und Berufsschüler dran

Impftruck
Der Impftruck, ein Vierzigtonner des Roten Kreuzes, war am Mittwoch (19.5.) in Korb im Einsatz. Beim Pressetermin, von li. nach re: Der Korber Bürgermeister Jochen Müller, Landrat Dr. Richard Sigel, Michaela Groß vom Robert-Bosch-Krankenhaus, Jörg Behrens und Gerd Holzwarth, Impfzentrum. © Gabriel Habermann

Ob der Impftruck weiter im Landkreis unterwegs sein wird oder nicht, bleibt ungewiss: Alles hängt davon ab, ob das Land grünes Licht gibt und vor allem, ob Impfstoff zur Verfügung steht. Seit 2. März rollt die mobile Impfpraxis durch den Rems-Murr-Kreis, doch am Pfingstmontag ist vorerst Pause: Die Impfteams in der Praxis auf Rädern haben sämtliche 31 Kommunen im Kreis abgeklappert, zunächst über 80-Jährige am laufenden Band geimpft, später dann auch in die Oberarme über 70-Jähriger gepikst. Angesprochen waren Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind und für die es besonders schwierig war, fernab ihres Wohnorts einen Impftermin wahrzunehmen. An 84 Impftagen haben die Teams Erst- und Zweitimpfungen für diese Personengruppen angeboten. Es kam ausschließlich der Impfstoff von Biontech/Pfizer zum Einsatz, hieß es am Mittwoch (19.5.) in Korb anlässlich des vorläufigen Endes der Truck-Touren. Das Land hatte dem Rems-Murr-Kreis für Impfungen im Truck zusätzlichen Impfstoff zugewiesen: Ein Glücksfall, wie Landrat Dr. Richard Sigel betonte: „Als Flächenlandkreis mit nur einem Impfzentrum waren wir von Anfang an im Nachteil.“ In Kooperation mit den Städten und Gemeinden wurden dank des Truck-Projekts zusätzliche Impfungen möglich.

Parkt der Impftruck bald in Gewerbegebieten und an Schulen?

Der Landkreis würde den Impftruck gern weiter einsetzen; nächste Woche stehen deshalb Gespräche mit dem Sozialministerium an: Landrat Sigel möchte den Truck in Gewerbegebiete schicken, damit kleine und mittelständische Unternehmen, etwa Entsorgungsbetriebe, ihre Belegschaft dort impfen lassen können. Idee Nummer zwei: Den Integrationsklassen der beruflichen Schulen würde der Landkreis ebenfalls gern ein Impfangebot unterbreiten, das Impfwillige dann in der mobilen Praxis in Anspruch nehmen könnten.

Erst wenn das Sozialministerium sein Okay gibt und der Landkreis zusätzlichen Impfstoff für neue Truck-Touren erhält, kann’s losgehen. Sigel ist für nächste Woche mit Uwe Lahl, dem Amtschef des Sozialministeriums, für ein Telefonat verabredet – danach sieht man weiter. Gebucht ist der Truck zunächst bis Ende Juni; drei Monate Verlängerung wären denkbar.

"Überaus dankbar"

Während man am Mittwochmorgen vor der Ballspielhalle in Korb Bilanz zog zur Impftruck-Tour, trafen nach und nach eine Reihe von Seniorinnen und Senioren dort ein: Sie waren für ihre Zweitimpfung beim Impftruck eingebucht, und alles lief wie am Schnürchen. Hanne Pohlmann-Hertkorn, 82 Jahre jung, und ihr Mann Rolf Hertkorn (88) liefen der versammelten Presseschar vor dem Impftruck direkt in die Arme und drückten ihre Freude über die Impfung aus, die sie dank des Trucks in ihrem Wohnort Korb in Empfang nehmen konnten: „Überaus dankbar“ zeigte sich Hanne Pohlmann-Hertkorn – „endlich etwas Freiheit!“ Mit gutem Gefühl will die Seniorin jetzt wieder selbst einkaufen gehen. Bisher hat sich das Paar Lebensmittel liefern lassen. „Bestens“ habe sie die Impfung vertragen, berichtet die 82-Jährige – und freut sich jetzt darauf, Pflänzchen einkaufen zu gehen.

Michaela Groß berichtete beim Vor-Ort-Termin in Korb, es seien reichlich Tränen geflossen im Impf-Truck all die Tage: „Viele haben geweint vor Freude“, so die Koordinatorin für mobile Impfteams am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, das die mobile Arztpraxis mit Fachpersonal versorgt hatte. Am Robert-Bosch-Krankenhaus habe man mittlerweile eine ganze Wand tapeziert mit Dankesbriefen, Bildern und Gedichten von Geimpften.

Terminbuchung: Äußerst schwierig

Unterdessen verbringen ungezählte Menschen seit Wochen viele Stunden in virtuellen Warteräumen: Bei einem Impfzentrum einen Termin zu ergattern, erfordert Geduld und Glück. Sobald ein Impfzentrum neue Termine einstellt, sind sie binnen kürzester Zeit ausgebucht. Das ist so in Waiblingen und in sämtlichen anderen Impfzentren im Land. In den Arztpraxen laufen die Telefone heiß, doch mangels Impfstoff können die Praxen bisher nur einem Teil Impfwilliger schnell einen Termin anbieten. Dem Land will Sigel gar keinen Vorwurf machen: Alles hängt davon ab, wie viel Impfstoff Berlin den Bundesländern zuweist.

Viele Impfwillige sind enttäuscht und frustriert

Die Kommunen, die Impfteams aus Stuttgart und all die vielen Helfer vom Roten Kreuz werden weitere Truck-Touren in jedem Fall unterstützen: Der Korber Bürgermeister Jochen Müller bedankte sich beim Pressetermin am Mittwoch ausdrücklich bei allen Beteiligten: „Wünschenswert wäre, dass die Impfstoffversorgung im Kreis erhöht wird, und dann sollte auch einer weiteren Impftruck-Runde nichts im Wege stehen.“

Spruchreif ist es noch nicht, doch kündigte Landrat Sigel in Korb schon mal ein weiteres Projekt an, das bald der Enttäuschung und dem Frust vieler Impfwilliger, die keinen Termin erhalten, ein Ende bereiten könnte: Bald könnte eine Plattform an den Start gehen, die über Impftage von Arztpraxen informiert. Wie auch immer sich die Impfstofflieferungen entwickeln, der Landkreis will wie bisher „pragmatisch die Dinge lösen.“

Ob der Impftruck weiter im Landkreis unterwegs sein wird oder nicht, bleibt ungewiss: Alles hängt davon ab, ob das Land grünes Licht gibt und vor allem, ob Impfstoff zur Verfügung steht. Seit 2. März rollt die mobile Impfpraxis durch den Rems-Murr-Kreis, doch am Pfingstmontag ist vorerst Pause: Die Impfteams in der Praxis auf Rädern haben sämtliche 31 Kommunen im Kreis abgeklappert, zunächst über 80-Jährige am laufenden Band geimpft, später dann auch in die Oberarme über 70-Jähriger gepikst.

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