Rems-Murr-Kreis

Zweitimpfungen für mit Astrazeneca Erstgeimpfte haben in Waiblingen begonnen: Mit Biontech, oder?

Feature Symbolbild   Impfstoff Astrazeneca   spritze  impfen Impfdose
Der Kreis-Pandemiebeauftragte Dr. Jens Steinat appelliert an alle Ü-60-Jährigen, Solidarität mit den Jüngeren zu zeigen und sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. © Benjamin Büttner

Um Frust  in der Schlange vor dem Kreisimpfzentrum (KIZ) in Waiblingen zu vermeiden, appelliert KIZ-Verwaltungsleiter Gerd Holzwarth: "Kommen Sie nicht zu spät, aber auch nicht zu früh zu Ihrem Impftermin. Wer nämlich beispielsweise um 9.15 Uhr einen Impftermin hat, aber schon um 9 Uhr kommt, könnte zusehen müssen, wie jemand der punktgenau zu seinem Impftermin um 9.10 Uhr da ist, 'vorher' ausgerufen wird." Derweil haben widersprüchliche Informationen bezüglich der am Mittwoch (28.4.) gestarteten Zweitimpftermine für mit Astrazeneca Erstgeimpfte für Verwirrung gesorgt.

Zweitimpfung nicht mit Biontech? Eben doch!

„Sie sind unter 60 Jahren und haben einen Impftermin mit Astrazeneca vereinbart? Beachten Sie bitte, dass wir Ihnen im Kreisimpfzentrum Waiblingen (KIZ) zu Ihrem Termin keinen anderen Impfstoff anbieten können.“ Diese Meldung machte eine mit Astrazeneca erstgeimpfte Remstälerin stutzig. Schließlich stand ihr Zweitimpftermin an, und als unter 60-jährige Impfberechtigte sollte sie doch Biontech bekommen, oder etwa doch nicht?

Als sie Sonntagabend (25.4.) nach ihrem erwartbaren Termin zur Zweitimpfung im KIZ geschaut habe, seien ihr zudem noch folgende Optionen angeboten worden: „A) sich nach intensiver ärztlicher Aufklärung auf eigenen Wunsch mit Astrazeneca impfen lassen; B) sich über das Terminvereinbarungssystem einen neuen Termin suchen, gegebenenfalls auch in einem anderen Impfzentrum; C) wir melden Ihren Termin ans Sozialministerium.“

So rief die Remstälerin bei der 116 117 an, „da war nur ein Mitarbeiter der Abteilung erreichbar, die für Fragen zuständig ist, dieser wusste von nichts. Montagmorgen erreichte ich dann unter 116 117 jemanden bei der Terminvergabe, und habe erfahren, dies sei korrekt. Ich müsse meinen Zweittermin stornieren, wenn ich keine Astra-Impfung bekommen wolle; auch auf meinen Einwand, dies sei in den Medien anders dargestellt sagte sie, dass dies so sei. Also stornierte ich den Ersttermin meines Mannes und von mir und versuchte, wieder über die 116 117, einen neuen Termin zu bekommen (den Zweittermin bekommt man nur über das Telefon). Nach über einer Stunde Warteschleife teilte mir dann ein wieder anderer Mitarbeiter mit, dass dies falsch sei. Man müsste den Zweittermin behalten. Er müsste mir und meinem Mann jetzt einen neuen Termin geben. Es würde sich innerhalb von zwei Wochen jemand melden. Meine Zweitimpfung wäre in einer Woche gewesen.“

Am Dienstag (27.4.) dann erreichte sie die Nachricht des KIZ in Waiblingen, dass Biontech verimpft werden würde. Warum ihr unter der 116117 gesagt wurde, es gebe gerade nur Astrazeneca für ihren Zweitimpftermin und sie könne den Termin aber absagen und einen neuen vereinbaren, wenn sie kein Astrazeneca wolle, wisse sie bis heute immer noch nicht, so die Remstälerin.

Was war da los?

„Die Info, die Ihre Leserin bekam, bezieht sich auf Erstimpfungen“, erläutert Juliane Jastram von der Pressestelle des Landratsamtes. Wahrscheinlich war es die Info für den Erstimpftermin des Ehemannes. Da die Mitteilungen maschinell und automatisch erstellt und verschickt würden, fehle die persönliche Anrede. „Wir haben aber inzwischen veranlasst, dass diese Info wieder aus dem Terminvergabesystem genommen wird, damit sie nicht für Verwirrung sorgt“, so Jastram.

„So widersprüchliche Informationen zu erhalten, wie Ihre Leserin, ist natürlich frustrierend. Warum über die Hotline 116 117 von drei verschiedenen Mitarbeitenden drei verschiedene Informationen kommen, wissen wir nicht. Es gibt immer wieder Berichte, dass in der Hotline unterschiedliche Aussagen getroffen werden, darauf können wir aber leider keinen Einfluss nehmen“, sagt Jastram.

Sich diesen verwirrenden Vorgang erklären kann sich auch das Landessozialministerium nicht. Die Mitarbeiterschaft der Servicenummer 116 117 werde eigentlich stets aktuell nachgeschult und müsste eigentlich Folgendes wissen, so Pascal Murmann, Sprecher des Sozialministeriums:

„Menschen unter 60 Jahren, die aufgrund ihrer Impfberechtigung bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, können nach der neuen Stiko-Empfehlung die Zweitimpfung nach neun oder zwölf Wochen mit einem sogenannten mRNA-Impfstoff (Biontech, Moderna*) erhalten. In den Impfzentren bleiben alle bereits gebuchten Astrazeneca-Zweitimpftermine gültig, unter 60-Jährige werden im Impfzentrum bei der Zweitimpfung auf einen vorhandenen mRNA-Impfstoff umgebucht. Dies geschieht direkt vor Ort. Sollte ein mRNA-Impfstoff an diesem Tag nicht zur Verfügung stehen, erhalten die Bürgerinnen und Bürger ebenfalls vor Ort einen neuen Termin für eine Zweitimpfung.“

Juliane Jastram vom Landratsamt bestätigt: „In Baden-Württemberg und damit auch im KIZ in Waiblingen gilt weiterhin: Bereits gebuchte Astrazeneca-Zweitimpfungen, wie bei der Bürgerin, die sich an Sie gewandt hat, werden für Menschen unter 60 automatisch zu Biontech-Impfungen. Das heißt, der Impftermin bleibt bestehen, die Menschen brauchen nichts weiter zu tun und bekommen vor Ort trotzdem Biontech verabreicht. Das hat das Sozialministerium so festgelegt und wir werden die Termine vor Ort auch so handhaben. Es muss niemand für seinen Zweitimpftermin etwas veranlassen oder aktiv werden. Darauf weisen wir auch auf der Website des KIZ hin.“

Fragen zu Astrazeneca-Terminen im KIZ per E-Mail stellen

„Wir merken, dass es bei den Bürgerinnen und Bürgern Rücksprachebedarf zum Thema Astrazeneca mit Bezug zu einem bereits gebuchten Impftermin im KIZ gibt“, sagt Juliane Jastram. „Deshalb kann man sich ab sofort mit Fragen per E-Mail ans KIZ wenden unter kiz-leitung@rems-murr-kreis.de. Unter der Adresse bekommt man aber keine Impftermine, wir können dort nur Fragen beantworten.“

Biontech und Astrazeneca: Liefermengen ans und Termine im KIZ

"Die vor Wochen von unter 60-jährigen Impfberechtigten ausgemachten Astrazeneca-Zweitimpftermine bleiben bestehen und werden im KIZ mit Biontech durchgeführt", bestätigt auch noch einmal KIZ-Verwaltungsleiter Gerd Holzwarth. "Wer Astrazeneca bekommen möchte, der kann dies auch bekommen. Vorher muss er allerdings eine ausführlichere ärztliche Aufklärung bekommen. Wohlgemerkt nur, wenn der Astrazeneca-Impfstoff da ist. Wir bekommen nämlich immer weniger Astrazeneca geliefert und immer mehr Biontech."

Am Mittwoch (28.4.) waren laut Holzwarth knapp 300 Zweitimpfungen geplant. "Rund 15 bis 20 Prozent entschieden sich dennoch für Astrazeneca, der Rest für Biontech." Das jeweilige Alter der Geimpften werde in der Terminplanung leider nicht erfasst, darüber könne er deshalb keine Auskunft geben.

Zweitimpftermine für mit Astrazeneca Erstgeimpfte seien im Waiblinger KIZ nunmehr bis Ende Mai/Anfang Juni durchgebucht, sagt Holzwarth, Erstimpftermine allgemein im KIZ bereits bis zum 18. Juni freigeschaltet und meist auch schon ausgebucht. "Wir verabreichen im KIZ im Moment pro Tag 600 bis 700 Biontech-Dosen, Erst- und Zweitimpfungen."

Die laufende letzte Aprilwoche sei eine Kiste Biontech mehr ans KIZ geliefert worden: insgesamt drei Kisten à 1170 Dosen, macht 3510 Dosen. 

Für die nächste Woche (KW18) seien rund 4700 Biontech-Dosen angekündigt, danach für mehrere Wochen lang wieder nur zwei Kisten (2340 Dosen). "Allerdings könnte es zwischendrin auch Extralieferungen geben."

Die Astrazeneca-Lieferungen ans Waiblinger KIZ würden derweil immer weniger und der Impfstoff werde vor allem für Zweitimpfungen verwendet: "300 Dosen in der laufenden Woche, 200 Dosen in der KW18 , 400 Dosen in der KW19 und 100 Dosen in der KW20."

Impftermine in Arztpraxen: Seit dieser Woche auch bei Fachärzten

Astrazeneca-Erstimpfungen im Rems-Murr-Kreis fänden derzeit eigentlich vor allem in den Arztpraxen statt, ergänzt Juliane Jastram. Seit dieser Woche dürfen auch Fachärzte Impfberechtigte in ihren Praxen gegen Corona impfen. „Welche Impfstoffe für die Arztpraxen über den Großhandel und die Apotheken geliefert werden, unterscheidet sich von Woche zu Woche“, sagt Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). „In den ersten zwei Wochen war es nur Biontech. Die vergangene Woche war es Astrazeneca und Biontech. Diese Woche ist es ausschließlich Biontech und kommende Woche wird es wieder Astrazeneca und Biontech sein.“

Die maximale Bestellmenge für die Produkte von Biontech und Astrazeneca bleibt laut KVBW unverändert: Pro Arzt sind wöchentlich bis zu 36 Dosen Biontech und bis zu 50 Dosen Astrazeneca möglich.

„Wenn Patienten ihre erste Impfung in einem Impfzentrum erhalten haben, soll die Zweitimpfung auch dort durchgeführt werden, da die entsprechenden Impfdosen dort dafür eingeplant wurden“, so die KVBW. „Nur in begründeten Ausnahmefällen kann davon abgewichen werden. Eine Ausnahme kann beispielsweise sein, dass Sie die Impfung bei einem Ihrem Patienten durchführen, der seine Zweitimpfung im Impfzentrum wegen eines Krankenhausaufenthalts nicht wahrnehmen konnte.“

* Anmerkung: Aufgrund der geringen Liefermengen geht Moderna derzeit nur an die Zentralen Impfzentren und nicht an die Kreisimpfzentren oder Arztpraxen.

Um Frust  in der Schlange vor dem Kreisimpfzentrum (KIZ) in Waiblingen zu vermeiden, appelliert KIZ-Verwaltungsleiter Gerd Holzwarth: "Kommen Sie nicht zu spät, aber auch nicht zu früh zu Ihrem Impftermin. Wer nämlich beispielsweise um 9.15 Uhr einen Impftermin hat, aber schon um 9 Uhr kommt, könnte zusehen müssen, wie jemand der punktgenau zu seinem Impftermin um 9.10 Uhr da ist, 'vorher' ausgerufen wird." Derweil haben widersprüchliche Informationen bezüglich der am Mittwoch (28.4.)

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