VfB Stuttgart

Sand im Getriebe

VfB Stuttgart - Hannover 96 (12.12.16)_0
Im Spitzenspiel gegen Mitabsteiger Hannover erwies sich vor allen Dingen das zentrale Mittelfeld um Matthias Zimmermann (r.) und Kapitän Christian Gentner als Problemzone. © Danny Galm

Stuttgart.
Der VfB Stuttgart hat nach der Niederlage im Spitzenspiel gegen Hannover 96 zwar die Tabellenführung verloren, steht aber kurz vor dem Weihnachtsfest sehr gut da: 32 Punkte aus 16 Partien bescheren den Schwaben aktuell den zweiten Tabellenplatz. Am Sonntag (13:30 Uhr/ZVW-Liveticker) ist der VfB ein gegen den Aufsteiger aus Würzburg ein letztes Mal in diesem Jahr gefordert.

Wiedergutmachung gegen Würzburg

"Es ist extrem wichtig, dass wir das Spiel erfolgreich gestalten. Da müssen wir noch mal alles raushauen und auch etwas gutmachen“, legte VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser nach der Niederlage im Spitzenspiel den Finger noch einmal in die Wunde.

Der Pleite gegen die Niedersachsen folgte auch die Erkenntnis, dass der VfB von den fünf Duellen gegen die Spitzenteams der Liga, nur ein einziges gewinnen konnte: Nur gegen den alten und neuen Tabellenführer Eintracht Braunschweig gelang dem VfB am 6. Spieltag ein Heimdreier.

Zuhause gegen den Tabellenvierten Heidenheim (1:2) und den Dritten Hannover (1:2) ging der VfB hingegen leer aus. Auswärts konnten die Schwaben über kein Spitzenteam triumphieren: In Düsseldorf setzte es am 2. Spieltag eine 0:1-Niederlage, einen Monat später gab es das 0:5-Waterloo in Dresden und bei Union Berlin kam der VfB nur zu einem 1:1.

Das zentrale Mittelfeld als Problemzone

Im Spitzenspiel gegen Mitabsteiger Hannover erwies sich besonders das zentrale Mittelfeld als Problemzone. Weder offensiv noch defensiv konnten Matthias Zimmermann und Christian entscheidende Impulse setzen. Vor allen Dingen im Spielaufbau ließ der VfB die nötige Qualität vermissen. Im ersten Durchgang war einfach zu viel Sand im Getriebe des VfB.

Das wurde im zweiten Durchgang merklich besser. Hannes Wolf beorderte den jungen Franzosen Benjamin Pavard in den zweiten 45 Minuten auf die Sechserposition und das VfB-Spiel bekam deutlich mehr Struktur. Dort in der Schaltzentrale zwischen Defensive und Offensive „kann er auf jeden Fall spielen“, so Spotvorstand Schindelmeiser nach der Partie. Der 20-Jährige verfügt über ein gutes Passspiel, kann aber wenn es nötig ist auch dazwischen hauen.

Der VfB braucht ein starkes Zentrum

Mit diesen Qualitäten konnte Pavard mehr überzeugen, als Matthias Zimmermann, der sich über Fleiß nach dem Ausfall von Hajime Hosogai auf der Position festgespielt hat. Hosogai und Zimmermann interpretieren ihre Sechserposition im Gegensatz zu Pavard sehr defensiv und fallen im Spiel nach vorne eher durch Fehlpässe als durch Präzision auf.

Im modernen Fußball ist die Sechserposition allerdings eminent wichtig. Hier wird zum einen Druck von der Abwehr ferngehalten und zum anderen Druck im Offensivspiel aufgebaut. Will der VfB künftig auch gegen starke Gegner mehr Spielkontrolle, dann brauchen die Schwaben ein starkes Zentrum.

Gegen Hannover war zudem Toptorjäger Simon Terodde über weite Strecken abgemeldet. Zwar traf der 1,92 Meter-Hüne bereits zum elften Mal in der laufenden Spielzeit ins Schwarze, doch bis auf den Treffer nahm Hannovers Abwehrboss Salif Sane Terodde nahezu komplett aus dem Spiel.

„95 oder 98 Prozent reichen nicht“

Auch bei den Erfolgen über Aue, Bielefeld oder Karlsruhe offenbarte der VfB bereits Schwächen im Offensivspiel und Abstimmungsprobleme in der Defensive. Nur mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass die Teams aus dem unteren Tabellendrittel nicht in der Lage waren, diese Fehler auch konsequent zu bestrafen. Im Gegensatz zu den Topteams der Liga.

„Bei diesem starken Gegner kommt nach dem Spiel auch die Erkenntnis, dass es nicht reicht ein Spiel mit 95 oder 98 Prozent anzugehen“, befand Sportvorstand Schindelmeiser nach dem Hannover-Spiel. „Wir hatten zu wenig Kontrolle, zu wenig Bewegung und zu wenig Anspielstationen“, konkretisierte der Sportchef die Problemzonen des VfB. Damit verbunden kündigte der Sportdirektor an, im Winter möglicherweise noch einmal personell nachzulegen: „Ich schließe nichts aus. Wenn wir etwas tun, dann wird es überschaubar bleiben.“

Präsident Wolfgang Dietrich unterstützt den Plan der sportlichen Leitung. In der Vorwoche verkündete der neue Präsident: "Ich kann bestätigen, dass der Spielraum da ist. Wenn sich Optionen ergeben, wird es nicht am Geld scheitern", fügte aber an: "Wenn man Leute holt, dann nur welche, die einem auch langfristig weiterhelfen."

Trio auf dem Abstellgleis

Auch Cheftrainer Hannes Wolf will in Sachen in Wintertransfers nichts ausschließen: „Das wird man sehen. Es ist aber nicht so einfach im Winter was zu machen.“ Sollte der VfB in der Winterpause auf dem Transfermarkt aktiv werden, dann müsste der mit 26 Profis ohnehin sehr üppig bestückte Kader im Gegenzug etwas ausgedünnt werden. Daher stehen für Stephen Sama, Boris Tashchy und Philip Heise in der Januar-Transferperiode „die Türen offen“, wie der VfB-Trainer Hannes Wolf den Umstand freundlich ausdrückt, dass dieses Trio auf dem Abstellgleis steht. „Alle drei sind gute Jungs, die sich rein gar nichts zu schulden haben kommen lassen“, das ist Hannes Wolf wichtig.

Heise hat in dieser Spielzeit lediglich in der Auftaktpartie gegen St. Pauli als linker Verteidiger gespielt, Sama war zu Saisonbeginn immerhin kurz in der Innenverteidigung Stammkraft, als aber Timo Baumgartl noch verletzt und Benjamin Pavard noch nicht verpflichtet war. Der Stürmer Boris Tashchy wurde in fünf Spielen eingewechselt. Dabei zeigte der 23-jährige Russe aber, dass es ihm auch für die zweite Liga an der nötigen Robustheit fehlt.