Meinung

Sanitär-Heizung-Klima Innung Rems-Murr: Schluss mit der Panikmache

Gaszähler
Heizung Gas Winter Gaszähler Symbolfoto Russland Ukraine Krieg Sanktionen © Gabriel Habermann

Den folgenden Brandbrief hat  die Innung Sanitär-Heizung-Klima und Klempnerei (SHK) Rems-Murr verfasst. Urheber sind Innungsobermeister Rolf Gamperling und die gesamte Vorstandschaft der SHK-Innung Rems-Murr:

Die Bundesrepublik Deutschland befindet sich seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine in einem ungesunden Panik-Modus bezüglich der Versorgung mit Energie. Die Corona-Krise wurde nahtlos abgelöst durch die sogenannte „Gaskrise“ beziehungsweise die „Energiekrise“. Die Bundes- und Landespolitik zeigt sich in der Öffentlichkeit ratlos, konzeptlos, bisweilen überfordert und wendet sich seit Wochen und Monaten mit teilweise eher verzweifelt wirkenden Appellen und gut gemeinten „Energiespartipps“ an die Bevölkerung.

Die dadurch (bewusst oder unbewusst) geschürte Angst bei den Verbrauchern bekommen wir, die installierenden Sanitär-Heizung-Klima-(SHK)-Fachbetriebe, tagtäglich zu spüren. Dadurch entstehen absurdeste Geschäftsvorfälle: So wollen manche Endkunden gar ihre quasi neu installierten Gas-Brennwertgeräte „sofort“ austauschen lassen. Mit gesundem Menschenverstand oder mit Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung hat das für uns nichts mehr zu tun. Denn wenn die „Angst vor dem kommenden Winter“ zur Triebfeder politischen und individuellen Handelns wird, dann geht die Türe weit auf für die „Geschäftemacher im Heizungskeller“, die mit einfachsten Botschaften ihren Profit schlagen wollen.

"Primitiver Lobbyismus"

Dass ein solch primitiver Lobbyismus derzeit auch auf der Ebene der Bundespolitik funktioniert und salonfähig ist, erschüttert uns. Denn Tatsache ist doch, dass wir es im Kontext der Haus- und Heiztechnik mit kritischen Infrastrukturen zu tun haben, welche eine erhöhte Sorgfaltspflicht mit sich bringen.

Michael Hilpert, Präsident des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), hatte dieses aktuelle Phänomen Ende Juli 2022 in einer entsprechenden Pressemeldung im Zusammenhang mit dem sogenannten „Fachkräftebooster“-Papier sehr deutlich kritisiert: „Für mich klingt das wie Heilen durch Handauflegen! […] In einer Phase weitreichender klimapolitischer Entscheidungsprozesse, bei denen es jetzt darauf ankommt, der Politik ein geschlossenes wie auch realistisches Bild unserer Branche als entscheidender Faktor für die Klima- und Wärmewende zu vermitteln, leben einige Vertreter von Heizungsindustrie und Großhandel ihre Profilierungsneurose gegenüber der Politik aus – zum Schaden des Handwerks.

Und letztendlich zum Schaden unser aller Kunden. Denn die zahlen die Zeche für eine solche Strategie, die auf Stückzahlen um jeden Preis abzielt und alles, was Planung, After Sale, Wartung, eine tatsächliche Energieeffizienz und CO2-Reduzierung betrifft, hintanstellt.“

"Wir sind nämlich ganz sicher nicht die Prügelknaben"

Diese Meinung von Michael Hilpert unterstützen wir ausdrücklich! Wenn wir die aktuellen und anstehenden Herausforderungen meistern wollen, so müssen alle Beteiligten an einem Strang und in dieselbe Richtung ziehen.

Das „Schwarze-Peter“-Spiel in Sachen Wärmewende und Energiewende, bei dem die vor Ort ausführenden Handwerksbetriebe diese Karte zugewiesen bekommen, führt nämlich – gerade angesichts der aktuellen Vorzeichen – tatsächlich ins Energie-Chaos. Wir sind nämlich ganz sicher nicht die Prügelknaben, welche nun den Scherbenhaufen einer seit Jahren fehlgeleiteten Energiepolitik in Deutschland aufkehren. Sonst sagen wir irgendwann und endgültig: Es reicht!

Schwarz-Weiß-Malerei wird der Sache in keinster Weise gerecht: Wärmewende und Energiewende lassen sich mit Nullachtfünfzehn-Konzepten nach dem Motto, feste, flüssige und gasförmige Energieträger sind schlecht und Strom ist gut, nicht realisieren. Auch bringen uns solche Märchen, die an der Lebensrealität vieler Verbraucher vorbeigehen, nicht über die beiden kommenden Winter. Von einer langfristig soliden, belastbar aufgestellten und diversifizierten Energie- und Wärmeversorgung ganz zu schweigen.

Zentral verordnete "Wunderwaffe" hilft nicht

Dies ist eigentlich alles hinlänglich bekannt. Dutzende Studien und Programme, allen voran die dena-Leitstudie „Integrierte Energiewende“, haben dies schon vor Jahren fundiert skizziert. Die Bundesrepublik Deutschland ist in Sachen Heiztechnik und Wärmeversorgung äußerst heterogen, so dass eine zentral verordnete „Wunderwaffe“ im „Gaskrieg mit Putin“ kurzfristig nicht wirklich hilft.

Was mehr denn je notwendig ist, ist vernünftiges Handeln auf lokaler Ebene. „Global denken, lokal handeln“: Für das entsprechend notwendige Fachwissen auf dieser versorgungstechnischen Mikroebene stehen wir als SHK-Fachbetriebe, welche seit Jahren und Jahrzehnten seriöse Arbeit leisten und keinen unserer Kunden jemals haben frieren lassen. Wir sind nicht erst seit den Corona-Lockdowns Teil der Kritischen Infrastruktur. Wir sind nicht Teil des Problems, sondern essenzieller Bestandteil der Lösung.

Appell: Unterschätzt nicht das Potenzial der Fachbetriebe!

Liebe Vertreterinnen und Vertreter der politischen Parteien, der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik, liebe Vertreterinnen und Vertreter der Heizungsindustrie sowie des Fachgroßhandels: Unterschätzt nicht das Potenzial der 49.000 Betriebe und mehr als 390.000 Beschäftigten im SHK-Fachhandwerk. Unterschätzt nicht deren Erfahrung, Mittel, Methoden und realen Werkzeuge. Gerade, wenn es dann tatsächlich „eng“ werden sollte …

Mit dieser Erklärung fordern wir all jene, die an Fragen der Gegenwart und Zukunft von Gebäude-, Heiz- und Versorgungstechnik beteiligt sind, dazu auf, in ihrer Entscheidungsfindung das Fach- und Praxiswissen unseres Berufsstandes nicht mit Füßen zu treten, sondern bewusst und auf Augenhöhe mit einzubeziehen.

Den folgenden Brandbrief hat  die Innung Sanitär-Heizung-Klima und Klempnerei (SHK) Rems-Murr verfasst. Urheber sind Innungsobermeister Rolf Gamperling und die gesamte Vorstandschaft der SHK-Innung Rems-Murr:

Die Bundesrepublik Deutschland befindet sich seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine in einem ungesunden Panik-Modus bezüglich der Versorgung mit Energie. Die Corona-Krise wurde nahtlos abgelöst durch die sogenannte „Gaskrise“ beziehungsweise die „Energiekrise“.

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