VfB Stuttgart

Schlüsselrolle im VfB-Machtkampf: Was entscheidet der Vereinsbeirat - und wer sitzt in dem Gremium?

VfB Symbolbild Wappen
Symbolbild. © ZVW/Simeon Kramer

Der Machtkampf zwischen dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger und dem Präsidenten Claus Vogt droht den VfB Stuttgart zu zerreißen. Die beiden VfB-Bosse konkurrieren um das Amt des Präsidenten - und zwischen den Stühlen sitzt der Vereinsbeirat des Stuttgarter Bundesligisten.

Das Gremium steht vor einem Dilemma: Es muss entscheiden, welche Kandidaten es zur Wahl auf der Mitgliederversammlung am 18. März 2021 zulässt. Damit kommt dem Beirat eine Schlüsselrolle im Machtkampf an der Mercedesstraße zu. Höchste Zeit also, sich das Gremium und die gewählten Vereinsbeiräte genauer anzuschauen.

Was macht der Vereinsbeirat – und welche Mitglieder gehören ihm an?

Der Vereinsbeirat ist ein noch junges Gremium des VfB e.V. und wurde unter der Führung von Ex-Präsident Wolfgang Dietrich ins Leben gerufen. Der Vereinsbeirat wird alle vier Jahre gewählt, besteht aus neun Mitgliedern und soll dem VfB-Präsidium beratend zur Seite stehen. Auf der Mitgliederversammlung im Dezember 2017 wurde das Gremium erstmals gewählt und löste damit in der Vereinsstruktur den Aufsichts- und Ehrenrat ab. Damit gibt es im e.V. aktuell zwei Organe: Das dreiköpfige Präsidium rund um Präsident Claus Vogt und den Vereinsbeirat.

Nach dem Rücktritt von Dieter Göggel im Oktober 2020 hat der Vereinsbeirat aktuell acht Mitglieder:

  • Dr. Wolf-Dietrich Erhard, 66 Jahre alt, aus Stuttgart. Er ist Vorsitzender des Vereinsbeirats und gehörte einst dem Ehrenrat an. Er ist Leiter der Faustballabteilung des VfB e.V..
  • Claudia Maintok, 34 Jahre alt, aus Wittlensweiler. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende und ist Mitarbeiterin im Vertriebsinnendienst im Bereich Finanzierungen.
  • Rainer Weninger, 55 Jahre alt, aus Waiblingen. Er ist Geschäftsführer eines metallverarbeitenden Unternehmens in Waiblingen.
  • Dr. Marc Nicolai Schlecht, 46 Jahre alt, aus Stuttgart. Er ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, war früher Fußballprofi und spielte als Torhüter unter anderem für die Stuttgarter Kickers.
  • Prof. Christoph Seeger, 47 Jahre alt, aus Gäufelden. Er ist Professor an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart.
  • Prof. Dr. Hubert Mörk, 60 Jahre alt, aus Nagold. Er ist Ärztlicher Direktor der Kliniken Calw und Nagold.
  • Prof. Dr. André Bühler, 45 Jahre alt, aus Kirchheim unter Teck. Er ist Professor an der HfWU Nürtingen-Geislingen und initierte dort den "VfB-Master".
  • James Bührer, 53 Jahre alt, aus Renningen-Malmsheim. Er ist bei der LBBW tätig.

Was macht der Vereinsbeirat?

Die wichtigste Aufgabe des Gremiums ist die Kandidatenauswahl für das VfB-Präsidium – und damit auch für den Präsidenten. Der Vereinsbeirat schlägt den Mitgliedern die aus seiner Sicht geeigneten Kandidaten zur Wahl vor. Dabei kann er selbst entscheiden, ob er einen oder zwei Kandidaten zur Wahl zulässt. Es wäre also möglich, dass der Vereinsbeirat den Mitgliedern entweder nur Thomas Hitzlsperger oder nur Claus Vogt als Kandidaten vor die Nase setzt – oder beide.

Im Vorfeld prüft der Vereinsbeirat alle Bewerber auf ihre Eignung als VfB-Präsident. Um in der Causa Hitzlsperger keine Fehler zu begehen, lässt das Gremium dessen Bewerbung juristisch prüfen. Satzungs- und Interessenskonflikte sollen so vermieden werden. Der Stuttgarter Rechtsanwalt Roland Gall bestätigte auf Nachfrage unserer Redaktion bereits, dass aus juristischer Sicht nichts gegen eine Kandidatur des Vorstandsvorsitzenden spräche. Auch der Vereinsbeirat hat laut einem Kicker-Bericht bereits grünes Licht für eine Hitzlsperger-Kandidatur erhalten.

Neben den beiden VfB-Bossen stehen noch Volker Zeh, ein Remstäler Unternehmer, und die Dauerkandidatin Fridi Miller zur Auswahl. Letztere erhielt vom Vereinsbeirat aber bereits eine schriftliche Absage, wie sie in den sozialen Netzwerken bekannt gab.

Sollte der Vereinsbeirat alle Kandidaten für ungeeignet befinden, bliebe ihm noch eine weitere Möglichkeit: Er könnte selbst einen geeigneten Kandidaten suchen und zur Wahl aufstellen. Somit wäre es auch möglich, dass weder Hitzlsperger, Vogt oder Zeh, sondern ein bislang völlig unbekannter Kandidat zur Wahl aufgestellt wird. 

Wie entscheidet das Gremium über die Kandidaten – und was passiert bei einem Patt?

Die endgültige Entscheidung, welche Bewerber der Vereinsbeirat zur Wahl zulässt, bestimmt das Gremium selbst per Wahl. Die neun bzw. aktuell acht Mitglieder entscheiden für jeden einzelnen Präsidentschaftskandidaten, ob er als Bewerber starten darf oder nicht. Dabei hat jeder Vereinsbeirat eine Stimme.

Da Dieter Göggel als neuntes Mitglied aus dem Gremium ausgetreten ist, kann es bei den Wahlen zu einer Patt-Situation kommen. Tritt beispielsweise der Fall ein, dass Claus Vogt vier Ja- und vier Nein-Stimmen erhält, entscheidet die Stimme des Vorsitzenden. Sein Votum zählt in diesem Fall doppelt. Damit wäre Dr. Wolf-Dietrich Erhard das Zünglein an der Waage.

Wie und wann der Vereinsbeirat entscheiden wird, scheint völlig offen. Klar ist lediglich, dass die Entscheidung nicht ewig hinausgezögert werden kann. Mit Blick auf die auf Mitte März terminierte Mitgliederversammlung sollten die Kandidaten oder der Kandidat bis Ende Januar, spätestens Anfang Februar, feststehen.