VfB Stuttgart

So hat Matarazzo den VfB wieder auf Kurs gebracht

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So hat Matarazzo den VfB wieder auf Kurs gebracht_0
Cheftrainer Pellegrino Matarazzo und seine vier Schlüsselspieler Daniel Didavi, Orel Mangala, Wataru Endo und Atakan Karazor (v.li.). © ZVW/Danny Galm
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Hat den VfB wieder in die Spur gebracht: Trainer Pellegrino Matarazzo.
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Verleiht der Hintermannschaft Stabilität: Atakan Karazor.
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Ein Spektakel-Spieler: VfB-Angreifer Silas Wamangituka.

Stuttgart.
Die erste Zwischenbilanz von Pellegrino Matarazzo auf der Trainerbank des VfB Stuttgart kann sich durchaus sehen lassen: Vier Ligaspiele, drei Siege, ein Remis, acht geschossene Tore und dreimal stand hinten die Null. Die Schwaben sind nach einem stürmischen Herbst 2019 wieder in der Spur. Doch wie hat der neue Trainer das gemacht? In unserer Taktik-Analyse zeigen wir, wie Matarazzo die Stuttgarter wieder auf Kurs gebracht hat – und welches altbekannte Problem noch nicht behoben wurde.

Neue Grundordnung bringt Stabilität

Viel Zeit hatte Matarazzo mit seinen Spielern in der Wintervorbereitung nicht. Aber die zehn Tagen im spanischen Marbella hat der 42-Jährige augenscheinlich gut genutzt. Die neue Stuttgarter Grundordnung ist jetzt ein flexibles 3-2-4-1-System. Dieses neue Konzept, das bei gegnerischem Ballbesitz je nach Spielsituation auch mal ein 4-4-2 oder 4-5-1-System wird, gibt der Mannschaft Stabilität.

„Alle profitieren von den klareren Strukturen in der Defensive“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat. Viel entscheidender als die taktische Grundordnung ist für Matarazzo allerdings das Verhalten seiner Spieler innerhalb der Systematik. Und hier setzen die Stuttgarter Profis die Vorgaben ihres Trainers bislang vorbildlich um.

Umschaltmomente und Spielkontrolle

Pressing, rasantes Umschaltspiel bei Ballgewinn und Ballverlust und die Kontrolle über das Spielgeschehen stehen unter Pellegrino Matarazzo besonders im Fokus. Die gegnerischen Teams sollen nicht mehr wie unter Ex-Trainer Tim Walter durch endlose und ineffektive Ballstafetten eingeschnürt werden. Die neue Stuttgarter Dominanz füttert sich weniger aus astronomisch hohen Ballbesitzwerten, sondern aus der Spielkontrolle über eine kluge Raumaufteilung. Die Schwaben lenken ihre Gegner gezielt in Bereiche des Spielfeldes, wo dann eiskalt zugeschlagen wird. Die Abläufe in der Defensive und der Offensive sind klar vorgegeben, werden aber je nach Gegner und Spielsituation variabel angepasst.

Eine neue Achse hat sich gebildet 

In Matarazzos System gibt es vier Schlüsselspieler: der zweikampfstarke Atakan Karazor (23) als zentraler Mann in der Dreierkette, die Doppelsechs bestehend aus Wataru Endo (27) und Orel Mangala (21) sowie Spielmacher Daniel Didavi (29), der als hängende Spitze und erster Pressingspieler fungiert. Daraus hat sich eine neue Achse im VfB-Spiel gebildet, die offensiv wie defensiv für Struktur und Ordnung sorgt.

Alle vier sind spielintelligente und ballsichere Spieler. Alle vier übernehmen Verantwortung und gehen voran. Vor allem der „stille Leader“ Wataru Endo (O-Ton Sportdirektor Sven Mislintat) ist unter Matarazzo in der Schaltzentrale zu einem Fixpunkt geworden, der dem Stuttgarter Spiel eine gute Balance verleiht.

Die neue Stuttgarter Zielstrebigkeit

Neben der defensiven Stabilität hat Matarazzo dem schwäbischen Angriffsspiel eine neue Zielstrebigkeit verordnet. Schnell und schnörkellos wird der Weg zum Tor des Gegners gesucht. Auch Schüsse aus der zweiten Reihe sind wieder zu beobachten. Vertikalpass > Diagonalpass. Verliert die gegnerische Mannschaft das Spielgerät, so geht es Schlag auf Schlag. Jüngst zu sehen beim Siegtreffer in Bochum, als der Ball nur wenige Sekunden nach einem Bochumer Fehlpass im Netz zappelte.

Auch eine neue Wucht beim Spiel über die Flügel zeigen die Schwaben in den ersten Spielen unter dem neuen Coach. Der trickreiche Silas Wamangituka und der nimmermüde Nicolas Gonzalez haben zwar im Hinblick auf ihre Torausbeute noch Steigerungspotenzial, reißen durch ihre umtriebige Spielweise aber Löcher in die tiefgestaffelten Abwehrreihen. Begünstigt wird das schwäbische Flügelspiel auch durch die neue Grundordnung, in der schnelle Außenbahnspieler wie Roberto Massimo oder Borna Sosa ihren Vorwärtsdrang ausleben dürfen.

Ein altbekanntes Problem bleibt

Bei allen positiven Aspekten bleibt ein altbekanntes Manko auch unter dem neuen Trainer bestehen: die mangelhafte Chancenverwertung. Was in den Heimspielen gegen Heidenheim (zwölf Torschüsse für drei Tore) und Aue (19 Torschüsse für drei Tore) schon ordentlich funktionierte, ist auswärts weiter ein Problem. In der Fremde fehlen der VfB-Offensive im letzten Drittel noch zu oft die Präzision und vor dem Tor die nötige Entschlossenheit und Abschlussstärke. Superjoker Hamadi Al Ghaddioui parat. Für einen Stürmer sei es „auch mal ganz gut, wenn man vor dem Tor des Gegners nicht so viel nachdenkt“.