Pandemie

So lockern die Länder die Corona-Regeln an Schulen

Schüler
Dank sinkender Corona-Zahlen soll möglichst bald wieder Normalität an Deutschlands Schulen herrschen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa © Rolf Vennenbernd

Berlin (dpa) - Während die Corona-Regeln für Schüler teils gelockert werden, dringt der Kinderschutzbund auf mehr Vorbeugung und besseren Schutz an Schulen.

Auch in dieser Phase der Pandemie, in der sich die besonders ansteckende Delta-Variante ausbreitet, werde dafür politisch wieder nicht genug unternommen, sagte Verbandspräsident Heinz Hilgers dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). Er verwies auf bessere Digitalausstattung oder den rechtzeitigen Einbau von Lüftungen. Seine Bilanz: «Das ist ein einziges Trauerspiel.» Er fürchte, dass die Kinder erneut die Verlierer der Pandemie sein werden.

Die Lockerungen im Überblick

Angesichts weiter sinkender Corona-Zahlen wurden in einigen Bundesländern nun jedoch erst einmal Lockerungen für Schulen bekannt. So sollen Schülerinnen und Schüler an Bayerns Grundschulen im Unterricht künftig keine Masken mehr tragen müssen, sofern sie an ihrem Platz sitzen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Kabinettskreisen erfuhr. Damit folgt Bayern dem Beispiel anderer Bundesländer. In Sachsen müssen sich Schüler und Lehrer bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter zehn in Zukunft nur noch ein- statt zweimal wöchentlich auf Corona testen. Zudem sollen Schulen und Kitas auch bei hohen Infektionszahlen und einer Inzidenz über 100 nicht mehr so schnell schließen. Und Berlin kündigte an, dass die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen bei niedrigen Infektionszahlen nach den Sommerferien wieder komplett in den Schulen unterrichtet werden.

In Berlin sollen bei privaten Treffen bald außerdem nach dpa-Informationen bis zu 100 Personen erlaubt sein, Sachsen hebt bei niedrigen Infektionszahlen die Maskenpflicht im Freien auf.

Kinderschutzbund zeigt sich besorgt

Hilgers vom Kinderschutzbund nannte es insgesamt bedenklich, wie viele Freiheiten jetzt schon wieder gewährt werden. «Da werden Feste mit 1000 Menschen gefeiert, die Fußball-Stadien werden immer voller. Mein Rat wäre deshalb, es mit den Freiheiten nicht zu übertreiben, um im Herbst nicht in eine neue Krise hineinzurutschen.»

Die zunächst in Indien nachgewiesene Delta-Variante verbreitet sich inzwischen in vielen Ländern schnell. Als gesichert gilt, dass sie deutlich ansteckender ist als alle anderen bekannten Varianten.

Inzidenz geht weiter zurück

Zuletzt ging die Inzidenz - gemeint ist die Zahl der Neuinfektionen binnen einer Woche je 100.000 Einwohner - in Deutschland weiter zurück. Am Dienstagmorgen lag sie nach Angaben des Robert Koch-Instituts bei 8,0 - am Vortag war der Wert noch bei 8,6; in der Vorwoche bei 15,5. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 455 Neuinfektionen. 31,6 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind dem RKI-Impfdashboard zufolge vollständig geimpft, 51,2 Prozent zumindest einmal.

Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte, die Schulen müssten endlich krisenfest gemacht werden. Die Vorsitzende Maike Finnern sagte dem RND, das beinhalte Investitionen in Gebäude, Infrastruktur, mehr Personal und Luftfiltergeräte in Klassenräumen. Auch die Lehrkräfte wünschten sich in erster Linie Präsenzunterricht für alle. Sie betonte aber zugleich: «Der Schutz der Gesundheit aller hat auch in der Schule Vorrang.» Konkret befand sie: «Auch nach den Ferien werden Hygienekonzepte wie eine Teststrategie und Masken eine wichtige Rolle spielen, um eine Ausbreitung der Delta-Variante zu unterbinden.»

Spahn will möglichst Normalität nach den Ferien

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der «Süddeutschen Zeitung»: «Es ist unser Ziel, dass Schule nach den Ferien so normal wie möglich wieder starten kann. Das sind wir den Kindern und Jugendlichen schuldig.»

Die Bundesärztekammer rät deshalb von Reisen in Urlaubsgebiete ab, in denen die Delta-Variante grassiert. «Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden», sagte Präsident Klaus Reinhardt der Funke Mediengruppe (Dienstag).

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