VfB Stuttgart

So tickt der neue VfB-Trainer Markus Weinzierl

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Markus Weinzierl gibt künftig beim VfB den Takt vor. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart. Am Mittwochnachmittag hat der neue VfB-Trainer Markus Weinzierl zum ersten Mal mit seiner Mannschaft auf dem Trainingsplatz gearbeitet – und der 43-jährige Niederbayer versuchte seinen neuen Schützlingen sofort, seine Spielidee zu vermitteln. Doch wie sieht die eigentlich aus? 

Mut, Leidenschaft, Intensität: Mit diesen drei Schlagworten lässt sich die Weinzierl'sche Spielphilosophie wohl am besten charakterisieren. Bei seinen bisherigen Trainerstationen – Regensburg (2008 bis 2012), Augsburg (2012 bis 2016), Schalke (2016 bis 2017) – war der gebürtige Straubinger für seinen laufintensiven und emotionalen Spielstil bekannt. 

Aggressives Pressing in Augsburg

In Augsburg war er vornehmlich mit einem klassischen 4-4-2-System erfolgreich und führte die bayrischen Schwaben von einem Abstiegsrang bis in die Europa League. Vor allem in der heimischen Arena überzeugten die Fuggerstädter mit einem aggressiven Pressingansatz und hochstehenden Außenverteidigern.

Im Spielaufbau war Weinzierls Ansatz mit dem FCA meist relativ simpel. Nach einer Balleroberung im Mittelfeld wurde die Kugel entweder direkt vertikal in die Spitze oder über die Flügel diagonal in den gegnerischen Strafraum gespielt. 

Ähnlich soll es nun auch beim VfB Stuttgart zu gehen, wo Weinzierl vor allem auf seinen erfahrenen Stoßstürmer Mario Gomez baut. „Wenn ich Mario Gomez da vorne drin habe, dann muss ich ihn auch in Szene setzen“, sagt Weinzierl, „umso mehr Bälle da kommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er trifft.“

Schnelles Vertikalspiel beim FC Schalke

Beim FC Schalke 04 musste sich Weinzierl nach einigen Anlaufschwierigkeiten verändern und vertraute häufig auf ein 3-5-2-System. Im Zentrum standen auch hier die Begriffe "Gegenpressing" und "schnelles Vertikalspiel".

Den Spielaufbau aus der Defensive heraus übernahm unter Weinzierls Regie gerne Johannes Geis, der einerseits das Spiel beruhigen und andererseits den Ball geschickt an seine Mitspieler verteilen sollte.

Nach seiner Entlassung beim FC Schalke im Juni  2017 nahm sich Weinzierl eine Auszeit und nutzte die freie Zeit für eine Hospitanz bei Manchester City und Startrainer Pep Guardiola. In der Rückschau bezeichnet er diese Phase als „lehrreich, emotional und positiv.“

Mannschaftsführung als Schlüssel zum Erfolg

Von Guardiola habe es sich einiges abschauen können. „Ich war relativ nah dran und konnte mir so jede Kleinigkeit abschauen; auch von seiner Auffassung davon, wie man eine Mannschaft führt oder mit Menschen umgeht“, sagte Weinzierl im August in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse (PNP). Seine freie Zeit nutze er auch für Hospitanzen in Leverkusen, Mönchengladbach, Bremen und Watford.

Nach knapp 15 Monaten ohne Bundesligafußball ist Weinzierl jetzt am Dienstag auf die Bühne Bundesliga zurückgekehrt und will den VfB mit „Mut und Leidenschaft“ aus dem Keller führen. Wichtig ist dem 43-Jährigen neben dem aggressiven und mutigen Auftreten auf dem Platz eine klare Hierarchie und Struktur innerhalb der Mannschaft.

Die Mannschaftsführung sei der „Schlüssel zum Erfolg“. Der PNP sagte er: „Für eine erfolgreiche Mannschaft brauchst du eine Hierarchie, denke ich. Eine Achse mit Typen, die im Sinne des Trainers Dinge umsetzen oder verändern. Das ist ganz wichtig.“

Weinzierl will beim VfB "Frische und Dynamik reinbringen"

Beim VfB will Weinzierl "über die Außen und über den Zehnerraum kommen.“ Es gelte jetzt, das „Potenzial aus der Mannschaft und den einzelnen Spielern herauszuholen.“ Da aber wie bei der Amtsübernahme von Tayfun Korkut zunächst Ergebnisse im Vordergrund stehen, wird Weinzierl wohl auf tiefgreifende Veränderungen verzichten. Trotzdem verspricht der Niederbayer: "Wir wollen es mutig und offensiv angehen."

"Ich muss jetzt mit den Jungs sprechen und sie kennenlernen", erklärte Weinzierl am Mittwoch bei seiner offiziellen Vorstellung. Erst danach könne er "die entsprechenden Maßnahmen treffen und Schritt für Schritt vorgehen." Die Mannschaftsstruktur beim VfB beschreibt er wie folgt: "Gestandene Spieler und hungrige Talente mit hohem Entwicklungspotenzial. Hier müssen wir Frische und Dynamik reinbringen."

"Wenn du was erreichen willst, brauchst du eine offensive Herangehensweise"

Vor seinem Engagement in Stuttgart plädierte Weinzierl in der PNP insgesamt für mehr Mut in der Bundesliga: "Es sollte meiner Meinung nach das Ziel sein, offensiv erfolgreich zu sein." Dieses Credo bekräftige er am Mittwoch nochmals: "Wenn du was erreichen willst, brauchst du eine offensive Herangehensweise.“

Weinzierls Ansatz, den VfB mit Mut, Leidenschaft und Intensität aus dem Keller zu führen, ist auf den ersten Blich ein krasser Gegensatz zu der auf Sicherheit bedachten Kontertaktik von Tayfun Korkut. Ob Weinzierl den VfB mit seiner mutigen und aggressiven Spielidee wieder zurück in sicheres Fahrwasser führen wird, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.