VfB Stuttgart

So will Thomas Hitzlsperger Talente fördern

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Thomas Hitzlsperger: „Am Ende schafft nur ein ganz geringer Prozentsatz den Sprung ins Profigeschäft." © Danny Galm

Stuttgart. Seit rund 100 Tagen ist Thomas Hitzlsperger der Direktor des VfB-Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Im Vereinsheim an der Mercedesstraße zog der 36-Jährige am Donnerstag eine erste Bilanz und gab einen Einblick in die neuen Strukturen im Jugendbereich des Bundesligisten.

„Die Nachwuchsarbeit hat beim VfB einen sehr hohen Stellenwert“, so der ehemalige VfB-Spieler, der selbst im Alter von sieben Jahren ins NLZ des FC Bayern München kam und dort zum Profi reifte. Im Jugendbereich habe der VfB schon seit einigen Jahren „keine Vormachtstellung“ mehr. Der Grund dafür sei vor allen Dingen das Erstarken der Konkurrenz.

"Notwendige" Umbauarbeiten im Unterbau

Hoffenheim, Bayern, Schalke und Leipzig haben den VfB in den letzten Jahren beim Thema Nachwuchsarbeit überholt. Dennoch sieht Hitzlsperger den Club „sehr gut aufgestellt“: „Wir haben in den letzten Monaten einige Strukturen verändert, um künftig wieder erfolgreicher zu sein.“ Diese Umbauarbeiten seien „notwendig“ gewesen. Auch beim Personal gab es einige Veränderungen und Rochaden.

Dennoch dürfe nicht vergessen werden, dass der VfB Stuttgart immer noch Rekord-Jugendmeister sei. Erfolg definiert sich für den ehemaligen Nationalspieler aber nicht nur über Ergebnisse und Titel. Vielmehr geht es dem 36-Jährigen um die individuelle Talentförderung. „Früher hat sich Erfolg vor allem über Resultate und Tabellenplätze definiert“, sagt Hitzlsperger.

Sechs Prozent aller Bundesliga-Profis kommen aus dem VfB-NLZ

„Hitz“ möchte hingegen die Entwicklung der einzelnen Spieler in den Fokus rücken. Denn auch aus seinen eigenen Erfahrungen weiß Hitzlsperger: „Am Ende schafft nur ein ganz geringer Prozentsatz den Sprung ins Profigeschäft."

Was den Schritt aus dem Jugendbereich zu den Senioren angeht, ist der VfB immer noch führend: Sechs Prozent aller Bundesliga-Profis durchliefen die Talentschmiede der Schwaben. Ein wichtiger Erfolgsindikator für den NLZ-Chef.

Auch im WM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw stehen mit Joshua Kimmich, Sami Khedira, Timo Werner, Mario Gomez, Sebastian Rudy und Antonio Rüdiger sechs Profis, die im VfB-NLZ ausgebildet wurden. Hitzlsperger: „Darauf können wir stolz sein und daraus leiten wir auch den Anspruch ab, das so fortzuführen.“ 

Raus aus der Blase „Profi-Fußball“

Mit Timo Baumgartl habe Cheftrainer Tayfun Korkut aktuell einen Spieler im Kader, der in naher Zukunft den Sprung ins DFB-Team schaffen könnte. „Seine Konstanz ist erstaunlich. Ich traue ihm die Nationalmannschaft zu und wünsche es ihm auch“, meint Hitzlsperger.

Von der U 11 bis zur U 21 sind aktuell 170 Spieler im NLZ der Stuttgarter aktiv. Hinzu kommen rund 100 Haupt- und Nebenberufliche Mitarbeiter, die sich um die VfB-Talente kümmern. Die Ausbildung der Jugendspieler beschränkt sich dabei nicht nur auf die Arbeit auf dem Platz.

Großen Wert legt der Verein auch auf die schulische Ausbildung und soziale Aktivitäten abseits des Rasens. „Die Jugendspieler müssen auch mal aus der Blase „Profi-Fußball rauskommen“, findet Hitzlsperger. Zusätzlich werden den Spielern Schulungen zum Thema Social Media und Spielerberater angeboten.

Großaspach und Heidenheim: "Es ist gut, auch diese Optionen zu haben"

Die zweite Mannschaft geht in der neuen Saison als eine U-21-Mannschaft an den Start und wird künftig vom ehemaligen NLZ-Leiter Marc Kienle trainiert. Die Regionalliga-Mannschaft sieht Hitzlsperger als wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg in den Seniorenbereich.

Doch auch die benachbarten Zweit- bzw. Drittligisten aus Heidenheim und Großaspach sind eine Option für die Stuttgarter Toptalente. „Es ist gut, auch diese Optionen zu haben. Die Wege sind kurz“, erklärt Hitzlsperger. 


Andreas Hinkel bleibt dem VfB erhalten

Ex-Profi Andreas Hinkel, der in der abgelaufenen Spielzeit noch die zweite Mannschaft trainierte und ab August seine Ausbildung zum Fußballlehrer beginnt, wird dem Verein erhalten bleiben. Der 36-Jährige wird im Rahmen eines Trainee-Programms die freie Zeit während den DFB-Lehrgängen nutzen und Stationen im Verein durchlaufen.