Auszeichnungen

Die Kraft des geschriebenen Wortes

preisverleihung der Konrad adenauer stiftung  an die redaktion des ZVW  für die Recherche bei der islam serie
Von links nach rechts: Dr. Walter Bajohr, Frank Nipkau, Peter Schwarz, Sabine Reichle, Andreas Kölbl, Thomas Milz, Prof. Richard Schröder, Dr. Dieter Golombek. © Norman Mummert (Online Praktikant)

Waiblingen/Eisenach. Der wichtigste deutsche Zeitungspreis wurde gestern in Eisenach auf der Wartburg verliehen: der Deutsche Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Kaum ein schönerer und besserer Ort ist für die Verleihung dieses Preises zu denken. Und unter den Preisträgern war die Redaktion des Zeitungsverlages Waiblingen.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat unsere Redaktion für ihre im letzten Jahr erschienene Serie ausgezeichnet: „Was passiert in unseren Moscheen?“ mit dem Preis in der Kategorie Recherche. Hier also über dem Thüringer Wald, wo Goethe die Ruhe suchte, Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide in einem sagenumwobenen Sängerstreit sich maßen, der, wenn so nicht wirklich geschehen, so doch zumindest Richard Wagner zu seinem Tannhäuser inspirierte. Hier, wo Luther angeblich das Tintenfass an die Wand geworfen haben soll, viel wichtiger und das historisch belegt, die Bibel übersetzt hat und somit den Grundstein dafür legte, was alles in allem bis heute die Voraussetzung auch für den Journalisten ist: In einer Sprache zu schreiben, die die Menschen verstehen.

Kein Wunder also, dass es den Preisträgern und Gästen feierlicher kaum zumute sein konnte als an diesem Ort und der Besuch auf der Wartburg auch eine besondere Art der Selbstvergewisserung war: Was ist guter Lokaljournalismus und was macht ihn aus?

Im Festsaal der Wartburg begrüßte Walter Bajohr, Hauptabteilungsleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Gäste. Die Wartburg ist ein Symbol: Ein Symbol des geistigen Deutschlands, ein Symbol für den Geist der friedlichen Einheit und sie steht für die Kraft des geschriebenen Wortes. Der Preis, den die Stiftung hier verleiht, ist ein Preis, der „Maßstäbe setzt für einen guten und zukunftsweisenden Lokaljournalismus“. Einen Journalismus, den es, so Bajohr, auch in Zukunft geben muss, als „eine prioritätstiftende Instanz“.

Über 700 Redaktionen bewarben sich für den Preis, zwölf wurden ausgezeichnet. Zu diesen sprach auch Inga Scholz, die Geschäftsführerin der Zeitungsgruppe Thüringen und damit eine Repräsentantin der beiden ersten Preisträger, der Thüringer Allgemeinen, die mit einer Serie über die Treuhand den ersten Preis bekam. Den sie sich mit dem Hamburger Abendblatt teilt, die für ihr cross-mediales Stadtkonzept ausgezeichnet wurde: Die Reporter der Zeitung beschritten alle 8100 Straßen Hamburgs und schreiben, gemeinsam mit den Lesern, einen digitalen Straßenratgeber. Auch in digitalen Zeiten, so die Botschaft, liegen die besten Geschichten immer noch auf der Straße.

„Hier stehe ich und kann nicht anders“, hat Martin Luther vor dem Reichstag in Worms gerufen und in dieser Tradition der ungebeugten Zeugenschaft steht auch einer wie der Theologieprofessor Dr. Richard Schröder, Fraktionsvorsitzender der SPD in der letzten Volkskammer der DDR. Richard Schröder nahm den Ball, den ihm die Thüringer Allgemeine geliefert hatte, gerne auf und sprach über die Geschichte, das Wirken, den Mythos der Treuhand, von der viele sagen, sie habe die Wirtschaft der ehemaligen DDR ruiniert. Und nach diesem Eröffnungssatz gab der Festredner den anwesenden Journalisten, so diese Ausgezeichneten das noch nötig haben sollten, eine Lehrstunde darüber, wie man eine Geschichte erzählt oder schreibt. Nach der These nämlich sofort die Widerrede: „Das Naheliegende ist nicht immer das Richtige.“ Und nachdenken, genauer hinsehen, schadet nicht: „Wenn die Treuhand die Wirtschaft ruiniert hat, muss sie ja vorher in einem guten Zustand gewesen sein.“ Bravo, erste Lacher und er hat die Zuhörer ganz bei sich. Von hier an wird er sie nicht mehr verlieren, weil er sie zwar manches Mal überhäuft mit unglaublichem Detailwissen, ihnen dann aber wieder eine Anekdote erzählt und vor allem immer wieder zeigt: Ich, Richard Schröder, habe Lust, ein Interesse an dieser Geschichte.

Im Folgenden geht es dann um den immer wieder interessanten Zufall, dass die eigene Wahrnehmung nicht immer deckungsgleich ist mit dem, was man sehen kann, wenn man mehr als eine Seite ansieht, Distanz einbaut und, wie Richard Schröder von Walter Bajohr charakterisiert wurde: „Ein Wahrheitsfanatiker von der versöhnlichen Sorte ist“.

Seine Ausführungen hier wiederzugeben, würde den Rahmen sprengen, man kann die Rede im Internet nachlesen. Bleibt vor dem Hintergrund der Preisverleihung an Lokaljournalisten hier nur so viel festzuhalten: Recherchiere deine Geschichten ordentlich, schreibe sie so, dass die Menschen es lesen mögen, Spaß dabei haben und dabei auch noch einen Erkenntnisgewinn haben werden. Und, da hat es der Redner leichter als der Schreiber: Lache auch mal, während du sprichst, erhebe deine Stimme, brülle, wenn’s nottut, zeige also, dass dich das, was du tust, selbst interessiert.

„Auch der Freiheitsbau wirft Schatten“

Bleibt als weitere gemeinsame Erfahrung: Ein Ende finden, den letzten Satz, auch wenn tatsächlich noch nichts zu Ende ist. „Ich muss auf die Uhr schauen und darf keine zusätzlichen Glossen abführen.“ Bei Richard Schröder kamen dann aber doch noch ein paar, die man aber nicht vermissen wollte. Wie auch manche Sätze: „Auch der Freiheitsbau wirft Schatten“ hieß so einer, mit dem er genial die Mühen der Ebenen derer beschrieb, die sehr plötzlich manchmal aktiv am Fortgang der Geschichte mitmachen dürfen.

Die Lockerungsübung vor der Preisverleihung gab es durch den Hamburger Sänger Stefan Gwildis, der zusammen mit dem Mann am Klavier Tobi Neumann auf seine Art eine runde Geschichte ablieferte. Und nach ihm dann Dr. Dieter Golombek, Sprecher der Jury des Lokaljournalistenpreises, der schlicht meinte: „Es ist eine angenehme Aufgabe, Gutes über Gute zu sagen.“ Was er dann bei jedem Einzelnen gerne tat, die Urkunden zusammen mit Richard Schröder überreichte und allen herzlich gratulierte.

Der Preis

Der Deutsche Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung wird seit 33 Jahren verliehen. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr die Redaktionen der Thüringer Allgemeinen und des Hamburger Abendblatts, die sich den ersten Preis teilen.

Der Zeitungsverlag Waiblingen erhielt den Preis in der Kategorie Recherche für die Serie „Was passiert in unseren Moscheen?“. In der Begründung der Jury heißt es: „Die große Serie dient mit vielen Informationen. Sie differenziert und handelt nach dem Motto: Aufklärung ist besser als Unwissen und Vorurteile.“ Insgesamt bewarben sich 711 Redaktionen um die Auszeichnung.