Auszeichnungen

Journalistenpreis für Michaela Kölbl

Michaela Koelbl Redaktion Schorndorf Diakoniepreis
Schorndorfer-Nachrichten-Redakteurin Michaela Kölbl mit Seiten ihrer ausgezeichneten Artikelserie „Auf der Suche nach Heimat“. © Redaktion

Schorndorf. Das Schicksal von Flüchtlingen in Schorndorf und ihrer Suche nach Heimat war Michaela Kölbl, Redakteurin der Schorndorfer Nachrichten, im Frühjahr eine siebenteilige Artikelserie wert. Für diese umfangreiche und sorgfältige Arbeit hat sie jetzt den mit 3000 Euro dotierten Diakonie-Journalistenpreis in der Kategorie Print gewonnen.

Am Anfang stand der Besuch im Flüchtlingswohnheim an der Wiesenstraße. Nachdem sich ein Nachbar in der Redaktion über die Zustände dort beklagte, hat sich Michaela Kölbl die Situation vor Ort angesehen – und festgestellt: Das Schicksal der Flüchtlinge kann kein Beschwerdegrund sein und lässt sich schon gar nicht in nur einem Artikel abhandeln. Zu viel steckt in dem Thema, das hierzulande immer wieder gerne an den Rand des Bewusstseins geschoben wird. Darum hat sich die Redakteurin der Schorndorfer Nachrichten für die Artikelserie „Auf der Suche nach Heimat“ nicht nur lange und ausführlich mit Flüchtlingen im Schorndorfer Wohnheim unterhalten – was nur mit Hilfe des Sozialarbeiters möglich war, der ihr als Übersetzer diente.

Sie sprach auch mit den ehrenamtlich engagierten Schorndorfer Sprachhelfern sowie mit anerkannten und geduldeten Flüchtlingen. Die 32-jährige Redakteurin ist aber auch nach Karlsruhe in die zentrale Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge gefahren. Sie wohnte einer Verhandlung im Verwaltungsgericht Stuttgart bei und besuchte Abschiebehäftlinge in Mannheim.

Diskrepanz zwischen Richtlinien und dem Schicksal der Menschen

Und schnell offenbarte sich für die Autorin: Es gibt beim Thema Flucht eine große Diskrepanz zwischen notwendigen Richtlinien und dem Schicksal der Menschen, „die keine Heimat finden können“. Und noch immer fragt sich Michaela Kölbl: „Sollte uns das als Menschen nicht mehr angehen?“ Die persönliche Betroffenheit – „die Ungerechtigkeit hat mich auch wütend gemacht“ – fand nicht zuletzt auch Ausdruck in dem Meinungsartikel, der die siebenteilige Serie, die von 14. März bis 5. April 2012 in den Schorndorfer Nachrichten erschien, abschloss.

Gerade diese umfangreiche und sorgfältige Auseinandersetzung mit dem Thema „Flüchtlinge“ hat die Jury des Diakonie-Journalistenpreises überzeugt. „Das Ergebnis“, heißt es in der Begründung, „war die siebenteilige Serie, in der mit unterschiedlichen Darstellungsformen die Situation von Flüchtlingen geschildert wird, die Abläufe des Asylverfahrens erklärt werden oder aufgezeigt wird, wie Personen oder Gruppen unterstützen und helfen.“

Der Diakonie-Journalistenpreis wird für herausragende publizistische Leistungen über soziale Themen in mehreren Kategorien vergeben: Außer Michaela Kölbl, die seit 2006 in der Lokalredaktion der Schorndorfer Nachrichten arbeitet, wurden ausgezeichnet: Andrea Lotter vom SWR-Fernsehen für einen Beitrag über den Alltag einer Bestatterin; Julia Treptow von SWR 2, die das Thema „Taub-Sein“ auf herausragende Weise für den Hörfunk umsetzte; Doris Riedmüller für einen Kurzbeitrag über muslimische Kinder in christlichen Kindergärten, den sie für SWR-4-Schwabenradio produzierte. Der Sonderpreis zum Thema „Inklusion“, der zum zehnjährigen Bestehen des Diakonie-Journalistenpreises ausgeschrieben wurde, ging an Jo Frühwirth vom SWR-Fernsehen für den Film „Ellen ist schön“, einen Beitrag über ein Beispiel gelungener Inklusion.