Auszeichnungen

Journalistenpreis für Pia Eckstein

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Pia Eckstein mit ihrem Laudator Thomas Hauser, Herausgeber der Badischen Zeitung: „Die Serie ist leserfreundlich aufbereitet und kommt sprachlich angenehm unaufgeregt daher.“ © Martin Winterling

Waiblingen/Stuttgart. Pia Eckstein ist mit dem Diakonie-Journalistenpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. Die Jury würdigte ihre vierteilige Serie „Wie funktioniert Inklusion?“: „Pia Eckstein erzählt einfühlsam von schönen Erlebnissen, der Freundschaft mit Tin, benennt aber auch klar diverse Hindernissen bei der Umsetzung von Inklusion in der Schule.“

(Hinweis: Die Serie ist nur über das Archiv verfügbar)

Pia Eckstein ist der Preis im Rahmen einer festlichen Veranstaltung in Stuttgart überreicht worden. Das Besondere an der Preisverleihung in der Torwiesenschule war, dass nicht nur die Preisträger eingeladen waren, sondern auch die Protagonisten, auf die Journalisten bei den Recherchen für ihre Geschichte nun einmal angewiesen sind. So wurde Pia Eckstein von Inge Bosak, der für Inklusion zuständigen Schulrätin beim Staatlichen Schulamt Backnang, und der Sonderpädagogin Dorothea Augustin begleitet. Dimitrios selbst, den Pia Eckstein in seinem ersten Schuljahr beobachtet hatte, konnte aufgrund einer Erkrankung leider nicht an der Preisverleihung teilnehmen. Die Stuttgarter Torwiesenschule ist eine private Grund- und Realschule der Diakonie Stetten mit einem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum, wo Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderungen eine bestmögliche Inklusion ermöglicht wird.

„Ein Plädoyer für die optimale Förderung aller Kinder“

Thomas Hauser, Herausgeber der Badischen Zeitung in Freiburg, nannte in seiner Laudatio die Reportagenserie „ein Plädoyer für die optimale Förderung aller Kinder.“ Hauser weiß um die zahlreichen Fallstricke, die für einen Journalisten beim Thema Inklusion lauern. „Es beginnt schon bei der Sprache. Behindert, oder eingeschränkt, herausfordernd? Und was ist die Alternative?“ Aus Sicht der Jury hat Pia Eckstein die knifflige Angelegenheit hervorragend gelöst, während sie das erste Jahr von Dimitrios begleitete, der trotz einer schweren körperlichen Behinderung in eine allgemeine Grundschule in Backnang geht. Er ist das erste Kind mit einer so starken Einschränkung, das in Baden-Württemberg inklusiv beschult wird. Als Dimitrios in die erste Klasse kam, waren noch nicht einmal alle Gesetze zur Inklusion geschrieben.

Blauäugigkeit der Politiker entlarvt

Aus Sicht von Thomas Hauser hat sich Pia Eckstein nicht darauf beschränkt, aus vermeintlichem Wohlwollen das hohe Lied auf die Inklusion zu singen. „Am leichtesten tut sich, wer bei solchen Diskussionen Partei oder ahnungslos ist. Der eine kann die Gegenargumente im eigenen Interesse ausblenden, für den anderen gilt die Erkenntnis, dass Nichtwissen Meinungsstärke fördert.“ Die Autorin habe die Herausforderungen benannt und die Blauäugigkeit von den Politikern bei der Umsetzung der UN-Resolution entlarvt. Denn Schulen und Schulträger werden über weite Strecken allein gelassen.

Pia Ecksteins Serie schließe mit einem Kommentar, der genau diesen Zwiespalt aufspießt. „Es ist ein Plädoyer für eine optimale Förderung aller Kinder – ein Anspruch, den wahrscheinlich alle in der Politik, in der Pädagogik und hier im Saal unterschreiben würden.“ Wie weit Anspruch und Wirklichkeit hier aber noch auseinanderklafften, wüssten alle, die mit offenen Augen durchs Leben gehen. „Und da geht es um weit mehr als um die Inklusion von Behinderten.“

Sechs Journalisten ausgezeichnet

Beim mittlerweile zum 15. Mal ausgeschriebenen Diakonie-Journalistenpreis Baden-Württemberg sind sechs Journalisten für ihre Beiträge in den Kategorien Print, Fernsehen und Hörfunk (kurz/lang) sowie Online und einen Sonderpreis zum Thema Kinderarmut ausgezeichnet worden. Preisträger, Angehörige und Protagonisten der Beiträge begleiteten die rund dreistündige Veranstaltung. Viele von ihnen betonten, wie wichtig es sei, auf soziale Missstände hinzuweisen. Das aber erfordere Mut und Rückgrat. Einem der Protagonisten war sogar gekündigt worden, weil er sich vor der Kamera kritisch zum Thema Leiharbeit geäußert hatte. Autor des Films ist Hermann Abmayr vom SWR Fernsehen. Er wurde ausgezeichnet für seine Reportage „Harte Arbeit – schlechter Lohn. Wie Menschen abgehängt werden“.

Hinschauen und aufmerksam machen

Die Vorstandsvorsitzenden der Diakonischen Werke Baden und Württemberg, Urs Keller und Dieter Kaufmann, sind überzeugt, dass der Diakonie-Journalistenpreis selten so hohe Bedeutung gehabt habe wie heute. Dieter Kaufmann sagte: „Mit Ihnen als Journalisten, als Redaktion haben wir gemeinsam, dass wir genau hinschauen und aufmerksam machen: wenn Menschen ungerecht behandelt werden oder chancenlos sind – aber auch, wenn sich Menschen für Gerechtigkeit und Inklusion einsetzen, mithelfen und Gutes tun.“

Guter Journalismus für Zusammenhalt in der Gesellschaft

Urs Keller sagte: „Guter Journalismus ist in Zeiten, wo Medien als Lügenpresse beschimpft werden, unendlich wichtig. Er ist wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft, wenn mit Vorurteilen argumentiert und gegenüber benachteiligten Personengruppen Stimmung gemacht wird. Wir tun also gut daran, guten Journalismus mit dem Diakonie-Journalistenpreis zu würdigen.“

„Wie fliegen!“

Außer Pia Eckstein in der Kategorie Print und Hermann Abmayr in der Kategorie Fernsehen sind weitere vier Journalisten ausgezeichnet worden. Johanna Bentz von SWR 2 (Hörfunk: „Freiwillige Abschiebung – ein Feature über Balkanflüchtlinge und ihre erzwungene Rückkehr“), Christin Hartard (Online, Schwäbische Zeitung: „Letzte Chance – Jugendliche im freien Strafvollzug“), Kai Diezemann (Sonderpreis, SWR Fernsehen: „Abgehängt! Diezemanns Reisen ins arme Deutschland“). Der Preis für den Hörfunk-Kurzbeitrag ging an Sebastian Krämer für seine Hörfunkreportage „Vom Rollstuhl in den Beiwagen“, die auf SWR 4, Stuttgart, lief. Diezemann wurde von der Rollstuhlfahrerin Sandra begleitet, die in seinem Beitrag juchzend von ihrer Fahrt im Motorrad-Beiwagen geschwärmt hatte: „Wie fliegen!“ Gern erfüllte sie die an sie gerichtete Bitte, ein Vor-Schlusswort der Preisverleihung zu sprechen. Ansteckend gut gelaunt rief sie dem Publikum zu: „Wir leben noch!“

Die Jury

Die Jury des Diakonie-Journalistenpreises besteht aus namhaften Journalisten, Wissenschaftlern sowie Vertretern von Kirche und Diakonie. 119 Beiträge wurden in diesem Jahr eingereicht. Der Preis ist damit eine der großen Ehrungen für sozialpolitische Berichterstattung im deutschsprachigen Raum und mit insgesamt 13 500 Euro dotiert. Der Preis wird auch 2018 wieder ausgeschrieben.

Alle Gewinnerbeiträge gibt es unter www.journalistenpreis-diakonie.de.