Auszeichnungen

"Maßstäbe gesetzt für alle Medien"

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Gedenkraum in der Albertvielle-Realschule. © Ramona Adolf (Online Praktikant)

Bremen/Winnenden. Der Zeitungsverlag Waiblingen ist erneut bei der Verleihung des Deutschen Lokaljournalistenpreises ausgezeichnet worden. Diesmal für die Berichterstattung nach dem Amoklauf von Winnenden. „Die Redaktion des Zeitungsverlages Waiblingen hat durch ihre sensiblen Berichte Maßstäbe gesetzt für alle Medien“, sagte der Sprecher der Jury, Dr. Dieter Golombek, bei der Festveranstaltung in Bremen.

Golombek erinnerte gestern an das Konzept der Redaktion: „Sie muss nicht alles schreiben, was sie weiß, nicht alles zeigen, was sie hat. Die Opfer sollen nicht zum zweiten Mal zu Opfern werden. Die Zeitung verzichtet nach dem Amoklauf also auf Bilder von den Opfern, auf Fotos von trauernden Angehörigen bei der Beerdigung, sie spielt sich nicht in den Mittelpunkt. Sie liefert die Informationen, die die Menschen in solchen Situationen brauchen, sie nimmt Anteil und stellt die Frage nach dem Warum. Ohne die Opferfamilien zu bedrängen, leuchtet die Redaktion das sensible Thema aus, leistet mit ihren Mitteln einen Beitrag zur Trauerarbeit vor Ort.“

Die Konrad-Adenauer-Stiftung verleiht seit genau 30 Jahren den Deutschen Lokaljournalistenpreis. Er gilt inzwischen als die wichtigste Auszeichnung für Lokal- und Regionalzeitungen im deutschsprachigen Raum, sagte Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, bei der Festveranstaltung im Theater am Goetheplatz. „Die Konrad-Adenauer-Stiftung stärkt den Qualitätsjournalismus.“ Neumann versprach zudem, dass der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent für Zeitungen und Zeitschriften erhalten bleibe. „Zeitungen müssen für alle erschwinglich sein“, sagte Neumann.

Die Jury musste in diesem Jahr die Rekordquote von 560 Vorschlägen durchschauen und bewerten. Am Ende wurden zwölf Zeitungen und Zeitungsverlage ausgezeichnet. Der erste Preis ging an den Bremer Weser-Kurier für sein Konzept „Überraschend nah“. Die Redaktion gab Tipps für den Alltag und punktete mit Reportagen aus Schulen und aus der Arbeitswelt. Der zweite Preis wurde an die Berliner Morgenpost verliehen, für eine Serie zum Mauerfall. Der Zeitungsverlag Waiblingen erhielt einen, so Jury-Sprecher Dieter Golombek, „herausgehobenen Sonderpreis“, der mit 2000 Euro dotiert ist. Weitere Preise gingen an die Augsburger Allgemeine, den Bonner General-Anzeiger, den Reutlinger General-Anzeiger, die Neue Presse Hannover, den Berliner Kurier, die Berliner Zeitung, den Fränkischen Tag in Bamberg, das Süderländer Tageblatt in Plettenberg und an die Braunschweiger Zeitung.

Lammert: Tageszeitungen schärfen Urteilsvermögen

Vor 700 Zuhörern unterstrich der Festredner, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der direkt von einer Reise aus Afghanistan nach Bremen kam, die Bedeutung der Tageszeitung. Sie sei nicht nur für das Funktionieren unserer Demokratie unverzichtbar, sondern sie schärfe darüber hinaus das Urteilsvermögen.

Lammert beunruhigt die immer größer werdende Gruppe der Nicht-Zeitungsleser, von denen die meisten 25 Jahre und jünger seien. Diese nutze eher das Internet. Das Netz könne aber keine wirkliche Alternative zur Zeitung sein, da es eher „Auskünfte und interessengeleitete Information anbiete“. Norbert Lammert: „Das Internet ist eher lexikalisch als analytisch. Die Zeitung ist dagegen eher analytisch als lexikalisch. Und das ist ein fundamentaler Unterschied. Zeitungen bleiben als Leitmedium unverzichtbar für unsere Demokratie“.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung wird in Zukunft weiter guten Lokaljournalismus unterstützen, sagte der Vorsitzende, Dr. Hans-Gert Pöttering.

„Wir wollen dem Graswurzeljournalismus die Anerkennung zukommen lassen, die ihm gebührt.“