Auszeichnungen

Preis für Islam-Serie

Moschee in Schorndorf
Ansicht der Schorndorfer Moschee. © Anne-Katrin Schneider

Waiblingen/Berlin. Der Zeitungsverlag Waiblingen ist erneut mit einer wichtigen Auszeichnung bedachtet worden. Die Jury des Deutschen Lokaljournalistenpreises hat der Redaktion für unsere Serie „Was passiert in unseren Moscheen?“ den Preis in der Kategorie Recherche verliehen.

Die Begründung der Jury nennt deren Sprecher Dr. Dieter Golombek: „Der Tag der offenen Moscheen am 3. Oktober bietet Jahr für Jahr den Anlass für freundliche Berichte über Begegnungen mit Menschen einer anderen Religion. Fragen, die beunruhigen könnten, bleiben ausgeklammert. Wer sind die Imame, die dort in einer Sprache predigen, die wir nicht verstehen? Welche Richtung vertreten sie? Spielen Islamisten oder Salafisten dort eine Rolle? Und was und wie bedrohlich ist das? Genau diesen Fragen stellt sich die Zeitung in einer großen Serie. Sie dient mit einer differenzierten Darstellung und handelt nach dem Motto: Aufklärung ist besser als Unwissen und Vorurteile.“

Diese Serie hat unsere Leserschaft und auch die Redaktion des Zeitungsverlages Waiblingen so gespalten, wie kein anderes Redaktionsprojekt zuvor. 35 Folgen lang haben wir die Frage gestellt: „Was passiert in unseren Moscheen?“ Wir wollten mit dieser Serie die aktuellen Kontroversen rund um Islam, Islamisten und Moscheen auf den Rems-Murr-Kreis herunterbrechen und schauen, was hier vor Ort passiert.

Eine zehnköpfige Arbeitsgruppe mit Redakteuren aus der Kreis- und unseren Lokalredaktionen hatte sich auf das Thema vorbereitet und einen Fahrplan für Recherche und Veröffentlichung entwickelt. Dabei wurde oft genauso heftig diskutiert wie später innerhalb der Leserschaft. Jeder Artikel wurde mehrfach gegengelesen, kein Artikel kam ohne Veränderungen ins Blatt. Dreieinhalb Monate lang hat das Redaktionsprojekt gedauert, die 35 Folgen (meist waren es ganze Seiten) haben wir dann innerhalb von zwei Monaten vom 18. Oktober bis 20. Dezember 2012 veröffentlicht.

Am Anfang der Serie standen sogenannte Erklärstücke über den Islam, über Imame, Moscheen und die religiösen Pflichten. Darunter waren auch zwei Gespräche mit dem kritischen Tübinger Islamwissenschaftler Prof. Dr. Lutz Richter-Bernburg.

Zweiter Bestandteil der Serie waren persönliche Begegnungen – mit islamischen Frauen, mit Jugendlichen oder mit den wenigen Brückenbauern zwischen islamischen Gemeinden und der Mehrheitsgesellschaft im Rems-Murr-Kreis.

Dritter Bestandteil der Serie waren die Kontroversen rund um den Islam von Beschneidung über Kopftuch bis hin zur Zwangsheirat.

Danach haben wir im vierten Teil die islamischen Gemeinden in unserem Verbreitungsgebiet vorgestellt. Auch dies geschah nicht ohne Vorbereitung. Die Arbeitsgruppe hatte für die Vorbereitung der Gespräche einen Fragebogen erarbeitet, damit die Gemeindeporträts vergleichbar sind und wir herausfinden, wo die Gemeinden theologisch und politisch stehen. Deshalb hatte der Fragebogen auch Themen enthalten, die den Gesprächspartnern oft sehr unangenehm waren, so die Frage nach der Haltung zur Scharia oder zur Homosexualität.

Wir haben außerdem in vier Beiträgen der Serie Islamisten und extreme Muslime im Rems-Murr-Kreis unter die Lupe genommen.

Die Reaktionen auf die Zeitungsartikel waren teilweise sehr heftig. Es gab Lob von Lesern, die sagten, genau solche differenzierten Hintergründe wollen wir in einer Zeitung lesen. Es hagelte auf der anderen Seite Kritik von Lesern, die uns Schönfärberei oder Naivität vorwarfen. Diese Stellungnahmen haben wir ausführlich auf unseren Leserbrief-Seiten dokumentiert. Eine Anregung unserer Leserinnen und Leser setzen wir in diesem Jahr um: Wir arbeiten derzeit an einer Serie zum Christentum.

Der Oscar für Lokaljournalisten

Der Deutsche Lokaljournalistenpreis wird seit 1980 jährlich von der Konrad-Adenauer-Stiftung vergeben und gilt als die wichtigste Auszeichnung für Lokal- und Regionalzeitungen.

Der Zeitungsverlag Waiblingen hat bereits zwei Mal den Hauptpreis erhalten, zuletzt 2007 für das Konzept unserer Extra-Seiten. 2009 gab es einen Sonderpreis für unser Familienzeitungs-Konzept, 2010 erhielten wir einen Sonderpreis für die Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden.

In diesem Jahr hatte die Jury 711 Beiträge unter die Lupe genommen. Der Hauptpreis geht dabei zu gleichen Teilen an die Thüringer Allgemeine und das Hamburger Abendblatt. Auch unser Mantelpartner, die Stuttgarter Nachrichten, erhält einen Preis in der Kategorie Heimat für die Serie „Auf gut schwäbisch“. Die Preisverleihung findet im September in Erfurt statt.