Auszeichnungen

Sozialpreis für ZVW-Redakteurin Michaela Kölbl

Michaela Koelbl Redaktion Schorndorf Diakoniepreis
„Wir haben eine Verantwortung“, sagt Michaela Kölbl. © Ramona Adolf

Schorndorf. Doppelt preisgekrönt ist nunmehr die siebenteilige Serie „Auf der Suche nach Heimat“ von Michaela Kölbl, Redakteurin der Schorndorfer Nachrichten. Nachdem die Serie, die sich mit den Schicksalen von Flüchtlingen auseinandersetzt, im August bereits mit dem Diakonie-Journalistenpreis ausgezeichnet worden war, kommt jetzt der Deutsche Sozialpreis hinzu.

Vor dem Hintergrund der Tragödie von ertrunkenen Flüchtlingen vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa gewinnen Michaela Kölbls Innenansichten menschlicher Schicksale, die geprägt sind von Vertreibung, Flucht und Heimatsuche, nochmals besondere Dringlichkeit. „Seit der Serie bin ich natürlich besonders hellhörig für solche schrecklichen Nachrichten“, sagt sie.

Die weltweite Zahl von Flüchtlingen sei, seitdem sie die Artikel geschrieben habe, dramatisch gestiegen und so spitze sich deren missliche Lage auch immer mehr zu. „Deutschland darf sich hier nicht einfach so leicht aus der Verantwortung ziehen und sich lapidar auf die ‘Einreise aus sicheren Drittstaaten“ berufen und Flüchtlinge wieder abschieben. Michaela Kölbl ärgert, dass immer wieder kolportiert werde, die Flüchtlinge wollten nur unser Geld. „Die Statistiken des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) besagen etwas anderes, und zwar, dass sie so schnell wie möglich wieder zurück in die Heimat wollen, dies aber nicht können, weil es dort zu unsicher ist und sie um ihr Leben und das ihrer Familie fürchten müssten. Sie flüchten aufgrund unmenschlicher Zustände und Lebensbedingungen in ihren Heimatländern.“ Und: Die meisten flüchten in Nachbarländer und haben Europa gar nicht als Ziel.

Was einst als ein Artikel gedacht war, wuchs sich ob der bewegenden Schicksale, die Michaela Kölbl im Schorndorfer Übergangswohnheim mitbekam, zu einer ganzen Artikelserie aus. Die Redakteurin blieb jedoch nicht nur in der Daimlerstadt für die Recherche, sondern fuhr auch nach Karlsruhe in die zentrale Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge, wohnte einer Verhandlung im Verwaltungsgericht Stuttgart bei und besuchte Abschiebehäftlinge in Mannheim.

Ihre persönliche Betroffenheit – „die Ungerechtigkeit hat mich auch wütend gemacht“ – fand nicht zuletzt auch Ausdruck in dem Meinungsartikel, der die siebenteilige Serie, die von 14. März bis 5. April 2012 in den Schorndorfer Nachrichten erschien, abschloss.

Schon der Jury für den Diakonie-Journalistenpreis 2013 war Michaela Kölbls umfangreiche und sorgfältige Arbeit innerhalb von 450 Bewerbungen in verschiedenen Sparten als herausragende soziale Berichterstattung ins Auge gefallen. Nun zeigten sich auch die Entscheider für den Deutschen Sozialpreis 2013 davon überzeugt. Auch hier gewann Michaela Kölbl in der Sparte „Print“ die Auszeichnung.

Seit 1976 verleihen die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege den Deutschen Sozialpreis. Der Medienpreis zur sozialen Lebenswirklichkeit in Deutschland ist mit 15 000 Euro dotiert und wird in drei Sparten vergeben. „In einem mehrstufigen Auswahlverfahren wurden mehr als 450 hochwertige Arbeiten von einer unabhängigen Fachjury bewertet. Die Brisanz der Themen sowie die herausragende Erzählweise und Machart überzeugten“, teilt die Jury mit.

Neben Michaela Kölbl in der Sparte „Print“ wurden mit dem Deutschen Sozialpreis außerdem ausgezeichnet:

Sparte Hörfunk: Marie von Kuck, „Der Mut der Mücke. Lebensstrategien Alleinerziehender“, Deutschlandfunk, Porträt über Leben und Alltag von alleinerziehenden Müttern und ihren Kindern; Sparte Fernsehen: Pia-Luisa Lenz und Christian von Brockhausen, „Hudekamp – Ein Heimatfilm“, NDR-Fernsehen, Milieustudie über die Bewohner eines Hochhaus-Blocks im sozialen Brennpunkt.

Festakt

Am 4. Dezember überreicht der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), Wolfgang Stadler, die Auszeichnung in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin.

Prominente Rednerin wird die Chefredakteurin der Berliner Zeitung Brigitte Fehrle.

Die Preisträgerinnen und der Preisträger werden mit ihren Beiträgen den geladenen Gästen vorgestellt.