Auszeichnungen

Zeitungsverlag Waiblingen erneut ausgezeichnet

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Bei der Preisverleihung am Montag in Dresden (von links): Dieter Golombek (Sprecher des Lokaljournalistenpreises), Jutta Pöschko (Leiterin der Lokalredaktion Waiblingen), Frank Nipkau (Redaktionsleiter), Hans-Gert Pöttering (ehemals Präsident des EU-Parlaments), Kurt Biedenkopf (ehemals Ministerpräsident), Sabine Reichle (freie Mitarbeiterin des Zeitungsverlags) und Peter Schwarz (Redakteur). © Konrad Adenauer Stiftung

Dresden. Der Lichthof des Albertinums in Dresden war am Montag das, was das Kodak, heute Dolby Theater, für die Verleihung der Oscars im Filmgeschäft ist: Hier in den Staatlichen Kunstsammlungen wurde der 34. Deutsche Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung verliehen. Der Oscar unter den Preisen für deutsche Lokaljournalisten.

Und auch wenn der scheidende Sprecher des Preises, Dr. Dieter Golombek, sich angeblich geschworen hatte, dass der Zeitungsverlag Waiblingen „nicht schon wieder“ unter den Preisträgern sein sollte – nachdem es im vergangenen Jahr einen Preis für die Serie „Was passiert in unseren Moscheen“ gegeben hatte –, so kam es doch anders. Und Dieter Golombek versicherte, er und die Jury hätten nicht anders gekonnt, als sie die ersten Texte der nun mit dem 2. Platz der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichneten Serie zum Christentum gelesen hatten. „Die Serie gibt dem Glauben eine Stimme und viele Gesichter“, sagte Golombek. „Sie porträtiert Menschen, die in die Kirche gehen oder die in der Kirche sind. Die Texte liefern Stoff zum Bedenken der eigenen Position.“

Extra Lob von Kurt Biedenkopf

Vom Festredner des Tages, Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, Ministerpräsident des Landes Sachsen a.D., gab es, dieses bestärkend, noch ein extra Lob für die Serie: „Ich finde das großartig, was sie machen ist enorm wichtig.“ Das hört man sehr gerne, wie es auch allen Kolleginnen und Kollegen, die aus der ganzen Republik angereist waren, um ihren Preis abzuholen, schlicht guttut, für ihre Arbeit, ihre Ideen ausgezeichnet zu werden. In Dresden deshalb, weil es, einer schönen Tradition gehorchend, immer an den Ort geht, aus dem der Hauptpreisträger stammt. Und den ersten Preis bekam in diesem Jahr die Redaktion der Sächsischen Zeitung für ihren „Familienkompass“. Eine Serie, die, wie im Grunde alle ausgezeichneten Beiträge auch, zeigt, was guten Lokaljournalismus ausmacht. Das ist: die Themen aufgreifen, die die Menschen bewegen, nah an sie herangehen und ihnen „eine Stimme geben“, so wie es der Sozialbürgermeister der Stadt Dresden, Martin Seidel, in seinem Grußwort sagte.

„Hochwertiger Lokaljournalismus hat eine herausragende Bedeutung für das Leben in unseren Regionen“, betonte ebenso Carsten Dietmann, Geschäftsführer des Dresdner Druck- und Verlagshauses. Zeitungen seien „Mitgestalter des öffentlichen Lebens“, Journalisten sind der „Freiheit des Wortes und der Demokratie verpflichtet“, so der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung und Präsident des Europäischen Parlaments a.D. Dr. Hans-Gert Pöttering.

Der Festredner, Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, nahm sich, dem Preisträger zu Ehren, des Themas Familie an. Er spann den Bogen von den alten Familienbildern hin zu den, manchmal schwer zu fassenden, weil individuell aufgefächerten Bildern, die wir heute von Familie haben. Doch welche Vorstellung man auch hat, welchem Ideal man auch folgen mag: Salopp formuliert geht es, so Biedenkopf, „um mehr Kinder“. Mehr Kinder, damit sich eine Gesellschaft nachhaltig entwickeln kann. Und was dieses Thema mit Zeitungen, zumal mit Lokalzeitungen zu tun hat, das wurde im Rahmen dieses 34. Deutschen Lokaljournalistenpreises sehr klar. Ob sich da Zeitungen um ihre lokale Wirtschaft kümmern, sich auf die Suche machen, auf neue Arten mit ihren Lesern zu sprechen und diese einzubeziehen, oder sich engagiert eines Themas annehmen, das die Gemeinde, die Stadt, die Region betrifft und bewegt: Immer schaffen die Journalisten, die Redaktionen und die Verlage daran mit, dass „Lebenskreise“ entstehen, in denen Menschen Heimat finden, sich wohlfühlen und im besten Sinne zu Wort kommen. Und darum muss es in Zukunft mehr denn je gehen, meint Prof. Dr. Biedenkopf: „Lasst uns experimentieren“ , eine Revolution von unten anstoßen, bei der die Zeitungen, die Lokalzeitungen, eine wichtige Rolle spielen. Ideen entwickeln, die eine Chance haben, Realität zu werden. Das kann gelingen, so ist die Überzeugung Kurt Biedenkopfs, wenn sie vor Ort wachsen, von Menschen ersonnen, die für sich und ihre Lebenskreise aktiv werden wollen. Eine große Aufgabe für jede Gemeinde sei das, sagt der Ministerpräsident a.D., und für die Zeitungen; „ohne Kommunen, ohne regionale Presse ist das nicht machbar“.

Lebenskreise ziehen, Gemeinschaften aufbauen, sich Heimat schaffen, darum ging es auch im literarisch weitesten Sinne bei der Führung mit dem Dresdner Autor Uwe Tellkamp, Verfasser des literarischen Bestsellers „Der Turm“. Er führte die Gäste am Vortag der Preisverleihung durch „sein Viertel“, den Weißen Hirschen in Dresden. Im Roman beschreibt er das Leben und die Menschen in diesem Viertel, das mit seinen wunderschönen Villen heute ein Bild gepflegter Wohlhabenheit ausstrahlt. Beim Schlendern und Plaudern mit dem Autor zeigten sich aber Straßen, enthüllten sich Geschichten hinter den Hausmauern, die sehr viel bunter sind. Dabei ist es nicht die Aufgabe des Schriftstellers, schlicht Realitäten abzubilden, sondern „der Mythos ist der Zweck des Romans“. Darin unterscheidet er sich freilich vom Journalisten. Beide aber können sich unter dem Zitat aus dem Turm wiederfinden: „Eitelkeit schadet der Beobachtung und dient nicht der Wahrheit.“


Dresden. Der Deutsche Lokaljournalistenpreis gilt als „Oscar“ für Lokaljournalisten. Achtmal hat der Zeitungsverlag Waiblingen diese Auszeichnung bisher erhalten. „Er spielt damit in der Eliteliga der deutschen Regionalzeitungen“, sagt Dieter Golombek, der den Preis vor 34 Jahren erfunden hat. Nun gibt Golombek den Vorsitz der Jury ab. Sein Appell zum Abschied: „Halten Sie die Qualität des Lokalteils hoch, er ist das Herz der Zeitung.“

Es ist der wichtigste Zeitungspreis in Deutschland: der Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung. Drei Hauptpreise und mehrere Sonderpreise werden jährlich vergeben. Redaktionen, die ausgezeichnet werden, können stolz sein. Sie haben sich gegenüber 700 anderen Bewerbern durchgesetzt. Bei der Preisverleihung am Montag in Dresden erhielt der Zeitungsverlag Waiblingen den 2. Preis für die Serie „Christentum heute“. Es ist das achte Mal, dass der Zeitungsverlag Waiblingen die begehrte Auszeichnung erhält.

Für den Juryvorsitzenden Dieter Golombek (73) war es das letzte Mal, dass er die Preise vergibt. Der „Mister Lokaljournalismus“ wird nach 34 Jahren als Jurysprecher verabschiedet. Ihm folgt Heike Groll, die in der Chefredaktion der Volksstimme Magdeburg arbeitet.

Als Golombek 1980 den Preis ins Leben rief, galten Lokaljournalisten als unterste Kaste. Neben den Kollegen im Politik-Ressort, Wirtschaft oder Feuilleton waren sie das fünfte Rad am Wagen. Dagegen wollte Golombek ein Zeichen setzen: „Der Preis sollte zeigen, zu welchen Höchstleistungen Lokaljournalisten in der Lage sind.“

Die Kriterien sind anspruchsvoll. In die Auswahl kommen nur Zeitungen, die bürgernahe Konzepte umsetzen, schwierige Themen aufgreifen, sich zum Anwalt der Leser machen oder engagierten Service bieten.

Das Renommee des Preises ist vor allem Golombeks Verdienst. Er setzte sich von Anfang an für eine unabhängige Jury ein. Denn die Tatsache, dass die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung den Preis auslobt, ließ viele Journalisten die Nase rümpfen. So prägte der Juryvorsitzende den Leitsatz: „Der Preis zeichnet journalistische Qualität aus und keine Gesinnung.“ Das war nicht selbstverständlich. Golombek erinnert sich, dass es immer wieder Beschwerden von CDU-Provinzfunktionären gab, weil die Jury allzu kritische Redaktionen auszeichnete. Aber die Stiftung habe die Jury stets verteidigt.

Die Geschichte des Preises ist ein Abbild der Themen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten die Menschen bewegt haben. Die Redaktionen schrieben über Umweltschutz, Stadtentwicklung und Ausländer, beschäftigten sich mit Arbeitslosigkeit und demografischem Wandel, Gesundheit und Bildung, Bürokratie und Wohnungsnot. Sie arbeiteten historische Themen auf, von den Gräueln der Nazizeit bis zur Diktatur in der DDR. Und sie mischten sich ein, gaben den Bürgern eine Stimme, schufen ein Diskussionsforum vor Ort.

Golombek kennt allerdings auch die andere Seite: „Es gab und gibt viel journalistisches Elend.“ So mancher eingereichte Artikel ließ die Jury staunen, wie so etwas überhaupt gedruckt werden konnte. Daran habe sich in den letzten 30 Jahren nichts geändert. Was sich aber geändert hat, sei das Bewusstsein in vielen Medienhäusern. „Es gibt immer mehr Chefredakteure, die konzeptionell denken, die Freiräume schaffen für wichtige und große Geschichten“, sagt Golombek. Genau das ist für ihn der Weg, der die Zeitungen unverzichtbar mache. Das tue nicht nur den Lesern gut, sondern der Gesellschaft insgesamt. Golombek: „Guter Journalismus ist ein Lebenselexier für die Demokratie.“