Die Lebensretter

Jugendrotkreuz: Schon Kinder helfen ohne Angst

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DRk Jugend
Irene Rieve erklärt den Kindern die stabile Seitenlage. © Habermann / ZVW
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Täuschend echt: Ein Mädchen malt eine Schnittwunde.

Waiblingen. Wer schon als Kind davon träumt, Sanitäter, Krankenpfleger oder Ärztin zu werden, hat beim Jugendrotkreuz die beste Gelegenheit, zu üben. Auf höchstem Niveau, mit ernstem Hintergrund und viel Spaß. Spielerisch und mit echtem Theaterblut erlernen Kinder und Jugendliche die Versorgung von Verletzten im Notfall.

„Magst Du lieber eine Schnittwunde oder eine Schürfwunde?“ Das ist keine makabre Frage eines Raufbolds vor der Schlägerei, so fragt Betreuer die Kinder bei der Übungsstunde der Waiblinger Jugendrotkreuz-Gruppe. Der Schminkkoffer ist bei den Mädchen die Attraktion. Nicht etwa, weil sie sich mit Lippenstift und Lidschatten besonders hübsch machen wollten. Statt Augenbrauen oder Wangenrouge malen sie sich Schnitte, Prellungen und Verbrennungen auf Gesichter und Arme. Mit Modellierwachs formt Dirk Rieve dicke Hautwülste und schneidet ohne Kompromisse hinein. Dann wird der klaffende Riss mit blutroter Farbe getränkt, träge quillt der Saft in Richtung Handinnenfläche.

„Bei Schauübungen braucht die Feuerwehr immer Leute, die Verletzte spielen“, sagt der 24-Jährige, „diese Aufgabe übernehmen wir vom Jugendrotkreuz“. Und zwar mit Liebe zum Detail, um eine möglichst realistische Wirkung zu erzielen. Zuletzt unterstützte das JRK die Jugendfeuerwehr bei einer 24-Stunden-Übung in Korb.

"Wir möchten Kindern vor allem die Angst nehmen"

Natürlich mimen die Nachwuchs-Sanitäter nicht nur die Verletzten, sondern lernen vor allem, solche zu versorgen. Eigentlicher Zweck der (Schmink-) Übung an diesem Abend ist das Anlegen von Druckverbänden. Parallel wird immer wieder der Klassiker der Ersten Hilfe einstudiert, die stabile Seitenlage. Zwar können Jugendliche erst mit 16 Jahren in den Sanitätsdienst eintreten. „Wir möchten Kindern vor allem die Angst nehmen“, erläutert Jugendleiterin Irene Rieve. Einen Notruf absetzen und dem Rettungsdienst die wichtigen Fragen beantworten, unerschrocken Erwachsene zu Hilfe rufen, beim Verletzten bleiben und Trost spenden, vielleicht kleine Hilfen leisten – solche Dinge haben Jugendrotkreuz-Kinder schon drauf.

Schnupperstunden im Bärenhospital

Bei Großveranstaltungen wie dem Ostermarkt und dem Eisentaltag sind die Jugendrotkreuzler immer engagiert dabei und werben für ihre gute Sache. Eine unkomplizierte Schnuppergelegenheit bietet das „Bärenhospital“, bei dem Kuscheltiere erstversorgt werden. Das fällt leichter als das Üben an leibhaftigen Menschen. Eine Attraktion beim Eisentaltag ist die selbstgebaute Mohrenkopfschleuder, die nicht nur Kindern Spaß bereitet. Beim „Blaulichttag“ an Schulen informiert das Jugendrotkreuz wie die Feuerwehr und andere Retter-Organisationen über ihre Arbeit. Im Herbst kamen in Beinstein und Korb rund 200 Schüler in den Genuss dieses etwas anderen Unterrichts. Bei der Kinderspielstadt Remsolino stellt das JRK das Krankenhaus – für den Fall echter Verletzungen sind ausgebildete Sanitäter dabei. Beim großen Laternenumzug helfen die Nachwuchssanitäter beim Verteilen der beliebten Bubenschenkel und bei der Remsputzete leisten sie auch noch ihren Beitrag zum Großreinemachen in Feld und Flur. Wer so viel Gutes tut, hat sich Belohnung verdient, meint die Jugendleiterin. Ausflüge zum Eislaufen nach Ludwigsburg oder in den Freizeitpark Sensapolis in Sindelfingen krönen das Jahresprogramm.

Jugendrotkreuz-Gruppe freut sich über Neuzugänge

Wegen vieler Wechsel in den Sanitätsdienst ist die Waiblinger Jugendrotkreuz-Gruppe mit derzeit zehn Kindern und Jugendlichen relativ klein und freut sich über Neuzugänge. Wie allen Vereinen macht auch dem DRK die Ganztagsschule zu schaffen. Wer Interesse hat, kann sich unter Telefon (0 71 51) 5 59 55 (Anrufbeantworter) oder info@drk-waiblingen.de melden.


Erweiterung für Rotkreuz-Haus geplant

„Das Rotkreuz-Haus im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental platzt aus allen Nähten“, sagt Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr, die auch Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Waiblingen ist. Neben Funktionsräumen wie Büro und Garagen für Einsatzfahrzeuge steht im Wesentlichen ein Saal zur Verfügung. Zu wenig für die wachsende Zahl von Angeboten besonders im Sozial- und Gesundheitsbereich.

Der demografische Wandel, so Dürr, bringe es mit sich, dass Kurse für Senioren eine große Nachfrage haben. Ein Ansatz für die Zukunft wäre außerdem, mit Hausbesuchen und anderen Angeboten der Vereinsamung im Alter zu begegnen. „Wir könnten expandieren und haben viele Ideen, aber dafür brauchen wir Übungsleiter, Räume und Strukturen.“

Dieses Jahr wird überlegt, wie groß ein Erweiterungsbau sein müsste und wie er finanziert werden könnte. Dem Standort Anton-Schmidt-Straße wollen die Rotkreuzler auf alle Fälle treu bleiben. Auch für das Jugendrotkreuz könnte eine Erweiterung des 20 Jahren alten Gebäudes einen neuen Schub bedeuten.

Mit dem Jahreswechsel vollzog der Ortsverein Waiblingen einvernehmlich die Trennung vom Schwaikheimer DRK, das bisher mit Bittenfeld und Hohenacker die Bereitschaft II bildete neben der Bereitschaft I mit Waiblingen, Beinstein, Neustadt, Hegnach und Korb. Die Schwaikheimer gründeten einen neuen, eigenen Ortsverein und ziehen ins neue Feuerwehrhaus ein.

Die alte Konstruktion sei noch ein Überbleibsel aus der Zeit vor der Kommunalreform, als viele dachten, Schwaikheim würde mit Bittenfeld zu Waiblingen kommen. In der Folge war Waiblingen der letzte Ortsverein im Rems-Murr-Kreis mit zwei Bereitschaften. Statt der bisher zwei stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden gibt es entsprechend noch einen: Martin Jungbauer. Sein bisheriges Pendant Heiko Jung ist Schwaikheimer.


Die bisherigen Teile unserer Serie:

Teil 1 - Notfallsanitäter: Leben retten ist ihr Job

Teil 2 - Wer Blut spendet, rettet Leben

Teil 3 - Ruhe bewahren, wenn andere feiern

Teil 4 - Das Team für den äußersten Notfall

Teil 5 - Erste Hilfe: Ein Kurs zur Auffrischung schadet nie

Teil 6 - Anleitungen fürs Wohlbefinden