Die Lebensretter

Ruhe bewahren, wenn andere feiern

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Hannah Rosenbaum und Lukas Jungbauer machen sich fertig für den Streifen-Gang durch die Stadt bei „Waiblingen leuchtet“. © Schneider / ZVW
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Die Sanitäter helfen bei Einsätzen über Kreis- und Landesgrenzen hinweg. Hier bei einem Konzert am Hockenheimring. © DRK Waiblingen
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Peter Scholpp: Der Mann auf dem Scooter. © Schneider / ZVW
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So entspannt kann der Dienst im Sanitätszelt sein. © Gaby Schneider
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Pia Jungbauer in der Einsatzleitung. © Gaby Schneider

Waiblingen. Wenn andere feiern, dann schieben sie Dienst. Ob beim Altstadtfest, beim Faschingsumzug, Martinimarkt oder „Waiblingen leuchtet“: Die Ehrenamtlichen vom Sanitätsdienst des Roten Kreuzes sind immer dabei, um schnellstmöglich zu helfen, wenn jemand sich verletzt – und im Notfall sogar, um Leben zu retten.

„Es gibt nichts, was es nicht gibt“ – diesen oder ähnliche Sprüche hört immer wieder, wer mit den Sanitätern des Roten Kreuzes spricht. Bei ihren Diensten erleben sie oft Kurioses und manchmal Tragisches. Berüchtigt sind das Altstadtfest und der 1. Mai auf dem Hanweiler Sattel.

Mutprobe Kaktus verspeisen

Dort zum Beispiel finden junge Leute einen Kaktus am Waldrand und kommen in ihrem von tüchtig Alkohol befeuerten Zustand auf die Idee, ihn zwischen die Würstchen auf den Grill zu legen. Es kommt, wie es kommen muss. Einer nimmt die falsch verstandene Mutprobe an und versucht, die Pflanze zu verspeisen. Als der Sanitätsdienst ankommt, brabbelt er mit dem Mund voller Stacheln etwas unverständlich „Fie dürfen erft einmal lachen.“ Weil keiner weiß, ob der Kaktus giftig ist, wird der Mann sicherheitshalber ins Krankenhaus gebracht.

Sanitätsdienste müssen so viel leisten wie noch nie

Noch nie hatte der Ortsverein Waiblingen so viele Sanitätsdienste zu leisten wie in den vergangenen Jahren. Unterstützung durch zusätzliche ehrenamtliche Helfer kann er daher dringend gebrauchen. Es sind nicht nur die großen Anlässe von Stadtfest-Format, sondern viele kleine, im laufenden Jahr mehr als 150. Ohne nennenswerte Zwischenfälle verlief zuletzt der Martinimarkt, was wohl auch dem schlechten Wetter geschuldet beziehungsweise zu verdanken war.

Üben für den Ernstfall

Im mollig-warm beheizten Zelt herrscht unter solchen Umständen eine Art entspannter Aufmerksamkeit. Es wird gestrickt, fürs Studium gepaukt, Kaffee getrunken, geplaudert - und die stabile Seitenlage trainiert. Der multifunktionale „Gerätewagen Sanität“, vollgestopft mit notfallmedizinischer und rettungstechnischer Ausrüstung, ist bei solchen Anlässen immer dabei. Ebenso ein Fahrzeug für die Einsatzleitung. Und oft – der Hingucker – ein Scooter für die schnelle Fahrt auf längeren Strecken durchs Getümmel oder zur Begleitung der Sportler beim Remstal-Marathonlauf. Bei diesem fuhr Peter Scholpp hinterher und stieg zweimal ab, um Läufer zu versorgen, denen die Puste ausging.

Der Klassiker: Betrunkene auflesen

Der Klassiker beim Ortsverein, das Altstadtfest: Quer über die Innenstadt sammelt die Streife stark Betrunkene auf. Die heftigen Fälle werden zum Ausnüchtern in den für die Dauer des Fests eingerichteten DRK-Stützpunkt im Bürgerzentrum gebracht, notfalls beim Sich-Übergeben unterstützt. Oft melden sich diese Besucher nach ausgeschlafenem Rausch, um sich zu bedanken und zu entschuldigen. Eine Geste, welche die Einsatzkräfte für manchen Stress entschädigt.

Glasscherben und umstürzende Bäume

Schnittwunden kommen immer wieder vor, weil Menschen mit Flip-Flops in die Scherben auf der Erleninsel treten. Nie wird Bereitschaftsleiterin Sina Löhle das Altstadtfest-Unwetter 2012 vergessen, als die Meldung kam, dass vor dem Rathaus ein Baum umgestürzt sei. Schon bei der Anfahrt knallten abgebrochene Zweige nur so gegen die Autoscheiben. Vor Ort entpuppte sich die Lage zwar als chaotisch, aber zum Glück nicht so dramatisch wie befürchtet.

Den traurigsten Einsatz erlebte Pia Jungbauer bei einem anderen Altstadtfest, als ein Mann ohne Fremdeinwirkung zusammenbrach. Die Reanimation blieb erfolglos – auch damit müssen die Ehrenamtlichen umgehen.


Die Fahrzeug-Spender

Seit 25 Jahren besteht die Frida-und-Fritz-Häbich-Stiftung – ein Vierteljahrhundert, in dem aus der Stiftung fast 1,5 Millionen Euro Zuschüsse je etwa zur Hälfte dem DRK-Kreisverband Rems-Murr und dem DRK-Ortsverein Waiblingen zugutekamen. Ortsvereinsvorsitzende Christiane Dürr, Erste Bürgermeisterin: „Ein Segen, dass unser Fuhrpark dank der Stiftung so intakt und ausreichend bestückt ist.“

Für die finanzielle Unterstützung, die auch das DRK-Haus des Ortsvereins mitfinanziert hat sowie für das gute Miteinander gelte der Stiftung und vor allem Werner Jäkle, dem früheren langjährigen Kreis-Geschäftsführer, ihr Dank. Der Präsident des DRK-Kreisverbands, Landrat a. D. Johannes Fuchs, schloss sich an. Aus den Stiftungsmitteln seien bis heute unter anderem 44 Rettungswagen für das Rote Kreuz mitfinanziert worden, von denen noch heute täglich 25 im Einsatz seien.

Die Stiftung wurde von Frida Häbich und ihrem Sohn Fritz gegründet. Bauunternehmer Erwin Häbich war 1965 verstorben, das Unternehmen wurde von seiner Frau und von seinem Sohn bis 1974 weitergeführt. Die beiden vereinbarten, dass nach dem Tod des zuletzt Verstorbenen das Familienvermögen in eine Stiftung übergehen sollte. Zweck: das Rettungswesen im Kreis zu fördern.

Sohn Fritz Häbich verstarb im Jahr 1986 im Alter von 51 Jahren; seine Mutter 1991. Der Nachlass mit sieben Mehrfamilien-Häusern und 28 vermieteten Wohneinheiten ging auf die Stiftung über, die 1992 aktiv wurde. Geführt wird sie von Roland Kopitz und drei Stiftungsräten, unter ihnen Werner Jäkle, der in Aussicht stellt, dass der DRK-Kreisverband dank der Immobilienanlage auch künftig mit jährlichen Zuwendungen in Höhe von 50 000 bis 100 000 Euro rechnen dürfe. Ein Rettungswagen kostet rund 105 000 Euro, wovon die Krankenkassen lediglich 85 000 Euro tragen.