Die Lebensretter

Wer Blut spendet, rettet leben

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Wenn Spender den Ball drücken oder die Faust ballen, fließt das Blut rascher. © Palmizi / ZVW
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Der Blutcheck durch den Blutspendedienst gehört zu jeder Spende dazu. © Alexandra Palmizi
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Ärzte des Blutspendediensts untersuchen die Spender. © Alexandra Palmizi
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Süßes oder herzhaftes Vesper als Belohnung. © Alexandra Palmizi
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„Taxi“: Pia Jungbauer (links) und Christine Schiebel begleiten einen Spender zum Ruheraum. © Alexandra Palmizi

Waiblingen. Wer hier spendet, gibt sein Bestes – Blut. Mehr noch: Wer sich an Blutspendeaktionen des Roten Kreuzes beteiligt, rettet indirekt Leben, denn die Konserven sind oft lebenswichtig nach Unfällen, bei vielen Operationen und Krankheiten. Doch ohne die Ehrenamtlichen des Ortsvereins wären die Blutspendeaktionen kaum möglich.

Video: Zu Besuch beim Blutspenden in Korb.

Ein ganz normaler Nachmittag. In der Korber Remstalhalle findet zwar weder Sportunterricht noch Vereinstraining statt, dennoch herrscht Gewusel. Das Rote Kreuz hat zum Blutspenden aufgerufen. Besonders zur Feierabendzeit gegen 17 Uhr wächst der Andrang. Nach der Arbeit gehen viele Freiwillige noch schnell zum Aderlass. Geduldig stehen sie am Eingang, um sich registrieren zu lassen. Vor der ärztlichen Untersuchung heißt es erneut für einige Minuten warten. Ein gut gelaunter Mann hat sich zur Stärkung seine Lieblingsschokolade mitgebracht, eine Frau hat sich in ein Buch vertieft, ein junger Mann hat die Augen geschlossen, Kopfhörer im Ohr. Jeder verschafft sich auf seine Art etwas Ablenkung, denn selbst manche Wiederholungstäter kostet die Blutspende etwas Überwindung. „Ein bisschen mulmig ist mir immer“, gesteht zum Beispiel der 26-jährige Timo Schulz. Für ihn als DRK-Mitglied gehört das Blutspenden trotzdem dazu. Und er hat noch einen weiteren Grund: „Vielleicht kann ich es selbst einmal brauchen – als Motorradfahrer muss man schon daran denken.“

Weiche Knie sind nach der Spende ganz normal

Die eigentliche Blutabnahme und die ärztlichen Untersuchungen obliegen den Profis vom Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes. Um das ganze Drumherum von der Anmeldung bis zum Vesper danach kümmert sich der Ortsverein Waiblingen. Zehn bis 20 ehrenamtliche Helfer sind dabei im Einsatz, etwa sechs- bis neunmal jährlich. Pia Jungbauer und andere empfangen und registrieren die Blutspender. Während der eigentlichen, mehrminütigen Blutabnahme betreuen die Ehrenamtlichen die Spender an den Betten, erkundigen sich nach ihrem Wohlbefinden und beantworten Fragen. Dann kommt das „Taxi“: Christine Schiebel und andere Helfer begleiten die Spender von den Betten zum Ruheraum, wo sie erst einmal zehn Minuten verharren müssen. Sitzend, oder noch besser liegend. Viele haben unmittelbar nach der Abzapf-Prozedur weiche Knie. Dass jemand kurz bewusstlos wird, kommt gelegentlich vor. Es gibt aber auch die Fitten wie Timo Schulz, von denen nach dem entscheidenden Piks die Anspannung abfällt und die danach auch keine Beeinträchtigung spüren. „Das Stechen tut eigentlich gar nicht weh“, versichert der Waiblinger, „nicht mehr als die normale Blutabnahme beim Arzt.“

Wichtigster Beitrag des Ehrenamts zu einer erfolgreichen Blutspendeaktion ist, es mag überraschend klingen, das Vesper danach. Dass sich der Ortsverein dabei verstärkt Mühe gibt, zahlt sich tatsächlich aus. „Im Gegensatz zum allgemeinen Trend können wir beim Ortsverein Waiblingen mit Korb eher einen Zuwachs an Spenden verzeichnen“, sagt Bereitschaftsleiterin Sina Löhle. Eistee im Sommer, ein kleines Geschenk zum Jahreswechsel und zu Ostern – Pia Jungbauer gehen die Ideen nicht aus. Manchmal werden die Spender mit Linsen und Spätzle verwöhnt, manchmal wie in Korb mit insgesamt 30 Kilo Wurstsalat nach schwäbischer und Schweizer Art, außerdem mit Hefezopf und allerlei Kuchen. In den Jahren, als der Ortsverein die Verpflegung einem Cateringservice überließ, war leichter Unmut spürbar.

150 Spenden pro Termin

Gute Verpflegung, so die Lehre daraus, nehmen die Spender als ein Zeichen der Wertschätzung und des Dankes, das durch den Magen geht. Durchschnittlich 150 Spenden kommen pro Termin zusammen. Der Rekord von 2006 mit 450 Spenden wird nicht mehr einzuholen sein – dafür gibt’s mehr Termine. 2016 gab’s bei sechs Terminen 900 Spenden. Viele Teilnehmer sind Serientäter. Auszeichnungen für 25 und 50 Blutspenden sind keine Seltenheit. „Wir haben sogar welche, die an der 200 kratzen“, verrät Sina Löhle.

Stressig wird's, wenn Gruppen kommen

Stressig wird’s für den Blutspendedienst, wenn ganze Gruppen von Kollegen oder Schulklassen auf einmal zur Spende antreten. Kaum bekannt: Wenn sich jemand dabei unter Zugzwang sieht, aber eigentlich gar nicht möchte, weil er ahnt oder weiß, dass sein Blut nicht in Ordnung ist, kann er sich trotzdem der Prozedur unterziehen – und hinterher seine Spende dezent kennzeichnen. Die nächste Spendenaktion des Ortsvereins findet am Donnerstag, 28. Dezember, in der Salier-Grund- und Werkrealschule in Waiblingen statt.