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„Fasten ist eine Auszeit vom Alltag“

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Romina Zorn-Cataldo gibt Kurse zum spirituellen Fasten. © Danny Galm

Waiblingen/Remseck. Die Heilpraktikerin und Jugend- und Heimerzieherin Romina Zorn-Cataldo gibt landesweit Gesundheits- und Entspannungskurse. An der Familienbildungsstätte Waiblingen bietet die 44-Jährige aus Remseck einen Kurs zum „Spirituellen Fasten“ an. Im weitesten Sinne also geistiges Fasten – wie sieht das aber konkret aus?

Frau Zorn-Cataldo, in der Ankündigung Ihres Kurses schreiben Sie, spirituelles Fasten sei eine tolerante Form des Fastens. Was genau kann ich mir denn darunter vorstellen?

Die meisten Menschen fasten ja aus gesundheitlichen Gründen, beispielsweise um abzunehmen. In vielen Religionen kennt man das Fasten aber unter einem religiösen oder spirituellen Aspekt. Das geht über den Verzicht auf Lebensmittel hinaus: Es geht darum, sich damit auseinanderzusetzen, was einem Zeit raubt oder Lebensqualität.

Was kann das denn sein?

Das kann zum Beispiel das Fernsehen sein oder das Smartphone, aber auch Alkohol oder Süßigkeiten. Wichtig ist, dass der Verzicht immer mit der Überlegung verbunden ist, auf etwas zu verzichten, das ich eigentlich gar nicht brauche, das aber viel Raum in meinem Leben einnimmt. So schaffe ich mir eine Auszeit vom Alltag.

Ich soll also auf etwas verzichten, das mir Zeit raubt, und die Zeit, die ich gewinne, dann produktiv für mich nutzen?

Ja, beispielsweise. Oder ich kann auch einfach genau hinsehen, was mit mir passiert, wenn ich verzichte. Oft erleben Leute dann plötzlich: Ich habe ja ganz viel Zeit. Oder bei Genussmitteln: Ich habe auf einmal total viel Energie. Es kann aber auch sein: Ich bin total nervös. Diesen Gefühlen kann ich dann nachspüren, ihnen Raum geben. Danach nimmt man sich anders wahr.

Darum geht es also, um die Selbstwahrnehmung?

Ja, denn der Effekt des spirituellen Fastens ist nicht gesundheitlicher Art, sondern seelischer. Oft ist das mit Zeit verbunden, ich stelle also fest, wo ich wie viel Zeit vergeude, und merke, wie ich sie anders nutzen kann. Dieses Nutzen kann auch einfach darin bestehen, ein Buch zu lesen, mit der Familie Brettspiele zu spielen oder sich mit dem Partner zu unterhalten. Oder ich stelle fest, was ich besonders vermisse – das hat auch den Effekt, dass ich mich umso mehr darauf freue, es nach der Fastenzeit wieder zu haben.

Wenn ich das nun ausprobieren möchte – wie fange ich an, so als Anfänger im spirituellen Fasten?

Am wichtigsten ist es, sich nicht selbst zu überfordern. Ich sollte vorher genau hinschauen, auf was ich verzichten kann – und was ich auch durchziehen kann. Zum Beispiel macht es ja wenig Sinn, komplett auf mein Smartphone zu verzichten, wenn ich es beruflich brauche. Da wäre es besser, zu sagen, ich nutze das Smartphone für eine gewisse Zeit ausschließlich beruflich. Surfen, Handyspiele und so lasse ich weg. Auch was das Essen angeht, sollte man besser langsam anfangen. Auf einmal alle Lebensmittel wegzulassen, kann schnell nach hinten losgehen. Gerade, wenn man beruflich stark eingebunden ist.

Es geht also auch um das Erfolgserlebnis?

Ja klar. Erfolgserlebnisse sind wichtig. Sonst entsteht Frust, und das soll es ja nicht sein, sondern im Gegenteil eine Bereicherung für die Seele.

Fasten Sie denn selbst jetzt in der Fastenzeit?

Mein Mann hat für sich beschlossen, während der Fastenzeit auf Süßigkeiten zu verzichten. Er isst sehr gerne süß, das ist für ihn ein richtiges Opfer. Ich selbst habe für mich festgestellt, dass wir in letzter Zeit häufig irgendwo eingeladen waren, wo es dann zum guten Essen ein Glas Wein gab oder ich mit meinen Freundinnen einen Likör getrunken habe. Daher möchte ich jetzt mal ganz bewusst gar keinen Alkohol trinken – zumal auch einige Geburtstagsfeiern in nächster Zeit anstehen. Außerdem haben wir vereinbart, möglichst auf Fernsehen zu verzichten. Und wir werden mal einen oder zwei Fastentage einlegen, an denen wir ganz auf Essen verzichten, einfach, um zu sehen, wie das ist, mal einen Tag lang nur Tee oder Wasser zu trinken.

Vielen Dank für das Gespräch.