Menschen im Fadenkreuz

Ausstellung im Rems-Murr-Kreis: Rechtsextreme greifen das Kostbarste an, das unsere Gesellschaft hat – Menschen

CORRECTIV Menschen im Fadenkreuz Jacinta Nandi
Die Autorin, Bloggerin und Kolumnistin Jacinta Nandi. Wie alle, die sich im Rahmen von "Menschen – im Fadenkreuz des rechten Terrors" haben porträtieren lassen, steht sie auf einer rechtsextremen Feindesliste. © Ivo Mayr / CORRECTIV

Vom 22. bis 29. August ist im Rems-Murr-Kreis die Ausstellung zum Projekt "Menschen – im Fadenkreuz des rechten Terrors" zu sehen. Lesen Sie dazu einen Gastbeitrag der Correctiv-Journalisten David Schraven und Till Eckert aus dem Ausstellungsband.

Sie haben sich vielen von uns schmerzhaft ins Gedächtnis gebrannt: die Morde des NSU. Der Mord an Walter Lübcke. Die rechtsterroristischen Anschläge in Halle und jüngst in Hanau.

Noch immer morden Neonazis und Rechtsextreme in Deutschland. Sie reißen Menschen aus unserer Mitte. Sie attackieren unsere Demokratie. Seit der Gründung von Correctiv beschäftigen wir uns deshalb mit Rechtsterrorismus, seinen Ausprägungen und seinem Vorfeld. Mit der grafischen Reportage „Weisse Wölfe“ rekonstruierten wir 2015 etwa die Gewalttaten der Neonazis in Dortmund. Mit der investigativen Datenrecherche „Kein Filter für Rechts“ zeigten wir 2020, wie netzaffine Rechtsextreme junge Menschen mittels Instagram in ihre Ideologie ziehen.

Was wir mit dem Projekt erreichen wollen

Auch mit diesem Projekt wollen wir aufklären, über Strategien, über Kontinuitäten, über die Ideologie der Rechtsextremen. Dafür arbeiteten wir mit mehr als 15 Journalistinnen und Journalisten renommierter Medienhäuser zusammen, die alle seit Jahren zu diesen Themen recherchieren und hier ihre Ergebnisse teilen. Vor allem aber wollen wir Aufmerksamkeit auf die richten, die hauptsächlich betroffen sind.

Auf diejenigen, die durch rechte Gewalt geliebte Familienmitglieder verloren. Deren Tage sich durch die Taten Rechtsextremer verdunkelten. Auf die, die Rechtsextreme als Feinde markieren, mit Namen auf Listen setzen, die dann in der Szene kursieren, quasi zum Abschuss freigegeben sind. Wir nennen sie „Feindeslisten“. Monatelang haben wir recherchiert, wer in Deutschland auf solchen Listen steht und wen die Neonazis da eigentlich auslöschen wollen. Die Menschen auf diesen Listen bilden nicht weniger als einen Querschnitt unserer Gesellschaft. Frauen, Männer, jung, alt, Lehrerinnen, Politiker, Journalistinnen, Aktivisten, Wissenschaftler und immer wieder solche, die man gar nicht als ein solches Ziel vermuten würde: Menschen wie Du und ich.

Herzstück des Projekts: Die Porträts von Ivo Mayr

Der Fotograf Ivo Mayr hat 57 dieser Menschen besucht, die bedroht werden. Er hat mit ihnen über ihr Leben, ihre Wünsche und Pläne gesprochen und sie porträtiert. Ihre Bilder bilden das Herzstück unseres Projekts. Sie sind die „Menschen – Im Fadenkreuz des rechten Terrors“.

In drei Kapiteln informieren wir darüber hinaus über die rechtsextreme Szene, geben Einblick in ihre hasserfüllte Welt, zeigen auf, welches Ausmaß ihr Handeln erreicht hat, wie schwerwiegend die Auswirkungen sind – und wie lückenhaft die Aufklärung und Aufarbeitung zum Thema.

Die Grundlage unserer Demokratie gilt es zu verteidigen

Wir sind der Überzeugung, dass man sich durch Engagement gegen rechten Terror nicht auf „eine Seite“ schlägt, wie rechtsideologische Vordenker das gerne darstellen.

Das Grundgesetz bestimmt das Fundament unseres Rechtsstaates. Es ist ein Dokument der Freiheit: Menschenrechte und der Wert einzelner Leben sind nicht diskutier- oder verhandelbar.

Wir haben alle das Recht auf Unversehrtheit und die Achtung unserer Würde. Diese Grundlage unserer Demokratie gilt es zu verteidigen, gerade in Zeiten, in denen die Gesellschaft unter dauerhaftem Beschuss steht. Das verstehen wir unter dem antifaschistischen Auftrag des Grundgesetzes. Die Morde des NSU und all der anderen rechten Terroristen erinnern uns daran, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Sicherheit der Menschen in unserem Land nicht selbstverständlich sind.

Unser Projekt ist deshalb – vor allem anderen – eines: eine Warnung.

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Das Projekt

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Buch "Menschen – im Fadenkreuz des rechten Terrors". Es kann über den ZVW-Shop oder im Online-Shop von CORRECTIV bestellt werden. Das gleichnamige Projekt ist eine Kooperation elf renommierter Regionalmedien in Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring e.V., unter Leitung des gemeinnützigen Recherchezentrums CORRECTIV.

Die Ausstellung dazu ist noch bis zum 29. August im Rems-Murr-Kreis zu sehen. Termine unter zvw.de/menschen-im-fadenkreuz.