Selbstversuche

Selbstversuch: Wie gefährlich sind E-Scooter?

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Auf dem E-Bike überholt ein Schüler den flitzenden Redakteur Andreas Kölbl. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Im Handumdrehen ist der Roller zusammengeklappt und verladen.

Waiblingen. In Großstädten wie Berlin, München oder Paris gehören sie inzwischen zum Straßenbild: Elektroscooter gelten vielen als zukunftsträchtige Alternative im Nahverkehr. Andere halten die klappbaren Flitzer für gefährlich. Ein Modell haben wir für ein paar Tage einem Selbstversuch im Waiblinger Redaktionsalltag unterzogen.

Keine Frage, der rote Metz-„Mover“ ist ein Blickfang. Fast überall, wo ich diese Woche mit ihm aufkreuze, entwickelt sich ein Gespräch: Wie schnell fährt er? Was wiegt er? Wo darf man damit fahren? Und jedes Mal, wenn ich von einem Termin zurück in die Redaktion komme, mustern mich meine Kollegen sorgenvoll: „Na, sind noch alle Knochen heil?“. So viel vorneweg: Zu Stürzen oder Unfällen kam es nicht. Aber wirklich sicher fühle ich mich auf dem Gefährt nur, wenn keine Autos in der Nähe sind. Dazu später mehr. Andreas Becker, Vorsitzender des Motorsportclubs Waiblingen, Pionier in Sachen Elektromobilität und Inhaber eines Fuhrparks für Transporte, Messen und Events, hat uns den Flitzer zum Testen zur Verfügung gestellt.

Spaßfaktor: Schleifen drehen macht richtig Laune

Was den Fahrspaß anbelangt, hat der E-Scooter eine Bestnote verdient. Schleifen fahren auf der freien Fläche des Hess-Areals, rasch aus einer Kurve heraus beschleunigen, wie es nur ein Elektromotor kann – das macht richtig Laune. Mit jeder Minute wächst auch mein Mut, mich in Kurven leicht zur Seite zu legen. Für die Bedienung gibt es nur ein Wort: kinderleicht. Erlaubt ist er zwar erst ab 14, aber wer irgendwann in seinem Leben einmal Tretroller gefahren ist, wird mit der Elektro-Variante keine Mühe haben. Kurz anschubsen, bis er sechs Stundenkilometer erreicht, dann legt der Motor auf Fingerdruck los. Auf ebener Strecke erreicht der Mover Tempo 20. Bergab wird er allerdings schneller und schneller. Bremsen lässt er sich wie ein Fahrrad über Handzüge am Lenker. Die Scheibenbremsen kann man in ihrer Wirkung supereinfach dosieren.

Die Talstraße entpuppt sich als Gefahrenzone

Mit wenigen Handgriffen ist der Roller zusammengeklappt und im Kofferraum verstaut. Die Empfehlung des Herstellers an Pendler, mit dem Auto auf einen Parkplatz im äußeren Stadtgebiet zu fahren und dann auf den Mover umzusteigen, um eine lange Parkplatzsuche oder die Umweltzone zu umgehen, lässt sich gut nachvollziehen. Um ihn über längere Strecken zu tragen, wiegt er aber etwas zu viel. 18 Kilo sind kein Leichtgewicht.

Zugelassen ist der E-Scooter überall dort, wo Fahrräder es auch sind. Folglich macht das Fahren am meisten auf richtigen, separaten Fahrradwegen Spaß. Erstaunlich schnell bin ich nach einem Ortstermin beim Ruderverein Ghibellinia auf dem Remstalradweg zurück in der Innenstadt. Das Problem: Wie Radler wissen, ist das Radwegenetz in Waiblingen Stückwerk. Auf Gehwege auszuweichen ist verboten. Aus meiner Sicht zu Recht, denn Tempo 20 ist nun einmal etwas ganz anderes als Schrittgeschwindigkeit. Auf engen und belebten Gehwegen wäre die Unfallgefahr auch bei gedrosselter Geschwindigkeit zu hoch. Aus guten Gründen sind die meisten Gehwege ja auch für Radler verboten. Zum Bedauern des Roller-Testers gilt das ebenso für die Wege in der Talaue. Wie schön wäre es, das Gartenschau-Gelände mit dem Scooter zu erkunden. Kämen viele auf die Idee, wäre der Spaß allerdings bald vorbei – vor allem für die Spaziergänger. So gesehen ist das wohl schon ganz richtig geregelt.

Mangels echter Radwege bleibt etwa an der Devizesstraße oder der Talstraße nur der markierte sogenannte „Schutz-“ oder „Angebotstreifen“ seitlich der Fahrbahn. „Geschützt“ fühle ich mich hier mitnichten, sondern der Aufmerksamkeit der Autofahrer hinter mir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Fahrräder, meine ich, sind dabei sicherer, weil die anderen Verkehrtsteilnehmer eher mit ihnen rechnen. Besonders auf der Talstraße muss ich gleichzeitig bremsen, damit der Roller nicht zu schnell wird, muss bei lockerer Haltung in den Knien die Stöße durch Schlaglöcher abfangen – und auf den Verkehr hinter mir achten. Ein ungemütlicher Ort für Rollerfahrer. Tollkühn wird’s beim Abbiegen: Wie beim Radfahrer sollte dies mit Handzeichen geschehen. Einhändig im vollen Verkehr auf dem E-Scooter über die Straße wackeln: Was sich der Gesetzgeber dabei gedacht hat, ist mir ein Rätsel.

Fazit: Auf geeigneten Straßen ein prima Fahrvergnügen. Für Strecken auf großen Werksgeländen oder Messe-Arealen vielleicht das ideale Fortbewegungsmittel. Wo kein Radweg ist, würde ich damit aber nicht im Berufsverkehr fahren wollen.


Rechtliches

Seit Juni gilt die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung. Sie regelt den Verkehr mit den Batterierollern. Zugelassen sind E-Scooter demnach für das Fahren auf Straßen und ausgeschilderten Radwegen.

Es gilt Versicherungspflicht.

Eine Fahrerlaubnis, also ein Führerschein, ist nicht erforderlich.

Das Mindestalter für die Nutzung liegt bei 14 Jahren.

Helmpflicht besteht nicht. Das Tragen eines Helmes wird jedoch empfohlen.

E-Scooter vom Typ „Metz Mover“ verleiht der Fuhrpark Becker in Waiblingen für 69 Euro pro Woche. Dort ist er auch käuflich zu erwerben für 1990 Euro.