Selbstversuche

Skifahren mit der Skizunft Korb – ein Selbstversuch

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Redakteurin Diana Nägele zum ersten Mal unterwegs auf Skiern © Skizunft Korb
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Redakteurin Diana Nägele und Skilehrer Marc Hellerich von der Skizunft Korb. © Skizunft Korb

Korb. „Fahren Sie auch Ski?“, wie oft habe ich diesen Satz gehört. Und wie oft habe ich geantwortet: „Äh, nein. Leider nicht. Nur Snowboard!“ So war es auch, als ich mich zum ersten Mal mit Mitgliedern der Skizunft Korb unterhalten habe. Kurzerhand besorgten sie Skier, Stiefel und Stöcke. Mein erstes Mal auf Skiern. Ein Selbstversuch.

 

Marc Hellerich wirft einen kurzen, prüfenden Blick auf mich und meine Ausrüstung. An meinen Füßen trage ich ein paar schwere Skistiefel, in denen man sich so sicher fühlt wie in einem Gipsverband. Vor mir liegen ein paar Skier. „Das kriegen wir hin“, sagt er und lächelt. „Wir fangen erst einmal da drüben an“ und deutet auf einen flachen Hügel abseits der Piste, wo gerade Kinder den Hang hinunterflitzen. Marc Hellerich ist ausgebildeter Skilehrer und seit eh und je bei der Korber Skizunft.

Es ist einer der Skikurstage der Skizunft Korb. Morgens ging es um sechs Uhr mit dem Bus nach Bolsterlang ins Allgäu. Als alle ihre Ausrüstung geschnappt hatten, führte Willi Minet, der zusammen mit Luca Frank und Dennis Rube die Korber Skischule leitet, die Teilnehmer auf eine ebene Fläche. Aufwärmen ist nun angesagt. „Das ist wichtig“, erklärt Verena Ielpo, die gemeinsam mit Marc Hellerich Vorsitzende des Korber Vereins ist.

Schließlich sei man stundenlang im Bus gesessen. Der Körper muss sich auf die Belastung einstellen. „Das ist wichtig, dass man sich nichts zerrt.“ Gemeinsam trampeln nun alle auf der Stelle, gehen in die Hocke, springen in die Höhe, bevor Beine und Arme ausgestreckt und gedehnt werden. Kaum fertig, gibt mir Marc ein Zeichen. Jetzt geht es los. Alle Teilnehmer gehen mit ihren Skilehrern auf die Piste. Keiner aber ist auf dem kleinen Kinderhügel außer mir und Skilehrer Marc. Doch erst einmal soll ich ein Gefühl entwickeln. Marc Hellerich zeigt mir, wie man mit Skiern einen Hang hinaufstapft, wie man das Gewicht von einem Bein auf das andere verlagert, um dann anschließend zum ersten Mal ein paar Meter vorwärts zu rutschen. Hat funktioniert. Ohne Sturz. Unglaublich.

Hochmut kommt vor dem Fall

Zunächst wiederholen wir das. Erst stapfen wir den Hügel rauf, entweder seitwärts oder mit den Skispitzen wie bei einer Pizzaschnitte nach außen zeigend. Dann lassen wir uns nach unten gleiten. Und – was für ein Wunder, ich fahre die erste Kurve. Links herum geht es anfangs deutlich einfacher als rechts herum. Marc sagt mir, dass das etwas mit der Gewichtsverteilung zu tun hat. Ich müsste stärker auf meinem linken Bein stehen. „Aha“, denke ich mir, „das probier ich doch gleich aus.“ Und plötzlich verliere ich die Kontrolle, fange an zu rudern, die Skier gewinnen ungewollt an Geschwindigkeit – im nächsten Moment liege ich auch schon im Schnee. Deutlich schwerer als das Hinfallen ist das Aufstehen, stelle ich fest. Skilehrer Marc hilft mir. Nächster Versuch. Marc zwingt mich die Skisstöcke beiseitezulegen, damit ich mich besser auf die Gewichtsverteilung konzentrieren kann. Diesmal versuche ich rechtzeitig zu bremsen, mache eine Kurve, eine nächste, hebe unterwegs auf dem Weg zum Babylift eines der Ski-Kurskinder auf, das sich im Schnee vergraben hat und die Arme hilfesuchend ausstreckt, werde übermütig – und schon liege ich ein zweites Mal im Schnee. Später kann ich dann mit Stolz von mir behaupten, dass es bei diesen zweiten Mal geblieben ist. Nach und nach gewinne ich an Selbstvertrauen: Geht doch. Gar nicht so schwer. Skilehrer Marc ist zufrieden. Versuch ist geglückt. Und es macht richtig Spaß. Es lief besser als gedacht.

Zwischendurch schaut einmal Vorstandskollegin Verena Ielpo bei uns vorbei, um nach dem Rechten zu sehen. Viel Zeit habe sie nicht, sagt sie, sie müsse den Grill fürs Mittagessen vorbereiten. Mittags werden Teilnehmer der Korber Skiausfahrt mit gegrillten Würsten versorgt. Man schwätzt miteinander, tauscht sich über die ersten Erfahrungen aus. Absprachen treffen hierbei auch die Skilehrer. Ihre Gruppen werden je nach Fahrkunst der Teilnehmer eingeteilt. Der Gruppe von Volker Siegle ist vormittags der fünfjährige Fabio zugeteilt. Malte ist in der Gruppe von Roland Lang. Weil Fabio noch etwas unsicher auf den Skiern steht, wechselt er zu Volker Lang, Malte dagegen fährt mit Volker Siegle. Die Gruppe macht sich zum Gipfel auf, wo es etwas steiler ist. Jeder soll entsprechend seiner Leistung geschult und gefordert werden, das ist ihnen wichtig. „Wenn der kleine Fratz am Ende des Tages dir sagt, dass er nächstes Jahr wieder bei dir im Kurs fahren möchte, weißt du, dass du alles richtig gemacht hast“, sagt Volker Lang und lächelt.

Zufrieden nach der Feuertaufe

Auch für Willi Minet, Luca Frank und Dennis Rube ist das ein Beleg dafür, dass sich die Mühen gelohnt haben. Sie haben als Skischulleiter die Organisation inne, das Amt aber erst vor kurzem übernommen. Für sie waren die Skikurstage die Feuertaufe. „Wir sind mit der Skizunft aufgewachsen, haben hier Skifahren gelernt, wäre doch zu schade gewesen, wenn es die Kurstage nicht mehr gegeben hätte“, sind sich die drei einig und nicken sich zufrieden zu. Denn genau dazu wäre es gekommen, hätte sich kein neuer Leiter gefunden.