Selbstversuche

Tanzen ist nicht so einfach wie gedacht

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Keziban Bitek bei dem Versuch, mit Karl-Dieter Kordeuter in der Turnhalle der Comeniusschule Cha-Cha-Cha zu tanzen. © Habermann/ZVW
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Unsere Volontärin fühlt sich beim Anblick der Turnhalle an ihre Schulzeit erinnert.
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Als Tanzlehrer braucht man viel Geduld - aber der Job macht auch sichtlich Spaß.

Waiblingen. Aus dem Musikrekorder ertönen spanische, brasilianische, deutsche Lieder - Musik in jeglicher Sprache. Im Takt der Musik versuchen Tanzpaare, ihre Schritte in Einklang zu bringen. Eine der Tänzerinnen ist unsere Volontärin Keziban Bitek. Für die Serie „Unser Verein“ hat sie sich beim Training des Tanz-Sport-Clubs Staufer-Residenz zum ersten Mal an Cha-Cha-Cha gewagt.

Beim Anblick der Turnhalle erinnere ich mich schlagartig an meine Schulzeit – und an den dortigen Tanz-Crashkurs. Für den Oberstufenball musste der ganze Jahrgang an einem zweitägigen Tanzkurs teilnehmen. Alle Schüler bildeten einen Kreis, der Tanzlehrer stellte sich in die Mitte und los ging es mit Discofox. Eine unangenehme Erinnerung, gezwungenermaßen mit den Klassenkameraden und mit denjenigen aus den Parallelklassen zu tanzen, die man vielleicht nur flüchtig vom Sehen kennt oder sie überhaupt gar nicht ausstehen kann. Das alles sind im Alter von 17 Jahren sehr triftige Gründe. Allerdings liegt das mittlerweile neun Jahre zurück.

Noch weiter zurück, etwa 16 Jahre, liegt meine zweijährige Beteiligung an einer Folkloregruppe mit kaukasisch-türkischen Tänzen. Das war vielleicht die erste Erfahrung für mich, in der ich in einer Tanzgruppe getanzt habe. Besonders schön fand ich unsere Kostüme: weißer Satinrock, bordeauxfarbene Samtjacke mit goldener Verzierung.

Ich stelle mich der Herausforderung und lerne Cha-Cha-Cha beim TSC

Nun stelle ich mich mit meinem Vorwissen, bestehend aus Discofox, kaukasischen Tänzen und Zumba, der Herausforderung beim TSC : Ich lerne Cha-Cha-Cha.

Marie-Luise Bucher ist Tanzlehrerin und trainiert die Hobbytanzgruppe des Vereins „Tanz-Sport-Club Staufer-Residenz Waiblingen“. Sie hat 1968 in Pforzheim mit dem Tanzen angefangen. Die 65-jährige Trainerin hat eine Tanzlehrerprüfung abgelegt und eine Trainerausbildung gemacht. Da ihr Mann, Klaus Bucher, die Turniergruppe beim TSC leitet, ist sie durch ihn zum Verein gekommen.

Das Programm ist abwechselungsreich und breitgefächert. Es werden Standard- und Lateintänze getanzt. Der Unterschied des Vereins zu Tanzschulen ist, dass dadurch in der Regel sechs bis sieben Paare zum Training kommen und die Lage überschaubarer ist. So kann die Trainerin Marie-Luise Bucher auf die einzelnen Paare individuell eingehen und ihnen Verbesserungsvorschläge geben.

Nach wenigen Minuten überfordert

Die 65-jährige Tanzlehrerin stellt sich zwischen die Paare, erklärt die Tanzschritte und veranschaulicht sie durch ihre Bewegungen. Nachdem mir ein Tanzpartner zugewiesen wird, geht es mit Discofox los.

Das klappt noch einigermaßen, aber ich möchte etwas Neues lernen. Höchste Konzentration ist angesagt, denn es geht nicht darum, seinen Körper unkontrolliert zur Musik zu bewegen, sondern sich auf die Abfolge der Schritte zu konzentrieren und eine gute Figur abzugeben. Die Trainerin erklärt mir die Cha-Cha-Cha-Schritte: linker Fuß leicht zurück, rechter Fuß zurück, linker Fuß am Platz, rechter Fuß vor, linker Fuß schließt. Mein Tanzpartner, Karl-Dieter Kordeuter, beherrscht sie schon längst. Er tanzt mit seiner Frau Silvia Kordeuter seit mehr als 40 Jahren.

Obwohl wir vereinfacht und langsam den Tanzversuch starten, bin ich nach wenigen Minuten überfordert: Ich kann mir die Abfolge der Schritte nicht merken und muss darauf achten, meinem Tanzpartner nicht auf die Füße zu treten. Mein Fazit: Da helfen mir meine Vorkenntnisse auch nicht weiter – ich bin definitiv aus dem Takt.

„Ich habe auch sehr viel Geduld“, erzählt Bucher später im Gespräch. Die Unterhaltung mit den Leuten und ihnen das Tanzen auf eine lockere und spaßige Art beizubringen, motiviere sie sehr.

Ein Tanz fließt durch den Körper und bildet mit Musik eine Einheit

Während Marie-Luise Bucher sich um ihre Tanzschüler kümmert, unterhalte ich mich mit Gabriela Stegmaier. Sie ist Pressewartin und Frau des Ersten Vorsitzenden Dieter Stegmaier. „Neben den Schritten geht es auch um die richtige Verlagerung des Körpergewichts“, erklärt Gabriela Stegmaier. „Ein Tanz fließt durch den Körper und bildet mit der Musik eine Einheit“, sagt sie mit überzeugter Stimme. Sie und ihr Mann sind seit der Gründung des Vereins 1980 mit dabei. Zwischenzeitlich mussten sie aus beruflichen Gründen aufhören, aber hatten keinerlei Probleme, 2005 erneut wieder einzusteigen.

„Viele, die aus gesundheitlichen, beruflichen oder anderen Gründen nicht mehr aktiv tanzen können, bleiben als förderndes Mitglied“, berichtet die 58-jährige Pressewartin. Sie unterstützen den Verein bei Veranstaltungen. Stegmaier ist froh, wieder mit dabei zu sein. „In erster Linie geht es hier um Spaß“, sagt sie. „Tanzen ist gelenkschonend und beugt Demenz und Alzheimer vor.“


Tanzkurse

  • Der Tanz-Sport-Club hat rund 100 Mitglieder
  • Standard- und Lateinkurse für Hobbygruppen werden montags von 19.30 bis 21.30 Uhr in der Turnhalle der Comeniusschule angeboten
  • Dienstags findet das Standard-Turnier-Training von 19 bis 22 Uhr im Bürgerhaus Hohenacker statt
  • Das Jugend- und Latein-Turniertraining ist jeden Mittwoch von 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle der Comeniusschule
  • Freitags findet von 19 bis 22 Uhr das Standard- und Lateintanz-Training für Hobbygruppen ebenfalls in der Comeniusschule statt
  • Der Tanz-Sport-Club hat zudem noch eine Kindergruppe, in der Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren sind. Sie lernen ganz spielerisch zu tanzen. Es geht darum, Musik und Bewegung in Einklang zu bringen

Alle weiteren Teile unserer Vereinsserie finden Sie unter zvw.de/unser-verein