Vier Wochen vegan

Vorsicht vor Nährstoffmangel

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Die Ernährungswissenschaftlerin Beate Monter rät zu gesunder Mischkost mit Milchprodukten und Eiern. © Danny Galm

Die Ernährungswissenschaftlerin Beate Monter aus Weinstadt berät in ihrer Praxis zu Lebensmittelallergien und Unverträglichkeiten. Zudem hält sie Vorträge über gesunde Ernährung.

Frau Monter, wie gesund ist vegane Ernährung?

Zunächst mal sollte jeder sich so ernähren, wie er will. Ich kann die Ziele von Veganern verstehen, auch wenn ich persönlich denke, dass man eher Alternativen in der Tierhaltung suchen sollte, als komplett auf Tierprodukte zu verzichten. Grundsätzlich kann man sich mit rein pflanzlicher Kost aber gesund ernähren, das bestätigt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Allerdings ist das Risiko für Nährstoffdefizite höher. Gerade bei Kindern und Schwangeren halte ich eine vegane Ernährung daher für riskant. Und jeder, der sich vegan ernährt, sollte sich gut informieren.

Nun wird Veganern ja empfohlen, zur Nahrungsergänzung Vitamin-B-12-Präparate zu nehmen. Was halten Sie davon? Und wie sieht es mit Calcium aus?

Generell sollte eine gesunde Ernährung so gestaltet sein, dass man keine Nahrungsergänzungsmittel braucht. Wir sollten das verwerten, was die Umwelt uns gibt. Da sind Veganer ja schon mal nah dran, aber Vitamin B 12 muss substituiert werden, denn in rein pflanzlicher Nahrung ist es nicht in ausreichender Menge zu kriegen. Mir ist aus der aktuellen Forschung und Literatur auch keine gegenteilige Meinung hierzu bekannt. Calcium wiederum geht auch pflanzlich. Gute Quellen sind dunkelgrünes Gemüse, calciumreiches Mineralwasser, Nüsse oder Samen. Auch Milchalternativen mit Calciumzusatz gibt es. Diese Variante halte ich allerdings nicht für besonders sinnvoll, denn da wird durch ein Kunstprodukt ein Lebensmittel ersetzt, das es eigentlich natürlich gibt.

Apropos Kunstprodukt, was ist denn Ihre Einschätzung zu veganen Ersatzprodukten? Sind die gesund?

Viele Ersatzprodukte enthalten Zusatzstoffe, die – in großen Mengen zugeführt – den Körper überschwemmen. Das birgt Allergiepotenzial. Auch auf Soja zum Beispiel reagieren Birkenpollenallergiker häufig allergisch. Grundsätzlich ist es so: Je mehr man einem Nahrungsmittel zusetzt, desto mehr verfremdet man es. Farbstoffe gaukeln zum Beispiel eine Farbe vor, die natürlich nicht erreicht werden könnte. Ich empfehle immer, möglichst dicht am natürlichen Nahrungsmittel zu bleiben. Was ich nicht erstrebenswert finde, ist, Produkte nachzuahmen. Wieso muss ich also zum Beispiel ein veganes Schnitzel essen, wenn ich weiß, wie hoch aufgearbeitet die Nahrung dafür werden muss.

Nach knapp einer Woche rein pflanzlicher Ernährung habe ich das Gefühl, mich besser zu fühlen. Woran könnte das liegen?

Es könnte natürlich tatsächlich sein, dass Ihr Körper Milch oder Eier nicht so gut verträgt. Aber genauso gut könnte es sein, dass der Zucker die Ursache ist. Der macht bei zu hohem Konsum nämlich häufig Probleme. Wahrscheinlich essen Sie gerade sehr wenig Zucker, weil Sie viel selbst kochen und Süßigkeiten wie Schokolade wegfallen.

Welche Ernährung empfehlen Sie denn Ihren Klienten?

Zunächst sollte jeder lernen, auf seinen Körper zu hören und einfach zu spüren, was ihm gut tut. Abgesehen davon empfehle ich eine gesunde Mischkost. Das bedeutet, viel Gemüse, wenig bis gar kein Fleisch, dafür aber Milchprodukte und Eier. Wer Fleisch essen möchte, sollte auf die Qualität achten und am besten Bio-Fleisch kaufen, schon alleine wegen der Haltungsbedingungen. Rotes Fleisch steht ja auch im Zusammenhang mit verschiedenen Krebsarten. Dieses Spiel kann man aber mit fast jedem Lebensmittel spielen – auch Soja steht in diesem Verdacht. Für mich ist wichtig, dass es ausgewogen ist. Extreme fallen einem meist irgendwann auf die Füße.