Nach Unterschrift bei Haas

«Alle Augen auf ihn»: Formel 1 hofft auf Schumacher-Schub

Mick Schumacher
Fährt ab der kommenden Saison regelmäßig in der Formel 1: Mick Schumacher. Foto: Sebastian Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Sakhir (dpa) - Mick Schumachers Sitzprobe im leeren Fahrerlager von Bahrain durfte die Formel 1 als Zeichen der Hoffnung deuten. Als Michael Schumachers Sohn zum ersten Mal in einen Haas-Rennwagen kletterte, wirkte die Zukunft der labilen Rennserie wieder etwas leuchtender.

«Großartig, Dich nächstes Jahr in der Meisterschaft zu haben», rief Weltverbandschef Jean Todt dem 21-Jährigen zu. Gebremst von den Folgen der Corona-Krise und im Dauerzwist um Reformen steuert die Königsklasse ungewissen Zeiten entgegen. Da ist die Rückkehr des legendären Namens Schumacher ein willkommener Schub.

Und so zeigt sich die Formel 1 vor dem vorletzten Saisonrennen in Sakhir am Sonntag (18.10 Uhr/RTL und Sky) gebührend elektrisiert von der baldigen Ankunft des Mick Schumacher. «Eines ist sicher: Alle Augen werden auf ihn gerichtet sein», verkündete die Rennserie auf ihrer Internetseite. Für das Haas-Team ist der Ferrari-Junior ein Hauptgewinn, der nicht nur viel Aufmerksamkeit, sondern wohl auch neue Sponsoren bringt.

Am Beispiel des US-Rennstalls zeigt sich, wie sehr das Geschäftsmodell der Formel 1 ins Wanken geraten ist. Als Klimasünder hat der Motorsport schon länger ein Image-Problem, Corona aber hat die Existenzfrage beschleunigt. Erst vor kurzem hatte Haas-Teamchef Günther Steiner offenbart, wie nah der Rennstall zuletzt vor der Pleite stand. «Es gab eine große Chance, dass wir nicht mehr hier gewesen wären», sagte Steiner.

Wie dringend Haas auf frisches Geld angewiesen ist, zeigt nicht zuletzt die Verpflichtung des eher mittelmäßig begabten Russen Nikita Mazepin als zweiten Stammfahrer. Dessen Vater ist Milliardär, die satte Mitgift für den 21-Jährigen überzeugte die Haas-Führung.

Privatteams wie Williams, Alfa Romeo und McLaren ächzen ähnlich unter den jüngsten Einnahme-Ausfällen. Eine lange umstrittene Budgetgrenze und technische Reformen sollen künftig immerhin für mehr Chancengleichheit und Wirtschaftlichkeit der Formel 1 sorgen. Doch reicht das angesichts der Krise der Autoindustrie und des Strategiewechsels vieler Hersteller? Der jüngst angekündigte Rückzug von Motorenbauer Honda Ende 2021 traf die Formel 1 hart und bringt die Rennställe Red Bull und Alpha Tauri in die Bredouille.

Im Autoland Deutschland zeigt sich die Krise des Motorsports besonders deutlich. Die Marke Volkswagen beendet jegliches Engagement im Motorsport. BMW und Audi zogen sich zwei Jahre nach Mercedes als letzte Hersteller aus dem Deutschen Tourenwagen Masters zurück, nur mit Mühe sicherte die DTM ihr Überleben. Auch die Formel 1 erlebte auf einem ihrer einstigen Kernmärkte einen heftigen Abschwung. Keine deutsche Rennstrecke will sich das PS-Spektakel im nächsten Jahr mehr leisten, der TV-Sender RTL steigt nach 30 Jahren aus.

Da ist der Aufstieg von Mick Schumacher ein höchst willkommener Stimmungsaufheller, zumal der Stern von Landsmann Sebastian Vettel zuletzt ziemlich gesunken ist. «Alle die diesen Sport mögen, sollen wirklich Hurra sagen, dass es hier in ganz schwierigen Zeiten auch eine unheimlich tolle, animierende Entwicklung und Botschaft gibt», sagte der frühere Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bei Sky.

Auf den schmalen Schultern von Mick Schumacher ruhen riesengroße Erwartungen. Spekuliert wird, dass der Jungpilot sogar schon in einer Woche in Abu Dhabi seinen ersten Grand Prix fährt, wenn Romain Grosjean nach seinem Feuer-Unfall nicht mehr ins Haas-Cockpit zurückkehren kann.

So mancher malt sich aus, wie der Schumacher-Sohn dann nach einer Lehrzeit bei Haas so wie einst der Papa in den Ferrari klettert, die Bestmarken von Lewis Hamilton angreift und auch in Deutschland einen neuen Formel-1-Boom auslöst. Mick Schumacher zeigt sich von dem ganzen Hype vorerst unbeeindruckt. «Ich kann mit diesem Druck umgehen, das wird hoffentlich in der Formel 1 nicht anders sein», sagte er. Den Beweis dafür kann er schon bald liefern.

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