Primera División

Barça feuert Trainer Setién - Was macht Messi?

Quique Setién
Der FC Barcelona hat sich nach dem 2:8-Debakel gegen den FC Bayern München von Trainer Quique Setién getrennt. Foto: Joan Monfort/AP/dpa © Joan Monfort

Barcelona (dpa) - Die Trennung von Trainer Quique Setién nach nur gut sieben Monaten ist besiegelt, beim krisengeschüttelten FC Barcelona wird es demnächst aber auch weitere - wohl auch namhafte - Abgänge geben.

«Der neue Trainer wird in den nächsten Tagen im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung des ersten Teams bekanntgegeben werden», teilte der spanische Club von Weltfußballer Lionel Messi und DFB-Nationaltorwart Marc-André ter Stegen mit. Im Klartext: Nach dem 2:8-Debakel gegen den FC Bayern im Viertelfinale der Champions League wird es bei den Katalanen spanischen Medienberichten zufolge eine echte «Säuberung» geben.

In einer der größten Krisen seiner Vereinsgeschichte beschäftigt die Blaugrana aber vor allem eine Frage: Was wird aus Lionel Messi? Die Spekulationen um einen möglichen Abschied des Superstars nehmen weiter Fahrt auf. Der 33-Jährige habe sich nach der Demütigung in Lissabon in die Pyrenäen verzogen, schrieb die argentinische Sportzeitung «Olé». Sie sinnierte darüber, ob der Argentinier Barça nach 20 Jahren den Rücken kehren solle. Für den Club wäre das ein «Erdbeben», schreibt das Fußball-Portal «Goal».

Beim Krisentreffen der Vereinsführung im Camp Nou wurde unterdessen nicht nur die Trennung von Setién einstimmig beschlossen. Auf der Tagesordnung stand auch die Debatte über den neuen Trainer. Als Favorit gilt nach spanischen Medienberichten der frühere Clubprofi und derzeitige niederländische Nationaltrainer Ronald Koeman. Der 57-Jährige hatte von 1989 bis 1995 für den FC Barcelona gespielt und war mit den Katalanen viermal spanischer Meister und 1992 Europapokalsieger geworden.

Zunächst war der frühere Tottenham-Coach Mauricio Pochettino als wahrscheinlicher Nachfolger von Setién gehandelt worden. Doch die Fans lehnten den Argentinier ab, weil er als Profi für den Stadtrivalen Espanyol Barcelona gekickt hatte und sich mehrfach sehr negativ zu Barça geäußert hatte, wie Medien berichteten.

Außerdem beschloss das Führungsgremium des Clubs im Camp Nou, die ursprünglich für Mitte 2021 geplante Präsidentenwahl vorzuziehen. Man werde nun den Clubboss am ersten Spieltag nach dem 15. März neu wählen, teilte der Club mit. Ob Präsident Josep Bartomeu für eine neue Amtszeit kandidieren wird, wurde vorerst aber nicht bekannt. Wie groß die Krise ist zeigte die Tatsache, dass sich trotz Corona-Beschränkungen acht der 14 Vorstandsmitglieder persönlich im Camp Nou trafen. Sechs zogen es vor, sich online zuzuschalten.

Der brasilianische Sender Esporte Interativo hatte vor dem Treffen berichtet, Messi habe dem Club seinen Wunsch nach einem Wechsel bereits mitgeteilt. Ein Vertrauter Messis wurde mit den Worten zitiert, er habe den Star noch nie so entschlossen zu einem Transfer gesehen. Der FC Barcelona betonte laut der Fachzeitung «Mundo Deportivo», er habe noch keine Kenntnis von dem angeblichen Wechselwunsch. So richtig überzeugend klang das Dementi aber nicht.

Der «Daily Mirror» schrieb, Manchester City wolle alles unternehmen, um Messi zu verpflichten. Unter dem heutigen City-Coach Pep Guardiola hatte Messi bei Barça seine glanzvollste Zeit. Der «Floh» empfinde tiefen Schmerz über die Demütigung durch die Bayern, schrieb «Goal». Er durchlaufe einen der schwierigsten Momente seiner Laufbahn. Viele Entscheidungen seit der Trennung vom Setién-Vorgänger Ernesto Valverde Anfang des Jahres hätten Messi missfallen. Er haben intern immer wieder gewarnt, dass die Ziele nicht erreicht werden könnten.

Für den FC Barcelona geht es bei der Frage nach der Zukunft von Messi aber auch um viel Geld. Der Topverdiener des finanziell schwer angeschlagenen Clubs hat noch einen Vertrag bis Ende Juni 2021. Jetzt wäre also die wohl letzte Möglichkeit für den Club, bei einem Transfer des Superstars noch eine hohe Ablösesumme zu erzielen.

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