Euroleague

Bayern-Basketballer trotz Aus stolz: «Etwas ganz Besonderes»

FC Bayern München
Nach einer ausgezeichneten Saison verpassen die Bayern knapp den Einzug in das Final-Four-Turnier. Foto: Degaspari/Ivan Mancini/-/dpa © Degaspari/Ivan Mancini

Mailand (dpa) - Als die Bayern-Basketballer am Mittwochmorgen die Heimreise antraten, hingen die Köpfe nicht mehr ganz so tief wie noch am Ende eines völlig irren Euroleague-Abends von Mailand. Und das mussten sie auch nicht.

Ein emotionales Sonderlob von Trainer Andrea Trinchieri, mächtig Stolz bei den Vereinsbossen und aufmunternde Worte von Fußballstar Thomas Müller: Trotz des Ausscheidens aus der Königsklasse nach einer der verrücktesten Schlussphasen der Europacup-Historie darf sich der Außenseiter auch wie ein Gewinner fühlen. «Diese Mannschaft war in ihrer Unvollkommenheit perfekt», sagte Coach Trinchieri. «Dieses Team ist etwas ganz Besonderes.»

Nach einer Saison mit etlichen Aufholjagden wäre dem Bundesligisten in Italien fast das Comeback des Jahres gelungen, das das Ticket bedeutet hätte für das Final-Four-Turnier Ende Mai in Köln. Weil aber ein Verzweiflungsdreier von Paul Zipser mit der Schlusssirene nicht den Weg in den Korb fand, besiegelte das 89:92 (40:50) gegen Olimpia Mailand das Ende der märchenhaften Bayern-Reise in Europa.

«Hut ab vor der Mannschaft», schwärmte Geschäftsführer Marko Pesic nach dem Aus in der Best-of-Five-Viertelfinalserie bei Magentasport und betonte voller Stolz: «Wir haben unseren Mann gestanden.» Für Vereinspräsident Herbert Hainer «wurden wirklich alle Erwartungen übertroffen. Diese begeisternde Euroleague-Reise war ein Meilenstein für unseren Verein». «Kopf hoch», twitterte Thomas Müller und bedankte sich für eine «fantastische» Saison und «brillante Spiele».

Tatsächlich hatten die Münchner, die im Sommer als eines der schwächsten der 18 Euroleague-Teams eingestuft worden waren, ganz Basketball-Europa verblüfft. Pesic zeigte sich dankbar, «diese Gefühle zu erleben». Das Erreichen der Playoffs war schon ein Coup - als Zugabe zwang die Trinchieri-Truppe dann noch die mit viel Geld und Stars aufgemotzten Mailänder in ein finales fünftes Spiel.

«Do or die» nennt man solche Partien im englischen Playoff-Jargon, «tu es oder stirb». Gegen teils famos aufspielende Italiener um den kaum zu stoppenden Ex-Frankfurter Shavon Shields (34 Punkte) sah es kurz vor Schluss dann nach einer deutlichen Niederlage aus. «Aber wir sind nicht gestorben, als wir hätten sollen», berichtete Trinchieri.

Was nämlich in den letzten 66 Sekunden passierte, hatten weder der Coach der Bayern noch sein erfahrenerer Kollege Ettore Messina vor der Mailänder Bank je miterlebt. Beim 79:91 sieht Bayern wie der sichere Verlierer aus. Dann überschlagen sich die Ereignisse: Dreier Vladimir Lucic (82:91), Ballverlust Mailand, Dunking Jalen Reynolds (84:91), verpasster Dreier Mailand, Dreier Reynolds (87:91), Ballverlust Mailand, Korbleger Wade Baldwin (89:91), Foul Mailand, Ballbesitz München, Block Mailand gegen Baldwin, Sprungball, Foul Bayern, Mailand verwandelt nur einen Freiwurf, letzter Angriff der Bayern, Zipser verpasst mit einem wilden Dreierversuch, 89:92, Ende.

«Das kann ich besser machen, da war ich zu hastig», räumte der Nationalspieler danach ein. In dem Augenblick stand auch Lucic frei, der zwar über 40 Minuten enttäuschte, aber immer ein Mann für die ganz besonderen Momente ist. Er wurde übersehen. «Uns hat ein klein bisschen die Erfahrung gefehlt», urteilte Coach Trinchieri.

Dem emotionalen Trainer war die Enttäuschung in seiner Geburtsstadt ebenso anzusehen wie der Stolz auf das Geleistete. «Wir haben eine unglaubliche Saison in der Euroleague gespielt. Wir haben die Latte in jeder Hinsicht höher gelegt.» Just weil sein Kader nicht so illuster besetzt sei wie etwa der von Olimpia, hätten sich ein Zusammenhalt und eine Identität entwickelt. Mailand-Coach Messina zollte Respekt einer «ausgezeichneten und gut zusammengestellten Mannschaft» der Bayern. «Sie hätten die Serie gewinnen können.»

Nach dem Abenteuer Euroleague ohne ganz großes Happy End wollen die Bayern nun trotzdem noch zweimal jubeln. In eineinhalb Wochen sind sie Gastgeber des zunächst wegen Corona verschobenen Pokal-Turniers. Danach stehen die Meister-Playoffs an. «Wir müssen das jetzt bald hinter uns lassen und auf das schauen, was noch alles vor uns liegt», sagte Reynolds. Dann sollen auch die Köpfen wieder ganz oben sein.

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