Champions-League-Finale

Bayern greifen nach dem Henkelpott

Abschlusstraining
Abschlusstraining der Bayern im Estadio da Luz. Foto: Manu Fernandez/Pool AP/dpa © Manu Fernandez

Lissabon (dpa) - Die Anspannung wächst. Im «Penha Longa Resort» außerhalb Lissabons laufen die letzten Vorbereitungen des FC Bayern München für das Fußballspiel des Jahres.

Um 21.00 Uhr deutscher Zeit wird heute der Italiener Daniele Orsato in Lissabon im Estádio da Luz das 28. Champions-League-Finale zwischen dem deutschen Fußball-Meister und Frankreichs Champion Paris Saint-Germain anpfeifen. Es wird ein Endspiel, das schon allein wegen der besonderen Rahmenbedingungen in der Corona-Krise ohne Fans auf den Rängen einzigartig sein wird.

Bayerns Finalexperte Thomas Müller gibt seinen Kollegen wertvolle Tipp zur mentalen Herangehensweise. «Wir dürfen nicht zögern und dürfen die Wichtigkeit dieses Spiels gar nicht zu sehr in unseren Kopf lassen. Die Anspannung muss man komplett in Freude ummünzen. Das ist mein Wort zum Sonntag», sagte der 30 Jahre alte Angreifer, der nach den Niederlagen 2010 und 2012 sowie dem Triumph 2013 in Portugal sein viertes Finale bestreitet. «Die Chance, die man jetzt hat, muss man nutzen. Deshalb müssen wir voll da sein», erklärte Müller.

AUFSTELLUNGS-POKER: Bayerns Hansi Flick und PSG-Kontrahent Thomas Tuchel müssen knifflige Personalentscheidungen treffen. Ist Jérôme Boateng nach muskulären Problemen wirklich wieder topfit? Und traut Flick Frankreichs Weltmeister Benjamin Pavard zu, nach seiner Fußverletzung die Bewachung von PSG-Star Neymar zu übernehmen? «Ich bin nicht davon überzeugt, dass er zu hundert Prozent fit ist», sagte Flick. Taktik? Ablenkung? Die Antwort gibt es erst am Abend.

Offen ließ der Bayern-Coach auch, ob er auf der linken Angriffsseite erneut auf Ivan Perisic setzt. «Wir haben das dritte Spiel in einer Woche und müssen beachten, wie es mit der Kraft aussieht», sagte Flick. Kommt also Kingsley Comen? PSG-Coach Thomas Tuchel grübelt ebenfalls über zwei mögliche Veränderungen. Keylor Navas, dreimaliger Champions-League-Sieger mit Real Madrid, könnte nach einer Verletzung ins Tor zurückkehren. Der ebenfalls zuletzt angeschlagene Marco Verratti ist eine Option fürs Mittelfeld. Allerdings sagte Tuchel am Samstagabend: «Ein Finale ist kein Spiel für große Veränderungen.»

TORREKORD: Zwei Tage nach seinem 32. Geburtstag möchte Robert Lewandowski ein doppeltes Triple bejubeln. Mit dem Verein winkt nach Meisterschaft und DFB-Pokalsieg der Champions-League-Titel, der ihm in seiner Laufbahn noch fehlt. 2013 verlor der Pole noch im Trikot von Borussia Dortmund das deutsche Finale in Wembley mit 1:2 gegen den FC Bayern. Alle drei Wettbewerbe könnte Lewandowski als bester Torschütze abschließen. Nach Bundesliga (34 Treffer) und DFB-Pokal (6 Tore) führt er auch das Königsklassen-Ranking mit 15 Toren praktisch uneinholbar an. Den Saisonrekord von Superstar Cristiano Ronaldo (17 Tore) könnte Lewandowski mit einem Sahnetag gegen PSG packen.

LÖW DRÜCKT DAUMEN: Joachim Löw (60) verhehlt nicht, wem er vor dem Fernseher besonders die Daumen drückt. «Dass meine Freude im Falle des Champions-League-Sieges der Bayern für Hansi Flick besonders groß ausfallen würde, wird mir Thomas Tuchel aufgrund meines speziellen und freundschaftlichen Verhältnisses zu Hansi sicher nachsehen», sagte der Bundestrainer. Aus verständlichen Gründen: Flick (55) war von 2006 bis zum WM-Triumph 2014 Löws Assistent bei der deutschen Nationalmannschaft. «Alles andere, als dass er die Daumen für mich drückt, hätte mich schon etwas sauer gemacht», scherzte Flick am Samstagabend in Lissabon. Die Chancen im Finale zwischen Bayern und PSG taxierte Löw übrigens auf 50:50.

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