Nationalmkannschaft

Bierhoffs Plädoyer für Länderspiele

Bierhoff und Curtius
Liegen beim Bau der DFB-Akademie im Plan: DFB-Direktor Oliver Bierhoff (l) und Generalsekretär Friedrich Curtius. Foto: Arne Dedert/dpa © Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - Zufrieden zückte der schwarz maskierte Oliver Bierhoff sein Smartphone und dokumentierte per Foto den Fortschritt beim Multi-Millionen-Projekt DFB-Akademie.

Auf der Baustelle im Frankfurter Stadtteil Niederrad deutet nach bisher reibungslosem Ablauf alles auf den planmäßigen Einzug Ende 2021 hin, der frühere Torjäger und heutige DFB-Direktor hat aber schon wieder neue Sorgen: Mit großer Leidenschaft verteidigt Bierhoff die zahlreichen Zeitfenster, die der Nationalmannschaft im vollgepackten Fußball-Herbst eingeräumt werden - und die Vereine lautstark kritisieren.

«Fakt ist: Wir haben den Spielplan, der von der UEFA festgelegt wird. Dazu sind wir nicht nur verpflichtet, die Spiele machen wir auch gerne», sagte Bierhoff bei einer Baustellenbegehung. Für die A-Nationalmannschaft von Bundestrainer Joachim Löw sei der Start der Nations League im September enorm wichtig, wie Bierhoff erklärte. Man kenne die Bedenken der Vereine, «wobei sie besonders bei Bayern München sehr groß sind», sagte er. Der derzeitige Terminkalender sieht nach den Finalturnieren von Champions League und Europa League im August gleich im September wieder Länderspiele vor.

«Wir wollen alle eine erfolgreiche EM. So etwas wie bei der WM wollen wir alle nicht wieder erleben. Jogi Löw muss da jetzt eine sehr junge Mannschaft zusammenformen. Wir verfolgen da schon klar unser Ziel», bekräftigte Bierhoff mit Blick auf die Nations League, bei dem der Weltmeister von 2014 auf Spanien, die Schweiz und die Ukraine trifft. Das bislang letzte Länderspiel wird nach Corona-Ausbruch und abgesagter EM 2020 dann knapp zehn Monate zurückliegen. Dadurch fehlen nicht nur Einspielmöglichkeiten für das junge Löw-Team, sondern auch wichtige Gelder für den Verband.

Wie die Spiele gegen Spanien (wohl in Stuttgart) und in der Schweiz dann ablaufen sollen, ist derzeit noch offen. «Für uns in den Planungen ist es schwer, weil wir eine unsichere Situation haben. Wir gehen jetzt davon aus, dass keine Zuschauer zugelassen sind», sagte Bierhoff.

Beim fortschreitenden Bau der Akademie hat Corona bislang deutlich weniger Schaden angerichtet als im Spielbetrieb, der zwischenzeitlich komplett stillstand. «Insofern belastet es - sage ich Stand heute - diesen Neubau weder in der Umsetzung noch in der Geschwindigkeit. Stand heute bin ich absolut zuversichtlich», sagte Generalsekretär Friedrich Curtius. Bis heute gab es noch keinen Corona-Fall auf der Baustelle, wie der Generalübernehmer berichtete.

Das auf 150 Millionen Euro taxierte Bauprojekt, das rund um den Jahreswechsel 2021/22 zur neuen Heimat des DFB werden soll, könnte bei der Heim-EM 2024 auch zum Quartier des deutschen Nationalteams avancieren. «Klar gibt es dafür Überlegungen und die Idee. Aber jetzt wollen wir erstmal, dass das Gebäude fertig wird und wir eine gute EM spielen. Natürlich ist das auch eine Option, auf jeden Fall», sagte Curtius. Das aktuelle DFB-Gelände in der Otto-Fleck-Schneise könne dann von der UEFA als Turnierzentrale genutzt werden, wie Curtius andeutete.

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