Sandplatz-Turnier

«Bin geschockt»: Tennis-Talent Lys überrascht in Stuttgart

Eva Lys
Eva Lys in Aktion. © Tom Weller

Stuttgart (dpa/lsw) - Wie ungewohnt dieser Moment für Eva Lys war und wie viel er ihr bedeutet, wurde klar, als ihre große Tennis-Überraschung in Stuttgart perfekt war. Nach ihrem erfolgreichen Debüt im Hauptfeld eines WTA-Turniers ging die 20-Jährige in die Knie, hielt sich die Hände vors Gesicht. «Ich bin so geschockt, ich höre gar nichts mehr», war dann ihre erste Antwort am Mikrofon auf dem Centre Court. Etwas mehr als drei Stunden hatte die Qualifikantin vom Hamburger Club an der Alster gekämpft, ehe das 5:7, 7:5, 7:5 gegen die rund 300 Weltranglistenplätze vor ihr notierte Schweizerin Viktorija Golubic perfekt war.

Für die Qualifikation hatte Lys eine Wildcard gebraucht, nun fordert sie im Achtelfinale die Weltranglisten-Erste Iga Swiatek aus Polen heraus. «Ich kann nicht in Worte fassen, wie sehr ich mich auf das Match freue. Das ist für mich ein Moment zu sehen, wo ich mit meinem Tennis stehe», sagte die deutsche Meisterin, die von Platz 342 in der Weltrangliste einen ordentlichen Sprung nach vorn machen dürfte.

Tennis ist für sie momentan auch eine Ablenkung vom Angriff Russlands auf die Ukraine. Lys wurde in Kiew geboren, ehe sie als kleines Kind mit ihren Eltern nach Deutschland kam. Noch heute leben Verwandte von ihr in der ukrainischen Hauptstadt. Vor einigen Wochen hatte sie ihre Meinung zum Verhalten russischer Profis bei Turnieren kund getan und dies teilweise als «respektlos» kritisiert.

Ihre Erfahrungen hat Lys bisher auf kleineren Turnieren gesammelt. Ein solch großes Turnier wie nun in Stuttgart hatte sie noch nie gespielt. Dennoch trat Lys gegen Golubic unerschrocken auf. Mit ihrer druckvollen Vorhand ließ sie die Weltranglisten-38. laufen. Dass sie im ersten Satz ein 4:1 und 5:3 wieder verspielte, dass sie im entscheidenden Durchgang nach einem 4:2 plötzlich wieder zurücklag - davon ließ sie sich nicht von ihrem Weg abbringen.

«Ich weiß, dass zu jedem Match auf jeden Fall sehr schwere Situationen dazu gehören. Da hat mir leider im ersten Satz der Fokus bei den wichtigen Punkten gefehlt. Aber es macht für mich wirklich nicht viel Sinn sich über diese Punkte aufzuregen», sagte Lys, «sondern einfach weiterzuspielen und jede Chance nutzen, die mir gegeben wird.» Sie habe gespürt, dass sie manchmal defensiv geworden sei, was nicht ihr Spiel sei. «Deswegen habe ich immer versucht, in den Platz wieder reinzugehen und mein Ding durchzuziehen.»

Der Dienstag stand beim hochklassig besetzten Hallen-Turnier im Zeichen der deutschen Talente. Auch die Erstrundenpartien von Qualifikantin Nastasja Schunk und Wildcard-Inhaberin Jule Niemeier waren angesetzt. Wie Lys startete zudem Tamara Korpatsch mit ihrem 3:6, 7:6 (7:2), 6:1 gegen die Italienerin Camila Giorgi erfolgreich. Die deutsche Nummer eins Angelique Kerber und Laura Siegemund waren noch spielfrei.