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Coup gegen Shapovalov: Otte ist deutsche Tennis-Hoffnung

Oscar Otte
Tennisprofi Oscar Otte schlägt einen Ball. © Bernd Weißbrod

Stuttgart (dpa/lsw) - An solche Siege und die Rolle als deutscher Hoffnungsträger Nummer eins muss sich Oscar Otte erst noch gewöhnen. «Mega happy» war der Kölner Tennisprofi nach seinem überraschenden Achtelfinal-Erfolg über den an Position vier gesetzten Kanadier Denis Shapovalov beim ATP-Rasenevent in Stuttgart. Mit 7:6 (8:6), 7:6 (7:4) bezwang er den letztjährigen Wimbledon-Halbfinalisten am Donnerstag - ein echtes sportliches Ausrufezeichen. Im Viertelfinale am Freitag trifft Otte auf den Franzosen Benjamin Bonzi. Vom Papier her ist es ein Duell auf Augenhöhe. Doch Otte hofft auf den nächsten Heim-Coup.

«Das war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung», sagte der 28-Jährige nach seinem Sieg gegen Shapovalov. Beim Sandplatzturnier in München hatte er Ende April ebenfalls überzeugt und erstmals ein Halbfinale auf der ATP-Tour erreicht. So einen großen Namen wie Shapovalov, der schon Zehnter der Weltrangliste war und aktuell die Nummer 16 des Rankings ist, hatte Otte aber noch nie geschlagen. «Das sind genau die letzten Prozente, die noch fehlen: gegen die Top-Jungs die Siege nach Hause zu holen», betonte der 61. der Weltrangliste.

Jahrelang bestritt Otte nur Challenger- oder Future-Turniere, erst im Oktober 2018 feierte er den ersten Sieg auf der ATP-Tour. Bei den US Open kam er vergangenes Jahr überraschend ins Achtelfinale. Nun, in Abwesenheit des verletzten Olympiasiegers Alexander Zverev, ist er plötzlich die größte Hoffnung im deutschen Herren-Tennis. «Das hört sich für mich vollkommen krank an. Wenn mir das vor zehn Jahren einer gesagt hätte, hätte ich gefragt: Alter, was ist mit dir los?», sagte Otte. «Aber in dieser Rolle zu sein, ist unglaublich und pusht mich noch extrem mehr.» Der 1,93-Meter-Mann sieht noch Luft nach oben.

Neben Zverev, der infolge einer Fuß-Operation nun erstmal ausfällt, liegt in der Weltrangliste aktuell Daniel Altmaier als einziger Deutscher noch knapp vor Otte. Den Kempener hatte er zum Auftakt in Stuttgart besiegt. Am Donnerstag verabschiedete sich der Warsteiner Jan-Lennard Struff durch ein 6:7 (2:7), 6:7 (4:7) gegen den Italiener Lorenzo Sonego als letzter verbliebener Landsmann aus dem Einzelfeld auf dem Weissenhof. Dort sind alle Augen nun auf Otte gerichtet.

Womöglich auch die des dreimaligen Grand-Slam-Siegers Andy Murray, der in der Spitzenpaarung am Freitag den topgesetzten Griechen Stefanos Tsitsipas fordert. Der Brite hatte Otte beim Handschlag nach dem spektakulären Zweitrunden-Duell in Wimbledon vergangenes Jahr gesagt, er solle - trotz der Niederlage - so weitermachen. «Der Satz ist auf jeden Fall hängen geblieben», erzählte der Deutsche. «Es hat mir sehr viel bedeutet, von so einer Ikone im Tennissport so etwas zu hören.» Er sei froh über das, was er seitdem erreicht habe, betonte Otte. Doch er will noch mehr. Als nächstes das zweite Halbfinale bei einem ATP-Turnier auf deutschem Boden nacheinander.