Basketball-Euroleague

«Der bedeutendste Moment» der Karriere: Pleiß zurück in Köln

Tibor Pleiß
Steht mit Anadolu Efes Istanbul im Final Four der Euroleague: Tibor Pleiß (r). Foto: Andreas Gora/dpa/Archiv © Andreas Gora

Köln (dpa) - Tibor Pleiß hat in seiner Basketball-Karriere schon einiges erreicht: Dreifacher Double-Gewinner mit Bamberg, türkischer Meister mit Istanbul, zwölf NBA-Spiele für die Utah Jazz.

Und doch muss der 31 Jahre alte Center nicht lange überlegen, welchen Stellenwert das Final Four der Euroleague in seiner Heimatstadt Köln an diesem Wochenende für ihn hat. «Das ist der bedeutendste Moment in meiner bisherigen Karriere», sagte Pleiß vor dem Final-Turnier der europäischen Königsklasse.

«Wenn ich mir den Traum da erfüllen könnte, wo ich das erste Mal auf den Korb geworfen und später meine Profikarriere begonnen habe - das wäre schon etwas ganz Besonderes», sagte Pleiß, der zwar in Bergisch Gladbach geboren wurde, aber dort nur zwei Tage im Krankenhause verbracht hat. «Ich bin Kölner», stellte Pleiß noch einmal klar.

Pleiß war mit dem Coronavirus infiziert

Schon im vergangenen Jahr hätte das Event mit den vier besten Teams Europas in Köln stattfinden sollen. Doch wegen der Corona-Krise musste die Euroleague ihre Saison wie so viele andere Sportligen auch abbrechen. Pleiß, der sich im November mit dem Virus infizierte, und sein Istanbuler Team von Anadolu Efes konnten sich auf einmal nichts mehr dafür kaufen, dass sie die Saison bis zu diesem Zeitpunkt klar dominiert hatten. «Da dachte ich schon, mein Traum wäre aus», sagte Pleiß.

Doch in dieser Saison nimmt das Team von Starcoach Ergin Ataman einen neuen Anlauf. Im Halbfinale treffen Pleiß und Co. auf ZSKA Moskau, wo mit Johannes Voigtmann ebenfalls ein deutscher Nationalspieler unter Vertrag steht. Das zweite Halbfinale bestreiten der FC Barcelona und Bayern-Bezwinger Mailand. «Es wird ein spannendes Turnier, aber für uns zählt nur eins: der Titel», sagte Pleiß.

Keine Zuschauer in Köln

Kurz vor der Abreise in die Domstadt sicherte sich Pleiß mit Anadolu Efes noch schnell den Einzug ins Finale der türkischen Liga, jetzt gilt aller Fokus dem Duell mit ZSKA. Doch bei aller Konzentration auf das Sportliche hofft Pleiß, dass er in der Heimat auch ein bisschen Zeit für Freunde und Familie hat - und sei es nur bei einem Spaziergang am Rheinufer. Denn in der Lanxess Arena werden am Freitag und beim Endspiel am Sonntag wegen der Pandemie keine Zuschauer zugelassen. «Klar ist das schade», sagte Pleiß. «Dennoch bleibt es etwas Besonderes, weil es eben in Köln stattfindet.»

Doch selbst in seiner Heimatstadt wird sich der 2,18-Meter-Riese, sofern es die strengen Hygiene- und Sicherheitsregeln der Euroleague zulassen, weitgehend unbemerkt bewegen können. Seit neun Jahren spielt Pleiß nun schon im Ausland, nach Stationen in Spanien und den USA nun eben in der Türkei. Dass er der deutsche Basketballer mit den meisten Euroleague-Einsätzen ist, weiß in Deutschland kaum jemand. «Ein bisschen mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit würde ich mir schon wünschen», gibt Pleiß zu. Aber es ist nichts, was ihm schlaflose Nächte bereitet.

Seit 2016 nicht mehr im DBB-Kader

Dass Pleiß in Deutschland unter dem Radar läuft liegt auch daran, dass er nach einem Zerwürfnis mit dem Verband seit Sommer 2016 nicht mehr für die Nationalmannschaft berufen wurde. Damals hatte er die DBB-Auswahl mitten in der EM-Qualifikation verlassen, weil er sich für einen neuen NBA-Vertrag empfehlen wollte.

Doch das ist abgehakt, Nationalcoach Henrik Rödl steht in Kontakt mit Pleiß. «Tibor spielt jetzt schon so viele Jahre auf internationalem Topniveau, natürlich ist er ein Kandidat», sagte Rödl mit Blick auf das deutsche Team für das Olympia-Qualifikationsturnier in Split in diesem Sommer.

Und im kommenden Jahr steht mit der Europameisterschaft das nächste Highlight an. Die Vorrunde bestreitet Deutschland in Köln, an dem Ort, an dem für Pleiß alles begann. «Natürlich habe ich das im Kopf», sagte er. Doch erst einmal geht es für ihn um die europäische Basketball-Krone - im bedeutendsten Moment seiner Karriere.

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