Abschaffung des Reitens

Der Moderne Fünfkampf und seine knifflige Zukunft

Vor dem Aus
Das Reiten als Teil des Modernen Fünfkampfs steht vor dem Aus. Foto: Marijan Murat/dpa © Marijan Murat

Frankfurt/Main (dpa) - Trotz der Abschaffung des Reitens nach den  Spielen 2024 in Paris kämpft der Moderne Fünfkampf weiter um seine Olympia-Zukunft. 

Doch statt schnell Klarheit über einen Nachfolger für das seit den Tokio-Spielen umstrittene Springreiten zu schaffen, hat die Union Internationale de Pentathlon Moderne (UIPM) ein kompliziertes Verfahren eingeleitet, um einen geeigneten Ersatz zu finden.

Zunächst sollte nach mehreren Medienberichten der Radsport folgen, doch über den Ersatz ist noch gar nicht entschieden. Mehrere Kriterien sind laut Weltverbandsmitteilung aufgestellt worden, darunter die von Erfinder Baron Pierre de Coubertin formulierte Anforderung «des vollkommenen Athleten».

Spott für UIPM-Entscheidung

In internationalen Medien gab es direkt Spott, vor allem für die  Abschaffung der Traditionsdisziplin. «Was auch immer an die Stelle des Reitens treten wird, es wird kein Moderner Fünfkampf mehr sein», schrieb die ungarische Tageszeitung «Nepszava» in einem Kommentar. Das Blatt höhnte zudem, man könne auch gleich Skat oder Poker aufnehmen, wenn es ausschließlich um Umweltschutz und den Komfort der Sportler gehe. «Es wäre ein kosteneffizienter Wettbewerb, ein Saal, ein paar Tische und Stühle würden ausreichen», hieß es in der Zeitung.

Der internationale Verband hatte mit seiner Entscheidung auch auf die Vorfälle in Tokio und die folgende Kritik reagiert. Dort hatte die Deutsche Annika Schleu für großes Aufsehen gesorgt. Die damals Führende im Zwischenklassement war mit dem ihr zugelosten und völlig verunsicherten Pferd nicht zurechtgekommen, hatte verzweifelt Gerte und Sporen eingesetzt. Schleu und Bundestrainerin Kim Raisner waren heftig kritisiert und mit Vorwürfen der Tierquälerei konfrontiert worden. Trotzdem wollte UIPM-Präsident Klaus Schormann am Reiten festhalten.

«Wir müssen flexibel sein»

An die Athleten schrieb der Verband nun angesichts des Kehrtwende: «Wir müssen flexibel sein und uns wieder einmal auf Veränderungen einstellen.» Es geht für die auf größtmöglicher Bühne bloßgestellte Sportart auch darum, sich selbst im Olympia-Programm zu halten. Der Ersatz für das Reiten soll erstmals bei den Spielen 2028 in Los Angeles zum Einsatz kommen.

Der UIPM-Präsident unterstrich, dass Radsport eher nicht als Ersatzdisziplin in Frage komme. «Wir haben unsere Ideen, werden damit aber noch nicht an die Öffentlichkeit gehen, sondern in Arbeitsgruppen sorgfältig planen und beraten», sagte Schormann den Tageszeitungen der Verlagsgruppe Rhein-Main. Dieser Prozess werde bis Ende 2022 dauern, weil auch in der Praxis getestet werden müsse, ob die Sportart in das Wettkampfformat passe.

Auch seien die Maßnahmen laut Schormann keine Reaktion auf das Olympia-Drama um Annika Schleu. «Wir haben schon 2016 diesen Gedanken aufgenommen, als wir eine Innovations-Kommision zur Modernisierung des Fünfkampfs gründeten», sagte er. Die neue Disziplin müsse auch in das in Tokio erstmals praktizierte Konzept passen, den ganzen Wettkampf in einem Stadion zu präsentieren.

Der Moderne Fünfkampf kämpft schon länger ums olympische Überleben und musste dafür sein Reglement immer wieder ändern. Der kombinierte Wettkampf aus Laufen und Schießen mit einer Laserpistole - wie es ihn in Rio und Tokio gab - ist so eine Konzession und gab es zu Coubertins Zeiten nicht. Und auch das Reglement für die Spiele 2024 in Paris ist neu und auf 90 Minuten komprimiert - allerdings ein letztes Mal mit dem umstrittenen Reiten.

«In den letzten Jahrzehnten hat sich unser Sport immer wieder weiterentwickelt, um den veränderten Erwartungen der modernen Welt gerecht zu werden», kommentierte Schormann. Kurz nach den Spielen hatte der Funktionär das umstrittene Springreiten noch als «integralen Bestandteil des Modernen Fünfkampfs» bezeichnet.

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