Leichtathletik Rems-Murr

Der Welzheimer Paralympics-Sieger Niko Kappel trainiert im Keller

Kappel2
Gut für die Wand: Die Kugel ist zwar drei Kilo schwer, aber nur aus Gummi. Im Hintergrund: Eingepackte Winterreifen. © Niko Kappel

Der kleinwüchsige Niko Kappel ist ein Meister darin, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen. Wochenlang ist wegen Corona kein Training im Stuttgarter Bundesstützpunkt des Leichtathletik-Verbandes möglich gewesen. Also schritt, nein, fuhr der Weltmeister von 2017 selbst zur Tat. Insgesamt stolze 400 Kilo an Gewichten und Geräten kutschierte er mit dem Auto nach Welzheim.

Nach fünf Stunden ist der Keller leer

Vor der Aktion hatte Kappel aber erst mal den Keller auf Vordermann gebracht. „Jeder kennt das: Da landet alles, was man nicht braucht. Es ist eine Lebensaufgabe, den aufzuräumen.“ Weil der 25-Jährige aber nun mal beschlossen hatte, aus dem Raum eine amtliche Muckibude zu machen, spuckte er in die Hände und legte los. Vielleicht sollte der Kugelstoß-Paralympics-Sieger jetzt auf professioneller Entrümpler umsatteln: „Nach nur fünf Stunden waren der Keller leer und die Autoreifen und so weiter sauber aufgeräumt. Dann bin ich mit einem Anhänger voll Zeugs zum Müllplatz gefahren.“ Jetzt fehlten nur noch die Geräte fürs kappeleigene Studio.

Der Welzheimer fackelte nicht lange: „Ich hab’ beim Fitnessmarkt Künzler in Winterbach angerufen und gefragt: ,Was hast Du denn so da an Hanteln und Gewichten?‘ Und dann: ,Okay, in zehn Minuten bin ich da und hol’ alles ab!‘“ Hantelstangen mit 50 Millimetern Durchmesser, eine Hantelbank, Kurzhanteln und vor allem: Gewichte, Gewichte, Gewichte. Zusammen seien das schon rund 300 Kilogramm gewesen, mutmaßt Kappel. „Ich glaub’ ich hab etwas Mengenrabatt bekommen.“ Einiges, wie ein Rack zum Ablegen der Hanteln, besorgte der Kugelstoßer noch bei seinem Trainer Peter Salzer, insgesamt wurden rund 400 Kilo Eisen nach Welzheim gekarrt. „In meinem Fünfsitzer-Auto war das wohl schon nahe an der Maximallast ...“ Zu Hause angekommen, galt es dann, den ganzen Krempel in den Keller zu wuchten. „Und ratzfatz war ein Gym eingerichtet. Das hätte ich selbst nicht gedacht.“

Der Aufwand hat sich gelohnt

Der Aufwand habe sich gelohnt, sagt Kappel. Wochenlang trainierte er vor allem in dem Raum, den er höchstpersönlich („Ich war richtig stolz auf mich!“) sogar mit Gummimatten ausgelegt hatte. Selbst Kugelstoßen war dort möglich. Zum Glück für Wand und Nerven besitzt Niko Kappel nämlich noch eine drei Kilogramm schwere Gummikugel aus seiner Zeit als Jugendsportler. Natürlich sei im Keller keine vollständige Drehung möglich, sagt der Athlet schmunzelnd. Um ein paar technische Feinheiten habe er sich aber durchaus kümmern können.

Die Übungen zu Hause haben laut Kappel „voll eingeschlagen“. Er sei gut durch die Krise gekommen und habe sich sogar weiterentwickelt. Inzwischen wird in Kleingruppen wieder am Bundesstützpunkt des Leichtathletik-Verbandes in Stuttgart trainiert. Jedoch: Wann wieder Wettkämpfe möglich sein werden, kann derzeit niemand sagen. Das ist schon deshalb hart für Kappel, weil er sich als Profisportler vor allem übers Sponsoring finanziert. Trotz Corona sei aber noch kein Partner abgesprungen. „Dafür bin ich sehr dankbar. Mir kommt zugute, dass die meisten aus der Region sind und wir uns lange und gut kennen.“

Der Athlet will seine Goldmedaille bei den Paralympics verteidigen

Kappel ist sich jedoch auch bewusst, dass Sponsoren Unternehmer sind. Geraten sie coronabedingt in Schwierigkeiten, könnte die Unterstützung für den Athleten bröckeln. Dafür hätte er dann vollstes Verständnis, sagt Kappel. „Aber ich hoffe einfach, dass wir gemeinsam in Richtung der Paralympics in Tokio gehen können.“ Dort will er seinen Titel verteidigen.

Wie die Olympischen Spiele sind auch die Paralympics um ein Jahr auf Sommer 2021 verschoben worden. Doch werden sie wirklich stattfinden? „Ja! Ich sage das sehr deutlich – aber auch mit Hoffnung auf die Politik und Medizin der ganzen Welt. Länder, die Corona überstanden haben, müssen anderen helfen.“ Sollte es aber nicht gelingen, das Virus bis Juli 2021 in den Griff zu bekommen, „haben wir andere Probleme als die Paralympics. Dann brennt wirtschaftlich der Baum.“

Der kleinwüchsige Niko Kappel ist ein Meister darin, das Beste aus einer schwierigen Situation zu machen. Wochenlang ist wegen Corona kein Training im Stuttgarter Bundesstützpunkt des Leichtathletik-Verbandes möglich gewesen. Also schritt, nein, fuhr der Weltmeister von 2017 selbst zur Tat. Insgesamt stolze 400 Kilo an Gewichten und Geräten kutschierte er mit dem Auto nach Welzheim.

Nach fünf Stunden ist der Keller leer

Vor der Aktion hatte Kappel aber erst mal den Keller auf

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper