Nach Vertrauensverlust

DFB-Krise: Curtius weg - Ullrich zunächst Nachfolgerin

Friedrich Curtius
Verlässt den DFB: Der bisherige Generalsekretär Friedrich Curtius. Foto: Alex Grimm/Getty Images Europe/DFB/dpa © Alex Grimm

Frankfurt/Main (dpa) - Beim krisengeplagten DFB ist der nächste Chef-Stuhl geräumt. In Generalsekretär Friedrich Curtius beendete der höchste hauptamtliche Manager seine Arbeit in der Zentrale in Frankfurt am Main.

Der 45-Jährige und der Verband einigten sich auf eine Vertragsauflösung, wie der Deutsche Fußball-Bund mitteilte. Curtius hatte zuvor angekündigt, nach einem Rücktritt von Präsident Fritz Keller den Weg für einen Neuanfang ebenfalls frei zu machen. Es dürfte nicht der letzte unrühmliche Abgang eines Spitzenfunktionärs in der Otto-Fleck-Schneise sein.

Rainer Koch, der mit Peter Peters den Verband derzeit interimsmäßig anführt, und Schatzmeister Stephan Osnabrügge wollen auf dem nächsten DFB-Bundestag 2022 nicht zur Wiederwahl antreten. Am Dienstag präsentierte sich das Trio noch als breit lächelnde Staffage für ein vom Verband verbreitetes Foto mit Hansi Flick bei dessen Vertragsunterzeichnung als neuer Bundestrainer.

Vertrauen in Curtius war nicht mehr da

Für Koch und Co. war es nur ein kurzer Moment der Entspannung und ausnahmsweise eine erfreuliche Vollzugsmeldung inmitten von turbulenten Zeiten. Auf die Auflösung des Kontrakts mit Curtius nach über fünf Jahren als Generalsekretär habe man sich einvernehmlich geeinigt, so der DFB. Ihm war im Führungsstreit das Vertrauen der Regional- und Landesverbandschefs entzogen worden.

«Dieser umsichtige Schritt dient dem auch von Dr. Curtius gewünschten Neuanfang an der Spitze des DFB. Das DFB-Präsidium dankt Friedrich Curtius für die in der Vergangenheit für den DFB und den deutschen Fußball geleisteten Dienste», heißt es in der Mitteilung weiter.

Über Monate tobte zwischen Curtius und Verbandsboss Keller ein Führungsstreit. Der 64 Jahre alte Freiburger war nach einem Nazi-Vergleich in einer Präsidiumssitzung und einigem Zögern am 11. Mai zurückgetreten. Er hatte seinen Vize Koch als «Freisler» bezeichnet und so nach dessen Empfinden mit Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volksgerichtshofes im Nationalsozialismus, gleichgesetzt.

Heike Ullrich übernimmt kommissarisch

Curtius' Abschied ist gleichzeitig ein erster kleiner Schritt in eine Richtung, die mittlerweile immer mehr vehement fordern - dass mehr Frauen in verantwortliche Positionen beim DFB kommen: Sein Amt übernimmt die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich «vorübergehend kommissarisch», wie es hieß.

Im DFB-Präsidium sitzt seit vielen Jahren Hannelore Ratzeburg als einzige Frau. Spätestens seit dem öffentlichkeitswirksamen Auftreten der Initiative «Fußball kann mehr» um Managerin Katja Kraus, Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb und Nationaltorhüterin Almuth Schult werden auch mögliche Nachfolgerinnen für Keller gehandelt. Neun Frauen hatten unter anderem eine Quote für Fußballverbände von mindestens 30 Prozent Frauen in Führungspositionen gefordert.

Amateursportvertreterin Ute Groth knüpft derweil eine erneute Bewerbung um die Präsidentschaft an einen völligen personellen Neuanfang. «Ich kandidiere für diesen Posten nur, wenn es ein komplett neues Team gibt. Es hat keiner Lust, in dieses Wespennest einzutreten. Es muss erst mal alles aufgeräumt und bereinigt werden», sagte die Vorsitzende des Düsseldorfer Vereins DJK Tusa 06 dem Internetportal «Sportbuzzer». Groth hatte sich bereits 2019 um den Spitzenposten beim DFB beworben, war aber nicht zur Wahl zugelassen worden. Damals rückte Keller auf den Chefposten.

Reform-Initiative fordert schnellen DFB-Bundestag

Indes fordert die Initiative um Kraus fordert die schnellstmögliche Einberufung eines Außerordentlichen Bundestags. Ein entsprechendes Schreiben ging der «Bild»-Zeitung zufolge an das DFB-Präsidium, die Deutsche Fußball Liga und die Regional- und Landesverbände. Gefordert wird demnach die Einleitung einer Strukturreform und auch, dass der DFB-Präsidialausschuss wegen der tiefen Führungskrise zu diesem Zweck bis zum Ordentlichen Bundestag Anfang 2022 neu besetzt wird.

«Wir haben immer gesagt, dass Veränderungen nicht von den Menschen gestaltet werden können, die in der Vergangenheit Probleme verursacht haben», sagte Kraus der Deutschen Presse-Agentur.

© dpa-infocom, dpa:210526-99-745801/5