Fußball im Rems-Murr-Kreis

Die Super League ist gescheitert - sehr zur Freude der Rems-Murr-Fußballer

Fans against Super League - Chelsea - Stamford Bridge
In England sind die Fans auf die Straße gegangen gegen die Pläne für eine Super League und haben sich durchgesetzt. Auch die Rems-Murr-Fußballer halten nichts von dem Plan, der nur wenige Tage überlebte. © Paul Terry

In der Nacht von Sonntag auf Montag haben zwölf der größten europäischen Clubs angekündigt, eine eigene, verbandsunabhängige Liga – die sogenannte „Super League“ – zu gründen. Dieser Alleingang der großen Vereine sorgte für ein beispielloses Beben im internationalen Fußball und auch bei den Fans – nicht nur im Rems-Murr-Kreis – haben sie sich keine Freunde gemacht.

Der Spuk allerdings dauerte nicht lange. Nur drei Tage später ist der Plan schon wieder Geschichte – vorerst zumindest. Ein Verein nach dem anderen hatte sich zurückgezogen, zu klar war die Ablehnung durch die Fans gewesen.

Die UEFA wird erst einmal tief durchatmen und womöglich sogar gestärkt aus diesem Machtkampf hervorgehen. Ob ihr das hilft, mehr Zuspruch für ihre eigenen Reformideen – die Gründung der Conference League oder die Erweiterung der Champions League ab 2024 – zu bekommen, ist allerdings fraglich.

Wir haben – bevor dir Pläne wieder beerdigt wurden – bei Rems-Murr-Fußballern nachgefragt, was sie von den aktuellen Bewegungen im europäischen Fußball halten. Begeisterung weckt keines der vorgeschlagenen Konzepte. Insbesondere die nur von Vereinen getragene Super League erhält eine klare Absage.

Luca Kerner (TSV Miedelsbach): Der Spielplan ist doch ohnehin schon übervoll

Eine unabhängige Super League wäre für mich der Anfang vom Ende des nationalen Fußballs. Auch finde ich es komisch, dass sich sämtliche offizielle Vereinsmitarbeiter stets über den bereits überfüllten Spielplan aufregen, aber dann noch ein weiteres Turnier spielen möchten.

Der UEFA kam die Verkündung vermutlich sehr gelegen, da hierdurch ihre Reform für die Champions League unterging. Der europäische Fußball wurde in den letzten Jahren zum größten Teil unnötig aufgebläht, den Anfang machte die Nations League. Ich kenne keine Person, die diese wirklich interessiert verfolgt. Ab nächster Saison folgt dann die neue Conference League auf Vereinsebene. Der Trend geht in die Richtung, dass bald die halbe Liga einen extrem breiten Kader benötigt, um die Masse an Spielen bewältigen zu können.

Steffen Griese (TSV Schwaikheim): Das ist kompletter Quatsch

Die Super League ist in meinen Augen kompletter Quatsch. Bei diesem Konzept würden Mannschaften ständig auf höchstem internationalen Niveau spielen, die sich in den letzten Jahren sportlich nie für die Champions League qualifizieren konnten. Der sportliche Gedanke steht an zweiter Stelle, alles wird wegen Geld gemacht!

Die Pläne über die Umstrukturierung der Champions League kann ich auch nicht verstehen. Warum will man jetzt auf einmal etwas ändern? Die ganzen letzten Jahre hat sich keiner über das aktuelle System beschwert.

Luca Triffo (TSV Nellmersbach): Das ist ein Plan gegen das Fußvolk

Generell sollte man offen für Neues sein. Von der Super League halte ich jedoch weniger als gar nichts. Es zeigt mir wieder einmal, dass das „Fußvolk“ nichts gegen kommerzielles Interesse ausrichten kann. Ich kann nur hoffen, dass die Super League von uns weniger Beachtung bekommt als die damals eingeführte Nations League auf Nationalmannschaftsebene. Die Champions League im aktuellen Format hat für jeden Spieler und Fan einen besonderen Charakter. Etwas zu erschaffen, das besser sein soll, wird schwierig.

Maximilian Heidenwag (VfR Birkmannsweiler): Große Sorge um den Spitzenfußball

Mit großer Sorge betrachte ich die momentanen Bewegungen im europäischen Spitzenfußball. Fußball ist ein Spiel, das für alle gemacht wurde und so viele Menschen rund um den Globus miteinander verbindet. Deswegen auch der Slogan der UEFA: „On the pitch, we are all the same!“ Mit ihrer Idee einer Super League torpedieren einige europäische Top-Clubs momentan dieses Leitbild. Der Fußballfan kann nur kopfschüttelnd zusehen.

Allerdings kommt mir in dieser Situation die Kritik an der UEFA zu kurz. Die neue Reform der Champions League besagt, dass 36 Mannschaften in zwei Gruppen gegeneinander spielen und anschließend eine K.o.-Runde austragen. Vorteile daraus entstehen nur für die UEFA und die FIFA. Der Fußballfan will keine solche Reform. Die Spieler sind mit dem jetzigen Terminkalender schon überlastet. Wie so oft geht es leider mal wieder nur ums Geld.

Markus Matzke (SV Hertmannsweiler): Image hat auch ohne diesen Plan schon gelitten

Das Image des Fußballs hat in den letzten Jahren schon genug gelitten, und leider wird es in den nächsten Jahren nicht besser. Stichwort: WM in Katar ... Die Bildung einer Super League halte ich für mehr als fraglich und ich hoffe auf die Vernunft der Verantwortlichen, von der Gründung der Super League doch noch abzusehen. Die Argumentation dieser Clubs erschließt sich mir nicht wirklich. Man könnte fast meinen, die Bosse der Clubs brauchen dringend weitere Einnahmen, um die unfassbar hohen Gehälter bezahlen zu können.

Vielleicht ist es gut, dass es in Deutschland die sogenannte 50+1-Regel gibt. So bleibt der Fußball ein Sport mit Leidenschaft, Zusammenhalt und Gemeinschaft.

Mika Abraham (SV Steinbach): Vereine werden platziert wie Schachfiguren

Ich bin enttäuscht, dass ein paar reiche Leute mit ihren gekauften Vereinen umgehen wie mit Schachfiguren. Mit einer Super League könnte man seinen Verein bestens positionieren, um Märkte wie Asien oder Amerika noch zielgerichteter zu erreichen. Wenig überraschend, dass die amerikanische Investmentbank JP Morgan direkt ankündigte, mehr als drei Milliarden Euro zu investieren. Das Sportliche rückt komplett in den Hintergrund.

Mitreißende Geschichten von Underdogs, die es mit herausragenden Leistungen (fast) bis ins Champions-League-Finale schaffen, beispielsweise Ajax Amsterdam 2019, würde es mit dem neuen Konzept nicht geben. In einem Ligabetrieb würden sich langfristig immer die Favoriten durchsetzen, wie die nationalen Top-Ligen Europas jährlich beweisen. Das würde der Spannung extrem schaden. Die Großen haben durch Einnahmen in der Champions League und durch TV-Rechte heute schon einen enormen Vorteil. Der würde sich mit einer Super League ins Unermessliche steigern.

Julian Helber (SV Breuningsweiler): Getrieben vom Kapitalismus

Ich halte von einer Super League, wie auch von einer Reform der Champions League, rein gar nichts. In den letzten zehn Jahren wurde der Fußball, getrieben durch den Kapitalismus, zu einem Format, das immer mehr braucht: mehr Spiele, mehr Wettbewerbe, mehr Geld. Die Linie verläuft aktuell nur noch zwischen Gier und unfassbarer Gier. Der Fußball hat auch durch die Pandemie nichts gelernt. Das stimmt mich als Fußballfan zwar sehr traurig, wirklich überrascht bin ich davon aber nicht.

In der Nacht von Sonntag auf Montag haben zwölf der größten europäischen Clubs angekündigt, eine eigene, verbandsunabhängige Liga – die sogenannte „Super League“ – zu gründen. Dieser Alleingang der großen Vereine sorgte für ein beispielloses Beben im internationalen Fußball und auch bei den Fans – nicht nur im Rems-Murr-Kreis – haben sie sich keine Freunde gemacht.

Der Spuk allerdings dauerte nicht lange. Nur drei Tage später ist der Plan schon wieder Geschichte – vorerst zumindest.

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