Champions League

«Dreckiger Sieg»: Kollektives Aufatmen bei müdem BVB

BVB-Sieg
Borussia Dortmund feierte zum Abschluss der Gruppenphase einen Arbeitssieg in St. Petersburg. Foto: Dmitri Lovetsky/AP/dpa © Dmitri Lovetsky

St. Petersburg (dpa) - Leere Akkus, voller Terminplan - nach der späten Rückkehr in tiefster Nacht aus dem winterlichen Russland gewährte Trainer Lucien Favre seinen müden Profis einen freien Tag.

Das trug neben dem mühseligen 2:1 (0:1) bei Zenit St. Petersburg zur Stimmungsaufhellung bei. Kapitän Marco Reus wertete den glanzlosen Gruppensieg in der Champions League als Mutmacher für das stramme Programm bis Weihnachten: «Wir haben noch vier Spiele vor der Brust und müssen - wenn möglich - alle gewinnen. Vor allem in der Bundesliga müssen wir oben dranbleiben.»

Doch ohne eine Leistungssteigerung dürfte es im Liga-Alltag gegen den VfB Stuttgart, bei Union Berlin und Werder Bremen sowie im Pokal bei Eintracht Braunschweig schwer werden, die Forderungen von Reus zu erfüllen. Immerhin ging - zur Erleichterung aller Beteiligten - die Ergebniskrise mit zuvor drei erfolglosen Spielen zu Ende. Das tröstete über die erneuten spielerischen Mängel hinweg. «Es war ein dreckiger Sieg, aber endlich mal wieder ein Sieg», kommentierte Reus. Selbst Fußball-Ästhet Lucien Favre sah keinen Grund zur Klage. «Wir haben hier gewonnen - nur das zählt. Wir müssen es akzeptieren, dass es manchmal schwer ist und dürfen nicht träumen», sagte der Coach.

Immerhin bewies der BVB-Rumpfkader auch ohne neun Profis Stehvermögen und erzwang den Sieg. «Es war nicht glorreich. Aber in dieser Phase, in der wir uns gerade mit den vielen Verletzten befinden, ist es wichtig, solch ein Spiel zu gewinnen», befand Reus. Allerdings drohen weitere Ausfälle: Sowohl Mats Hummels als auch Thorgan Hazard wurden verletzt ausgewechselt. Favre hofft auf eine rasche Genesung: «Ich hoffe, das waren nur Krämpfe. Es ist normal, dass viele Spieler müde sind.»

Auf die dürftigen Angriffsbemühungen seines Teams nach dem Rückstand durch Sebastian Driussi (16. Minute) hatte der Coach früher als gewohnt reagiert und Youssoufa Moukoko bereits in der 58. Minute eingewechselt. Damit avancierte der Angreifer im Alter von 16 Jahren und 18 Tagen zum jüngsten Profi der Champions League und löste den bisherigen Rekordhalter Céléstine Babayaro ab, der 1994 im Alter von 16 Jahren und 87 Tagen für Anderlecht debütiert hatte. Dass in Jude Bellingham (17), Ansgar Knauff (18) und Giovanni Reyna (18) drei weitere Teenager in der Schlussphase auf dem Platz standen, bereicherte die Historie der Königsklasse um eine weitere Anekdote.

Doch nicht die Jungstars, sondern zwei Routiniers schlüpften in tragende Rollen. Dem 35 Jahre alten Außenverteidiger Lukasz Piszczek gelang in seinem 54. Champions-League-Spiel das erste Tor: «Darauf musste ich sehr lange warten. Aber jetzt kann ich endlich abhaken, dass ich in jedem Wettbewerb getroffen habe», kommentierte der Pole mit einem Dauerlächeln. Sein vier Jahre jüngerer Teamkollege Axel Witsel (78.) sorgte an alter Wirkungsstätte für das 2:1. Nach über vier Jahren in St. Petersburg fiel die Freude über seinen Siegtreffer eher verhalten aus: «Ich habe aus Respekt vor den Fans und dem Club nicht gejubelt.»

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