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Enttäuschung über EM-Aus

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Nicht nur Michael Schweikardt (rechts) hatte bei der Handball-EM mehr erwartet von der deutschen Nationalmannschaft. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Markus Baur. © Ralph Steinemann Pressefoto
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Jürgen Schweikardt.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft früh ausgeschieden. Die insgesamt mäßige Leistung des Teams von Christian Prokop endete im 27:31-Debakel gegen Spanien. Wir haben Stimmen dazu gesammelt. Allgemeiner Tenor: Deutschland war diesmal einfach zu schlecht.

Die deutsche Mannschaft verlor am Mittwochabend das letzte Hauptrundenspiel gegen Spanien. Bei einem Sieg hätte sie trotz bereits zuvor durchwachsenen Leistungen im EM-Halbfinale gestanden. Bis zur Halbzeitpause lag sie nur ein Tor zurück (13:14), danach aber gelang zwölf Minute lang kein Tor. Die deutschen Spieler waren völlig von der Rolle, luden die Spanier durch leichte Fehler zum Toreschießen ein. Trainer Prokop versuchte es mit dem siebten Feldspieler, doch auch dieses taktische Mittel fruchtete nicht. Spanien zog auf 23:15 davon, das Spiel war früh entschieden.

„Die Enttäuschung ist groß“, sagt Markus Baur, Trainer beim Bundesligisten TVB Stuttgart und einst bei der Nominierung des Bundestrainers Kontrahent von Christian Prokop. „Dabei haben wir gegen Spanien in der ersten Halbzeit das vielleicht beste Spiel gezeigt, aber über 60 Minuten im Angriff eine schlechte Leistung.“

In den Vorbereitungsspielen überzeugte die deutsche Mannschaft meist, aber, so Baur, das zähle nun mal nicht. In Kroatien habe sie „kein gutes Turnier gespielt. Sie zeigte eine „Verunsicherung, die sich übers Turnier entwickelt hat“. Und die sei schließlich in der zweiten Halbzeit gegen Spanien „geballt in zehn Minuten ausgebrochen“. Kann denn ein Trainer in solch einem Fall, wenn die Mannschaft sich komplett auflöst, nicht mehr eingreifen? Baur: „Es gibt immer Möglichkeiten einzugreifen.“ Prokop habe es auch probiert, „aber alles hat sich als falsch herausgestellt, und dann bist du als Trainer der Depp.“

Die Niederlage habe weitere Auswirkungen. „Sie kommt zum falschen Zeitpunkt.“ Im kommenden Jahr ist Weltmeisterschaft, Deutschland ist als Gastgeber gesetzt. „Wir haben ein Jahr lang kein Pflichtspiel mehr.“Und damit auch keine Gelegenheit, das ramponierte Selbstvertrauen wieder zu stärken.

Jürgen Schweikardt: Prokop ist ein sehr guter Trainer

Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer und früher Trainer des TVB Stuttgart, sagt ebenfalls: „Wir waren nicht stark genug. Die Leistung in Summe hat nicht gereicht.“ Gegen Spanien unterliefen den deutschen Spielern „einfachste Fehler, niemand hat sich herauskristallisiert, der vorangeht“. Das liege auch am Konzept des Bundestrainers, wegen der hohen Belastung möglichst allen Spielern Einsatzzeiten zu geben. Schweikardt findet das nachvollziehbar, aber: „So etabliert sich eben keine erste Sechs heraus, die auch in kritischen Phasen funktioniert“.

Dennoch hält er Christian Prokop „für einen sehr, sehr guten Trainer“. Allerdings sei das Amt für ihn Neuland. Als Bundesligatrainer habe er die Mannschaft die gesamte Woche über um sich, als Bundestrainer eben nur ein, zwei Tage. Hier müsse er noch Erfahrungen sammeln.

Michael Schweikardt hatte auch deutlich mehr von der Mannschaft erwartet. „In den Vorbereitungsspielen gegen Island hat sie einen sehr stabilen Eindruck gemacht“, sagt der TVB-Spieler. In Kroatien dagegen einen unsicheren. Und Trainer Prokop habe sich „bestimmt keinen Gefallen getan, Finn Lemke erst einmal zu Hause zu lassen. Das hat Unruhe reingebracht.“ Auch dass Uwe Gensheimer, Julius Kühn oder Steffen Fäth, die in ihren Vereinen überragend spielen, so schlecht waren, werfe Fragen auf. Am Druck, so Michael Schweikardt, könne es nicht gelegen haben. „Damit muss ein Profi umgehen können.“

"Anschluss an Fußball nicht verlieren"

Jürgen Krause, Trainer des Frauen-Zweiligisten FSG Waiblingen/Korb, fürchtet nach dem Aus um das Renommee der Sportart. „Handball ist ohnehin nur Randsportart. Wir müssen aufpassen, den Anschluss an den Fußball nicht ganz zu verlieren.“ In der Vorbereitungsphase habe er viele Spiele der deutschen Mannschaft gesehen. „Da ist sie viel stärker gewesen.“ Auch Trainer Prokop „hat mir hervorragend gefallen.“ Er und das Team schienen eine Einheit zu sein, was bei der EM nicht mehr so deutlich zu sehen gewesen sei. „Aber für mich liegt’s nicht am Trainer.“ Wenn Topspieler wie Julius Kühn oder Uwe Gensheimer keine Leistung bringen, so Krause, was solle der dann tun?