Champions League

Flicks Pakt mit den Bayern-Stars - «Total seriös» gegen Lyon

FC Bayern München
Aufgalopp beim Abschlusstraining der Spieler vom FC Bayern im José-Alvalade-Stadion. Foto: Miguel A. Lopes/Pool EPA/AP/dpa © Miguel A. Lopes

Lissabon (dpa) - Hansi Flick ruht in sich. Nicht einmal einen Anflug von Aufregung oder sogar Nervosität verströmt der Bayern-Trainer vor der letzten hohen Hürde auf dem Weg ins Champions-League-Finale.

«Ich bin relaxed, was das Ganze angeht. Ich weiß, dass die Mannschaft sehr fokussiert ist und große Ziele hat», verkündete er sonnengebräunt im Estádio José Alvalade, wo sich der deutsche Meister und DFB-Pokalsieger beim Abschlusstraining auf die Kraftprobe mit Olympique Lyon am 19. August (21.00 Uhr/Sky/DAZN) einstimmte.

Flicks Ruhepuls gut 24 Stunden vor dem Anpfiff war nachvollziehbar. Ausscheiden? Diese gigantischen Bayern? Gegen Lyon? Spätestens nach dem monströsen 8:2 gegen den FC Barcelona erscheint dieses Szenario beim Finalturnier der Königsklasse utopisch. Der Favoritenstatus pappt dick und fett an den Münchner Triple-Jägern, mit aller Macht den Halbfinalfluch nach vier spanischen K.o.-Hieben zwischen 2014 und 2018 überwinden wollen. «Wir wollen die beste Mannschaft in Europa sein. Es wäre der krönende Abschluss einer super Saison», verkündete Nationalspieler Serge Gnabry. Er klang dabei sehr entschlossen.

Kapitän Manuel Neuer glaubt ebenfalls ganz fest an den nächsten Sieg in Lissabon. «Ich denke, dass wir Wettbewerbstypen alle wirklich hungrig sind und auch mental so fit sind im Moment, dass wir einfach da sind, auch vom Kopf her», sagte der Nationaltorhüter, der wie Thomas Müller, Jérôme Boateng, David Alaba und Javi Martínez schon beim ersten und einzigen Münchner Titel-Triple 2013 dabei war.

Allerdings erwartet die Münchner Tormaschine im Stadion von Sporting Lissabon ein furchtloses Olympique-Team, das als Favoritenschreck in der K.o.-Phase erst im Achtelfinale Juventus Turin mit dem großen Cristiano Ronaldo und nun in Lissabon Manchester City mit Starcoach Pep Guardiola düpierte. Die David-gegen-Goliath-Situation verströmt den Reiz dieses Kräftemessens, das Olympique-Coach Rudi Garcia in den vergangenen Nächten Alpträume bereitet haben könnte.

Wegen der Corona-Pandemie fällt das Münchner Oktoberfest in diesem Jahr bekanntlich aus. Hau-den-Lukas könnte dafür diesmal in Lissabon stattfinden - als Hau-den-Rudi III. Schon zweimal bezog der 56 Jahre alte Franzose Garcia mit von ihm trainierten Mannschaften in der Königsklasse fürchterliche Bayern-Watschn: 2012 beim 1:6 mit OSC Lille in München und 2014 mit der AS Rom daheim bei einem 1:7, bei dem unter anderen Robert Lewandowski und Müller trafen.

Hansi Flick interessieren statistische Begebenheiten grundsätzlich kaum. «Sie wissen, dass ich wenig zurückblicke. Das Hier und Jetzt ist entscheidend», sagte er. Flick stellt seine Dauersieger vielmehr auf ein «hartes Stück Arbeit» ein. «Wir müssen versuchen, unser Spiel durchzudrücken und von der ersten Minute an da zu sein wie gegen Barcelona», sagte Gnabry zur Marschroute gegen Lyon. Die Gala gegen Barcelona sei «ein Ausrufezeichen» gewesen, betonte der Stürmer. In einem Turnier gelte es aber, schnell umzuschalten, mahnte Neuer.

«Du hast die nächsten Aufgaben vor der Brust. Es ist immer hopp oder top, immer wieder ein Finale», sagte der Torwart. Der 34 Jahre alte Senior ist aber vom sechsten Münchner Finaleinzug nach 1999, 2001 (Titel), 2010, 2012 und 2013 (Titel) überzeugt: «Wir haben im Spiel vollen Fokus. Ich glaube, dass wir einfach gut drauf sind.»

Flick hatte mit seinen Double-Gewinnern schon vor der Abreise nach Portugal einen Pakt geschlossen. Zwei Wochen lang solle «der Fokus» allein auf die Champions-League-Endrunde gerichtet sein. «Alles, was danach kommt, ist ausgeblendet», ordnete der Chef an. Transfers, Vertragsverlängerungen, persönliche Befindlichkeiten - alles muss dem Projekt «Campeões de Lisboa» untergeordnet werden. Bislang lebt das Team den Pakt, so Flick: «Jeder will sich einbringen. Jeder hat die innere Überzeugung, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.»

Schon im kurzen Trainingslager an der Algarve habe es «richtig gebrannt in uns», berichtete Neuer. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach ebenfalls von einer «Partnerschaft», die Flick mit der Mannschaft lebe. Er erlebt das in diesen Tagen hautnah im «Penha Longa Resort», wo der Bayern-Tross logiert: «Die Mannschaft ist fokussiert und wird total seriös das Halbfinale angehen.»

Flick hat keine Veranlassung, die Siegerelf der Barcelona-Gala zu sprengen. Benjamin Pavard sei nach seiner Fußverletzung noch keine Option für die Startelf, verriet er. Rummenigge warnt vor Lyons schnellen Angreifern wie Memphis Depay oder Moussa Dembelé, der gegen Man City als doppelter Tor-Joker entscheidend stach. Sie könnten einem Gegner «Schmerzen bereiten», sagte der Bayern-Chef. Neuer ahnt, worauf es ankommen dürfte: Man müsse immer «hellwach» sein, hinten «gut stehen und in der vorderen Reihe flexibel» agieren. Die Münchner Tormaschine um Lewandowski, Gnabry und Co. soll am besten wieder so heißlaufen, wie sie es gegen Lionel Messis Barça tat. 8ung Lyon!

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