Fußball im Rems-Murr-Kreis

Fußball-Rückblick: 1994/95 gibt's viel Ärger auf dem Platz

Oliver Schöneck ist Torschützenkönig der Landesliga
Oliver Schöneck ist Torschützenkönig der Fußball-Landesliga. © Gisbert Niederführ

Das Bild ist eindrucksvoll. Zum Vorrundenende der Saison 1994/95 stehen in der Fußball-Landesliga sechs Rems-Murr-Teams unter den ersten sieben Mannschaften. Ein sportlich gutes Jahr mit dem Aufstieg der TSG Backnang, aber es gibt in den Rems-Murr-Ligen jede Menge Ärger bei Spielen zwischen deutschen und ausländischen Teams.

TSG Backnang, vor SC Korb, SV Fellbach, SG Schorndorf und FC Sonnenhof Kleinaspach heißt die Reihenfolge in der Fußball-Landesliga zum Vorrundenende. Darauf folgen Ludwigsburg II und der FC Viktoria Backnang. Die Reihenfolge auf den ersten drei Plätzen bleibt bis zum Ende bestehen, die TSG wird Meister mit sieben Punkten Vorsprung auf den SC Korb, der nach Vorrundenende noch punktgleich gewesen ist. Die Schorndorfer allerdings fallen auf Rang neun zurück, dafür rückt die Viktoria Backnang einen Rang nach oben auf sechs. Der SC Urbach landet auf Platz elf. Torschützenkönig wird Oliver Schöneck von Wieder-einmal-Vizemeister SC Korb. 24-mal trifft er, Steffen Karsch (TSG Backnang) bringt es auf 23 Treffer, Johnny Fotarellis (SC Urbach) auf 19.

Der Zeitungsverlag Waiblingen stellt wieder eine Landesligaauswahl der Rems-Murr-Spieler zusammen.

Trainer: Günter Wellm ((TSG Backnang). Tor:Karl-Heinz Arweiler (FC Sonnenhof-Kleinaspach). Verteidiger: Andreas Ertel (SC Korb), Klaus Petz, Andreas Fried (beide TSG Backnang), Mathias Fischer (SV Fellbach). Mittelfeld: Axel Schwagerick (FC Sonnenhof-Kleinaspach), Steffen Karsch (TSG Backnang), Frank Sigle (SG Schorndorf), Elefterios Chatzikiriakos (SC Urbach). Angriff: Damir Medenjak (SG Schorndorf), Oliver Schöneck (SC Korb). Ersatz: Markus Weber (TSG Backnang), Dion Green (SG Schorndorf), Frank Wehrsig, Nicolai Shpilevski (FC Sonnenhof-Kleinaspach). Jochen Lautenschlager (SC Korb), Manfred Haerer, Manfred Hauke (beide FC Vikt. Backnang).

Ärger in Schorndorf, Abteilungsleiter nicht entlastet

Seit drei Jahren gibt es die SG Schorndorf, die Fusion aus VfL und TuS Schorndorf. Jetzt herrscht Chaos. Bei der Hauptversammlung wird Paul Brauchler, der die Abteilung zwei Jahre zuvor aus der Not heraus übernommen hat, nicht entlastet. Erst in einer zweiten Sitzung bekommt er die nötigen Stimmen. Einen Nachfolger gibt es nicht, lediglich ein Gremium, das einen neuen Chef suchen soll. Spielertrainer Dion Green ist ebenfalls auf dem Absprung, mehrere Spieler ebenfalls.

SV Winnenden vor der Selbstauflösung

Bei der SV Winnenden, ebenfalls ein Fusionsverein, tritt die komplette Abteilungsleitung zusammen mit Trainer Karl-Heinz Matthes zurück, weil sie nicht mehr bereit sei, „sich mit einer Mannschaft und einem erweiterten Umfeld zu identifizieren, in der Gemeinheiten, Lügen, Diffamierungen, Selbstüberschätzung und Abzocken Einzug gehalten haben“. Das wiederum wollen die Spieler nicht auf sich sitzen lassen. Die SV Winnenden steht vor der Selbstauflösung.

Tritte, Kinnhaken, Ausschreitungen auf dem Platz

Geprägt wird die Saison von Ärger und Ausschreitungen auf Fußballplätzen. Bei Croatia Stuttgart blasen die Spieler zur Treibjagd auf den Schiedsrichter, türkische Spieler vom TSKV Giengen verpassen dem Schiri einen Kinnhaken. Auch im Rems-Murr-Kreis sieht es nicht besser aus. Als die Hellenen Waiblingen gegen ASI Schwaikheim spielen, wird der Unparteiische so stark in den Unterleib getreten, dass er das Bewusstsein verliert. Staffelleiter Heinz Bardua aus Schmiden sagt: „Die ausländischen Mannschaften wollen bei uns mitspielen, sich aber nicht an die Regeln halten.“

Immer wieder beschweren sich andererseits die ausländischen Teams, sie würden verpfiffen. Theo Damaskinidis von Panellinios Waiblingen beispielsweise ist sicher: „Wir sollen fertig gemacht werden.“ Und so kochen sonntags die Emotionen oft schnell hoch, Beleidigungen fliegen hin und her (Griechenspitz, Nazi).

Die Schiedsrichter sind schuld

Ptolemeos Tzivopoulos, Vorsitzender von Atromitos Plüderhausen, kann den Kollegen Damaskinidis gut verstehen und sieht die Schuld bei den Schiedsrichtern. Er schildert einen Referee, der nach der Passkontrolle Gastgeber SKV Waiblingen die Pässe beider Teams zur Aufbewahrung gegeben habe mit den Worten: „Behaltet ihr die Pässe, da ich den Ausländern nicht traue.“

Das wiederum lässt Alfred Hoffmann, Chef im Fußballbezirk, nicht auf seinen Schiedsrichtern sitzen: „Es mag im Einzelfall durchaus vorkommen, dass ausländische Vereine durch Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt werden. Dies aber pauschal allen Schiedsrichtern zu unterstellen, halte ich für dümmlich.“ Einmal habe er selbst ein Spiel beobacht, bei dem nachher Zrinski Waiblingen einen Platzverweis als unverständlich bezeichnet hat. Dazu sagt der Bezirksvorsitzende: „Ich weiß nicht, ob es unverständlich ist, wenn ein Spieler des Feldes verwiesen wird, der dem Schiedsrichter an den Kragen will.“

Pero Nedic Spieler des Jahres, Ilias Skarlatidis Torschützenkönig

Zrinski wird auf jeden Fall Meister in der Bezirksliga und schon gibt es Gerüchte, Trainer Stipe Stanic soll von Ex-VfB-Spieler Markus Elmer abgelöst werden. Das bewahrheitet sich nicht. Dass im Waiblinger Team Profis aus Jugoslawien mit Touristenvisum kicken, kann zumindest nicht bewiesen werden, aber im Team tummeln sich einige Spieler, die weitaus mehr Qualität als nur für die Bezirksliga haben, unter anderem der spätere Nationaltorwart von Bosnien-Herzegowina, Alen Krak.

Ilias Skarlatidis Torschützenkönig der Bezirksliga

Pero Nedic aus dem Waiblinger Team wird beim Bezirksligafest des Zeitungsverlages Waiblingen (diesmal in Remshalden) zum Bezirksligaspieler des Jahres gewählt, Torschützenkönig der Bezirksliga ist Ilias Skarlatidis vom TV Oeffingen. Erneut wird eine Mannschaft zusammengestellt. Tor: Jörg Schäfer (TSV Schlechtbach), Steffen Leßig (SV Allmersbach), Horst Menze (TSV Schwaikheim) und Volker Brümmer (Spvgg Rommelshausen). Feldspieler: Pero Nedic (Zrinski Waiblingen), Ilias Skarlatidis (TV Oeffingen), Andreas Krautter (SV Unterweissach), Andreas Peuckert (VfR Waiblingen), Roland Merkle, Lorenzo Lombardi (Spvgg Rommelshausen), Nsana Mangungu (SV Winnenden), Thomas Wieczorek (SVG Kirchberg), Markus Reule (VfR Murrhardt), Uli und Jürgen Maier (TSV Schlechtbach), Jürgen Kopp (VfL Winterbach), Georg Karipidis (TSV Schwaikheim).

In der Kreisliga B IV wird der TSV Schornbach unter Klaus Bihlmaier furioser Meister. 11:12 Tore, 30:0 Punkte in der Rückrunde. In der B I liegt der SV Hegnach vorn, in der B III Anagennisis Schorndorf. Dem TSV Leutenbach gelingt der Sprung von der A II in die Bezirksliga.

Schalke spielt in Nellmersbach und Manager Assauer wechselt sich selbst ein

Zu einem Duell Kreisliga gegen Bundesliga kommt es in Leutenbach. Der TSV Nellmersbach (verstärkt durch Spieler des TSV Leutenbach) empfängt den FC Schalke 04, angereist unter anderem mit Olaf Thon und Jens Lehmann. Michael Zeisl, Spielführer der Gastgeber, sagt vor dem Anpfiff: „Alles unter zehn Gegentoren wäre gut.“ Also alles gut. Schalke gewinnt vor knapp 1000 Zuschauern nur mit 8:2. Vielleicht, weil Manager Rudi Assauer zunächst mit Zigarre ins Stadion kommt und sich im zweiten Durchgang selbst einwechselt.

Das Bild ist eindrucksvoll. Zum Vorrundenende der Saison 1994/95 stehen in der Fußball-Landesliga sechs Rems-Murr-Teams unter den ersten sieben Mannschaften. Ein sportlich gutes Jahr mit dem Aufstieg der TSG Backnang, aber es gibt in den Rems-Murr-Ligen jede Menge Ärger bei Spielen zwischen deutschen und ausländischen Teams.

TSG Backnang, vor SC Korb, SV Fellbach, SG Schorndorf und FC Sonnenhof Kleinaspach heißt die Reihenfolge in der Fußball-Landesliga zum Vorrundenende. Darauf

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