Handball im Rems-Murr-Kreis

Gemischte Gefühle: Handballerin Sinah Hagen trifft auf Ex-Verein VfL Waiblingen

1.HBL - Frauen - 2022/2023 - SV Union Halle-Neustadt Wildcats vs. Buxtehuder SV
Dynamisch, schnell, spielintelligent: Auch in der ersten Bundesliga bringt Sinah Hagen (links, gegen Cecilie Woller vom SV Union Halle-Neustadt) ihre Fähigkeiten ein. In dieser Saison aber für den Buxtehuder SV und nicht mehr für den VfL Waiblingen. Nun gibt’s ein Wiedersehen. © Fotostand / Ballasch

Acht Jahre hat Sinah Hagen das Trikot des VfL Waiblingen getragen, entsprechend emotional geriet der Abschied nach dem finalen Spiel in der vergangenen Saison. Zumal der VfL nach einer herausragenden Saison, an der die 26-Jährige maßgeblichen Anteil hatte, den Aufstieg in die erste Handball-Bundesliga klarmacht. Lange zuvor hatte die Spielmacherin beim Vorjahresdritten Buxtehuder SV einen Zweijahresvertrag unterschrieben. An diesem Samstag (18 Uhr) kommt’s in der Rundsporthalle in Waiblingen zu einem Wiedersehen. „Ein komisches Gefühl ist das schon“, sagt die gebürtige Göppingerin im Gespräch mit dieser Zeitung.

Hilfe für VfL aus Buxtehude

Solche Geschichten schreibt nur der Sport: Am Freitagabend feierten die Handballerinnen des VfL Waiblingen beim 35:33 in Oldenburg ausgiebig ihren ersten Sieg in der ersten Liga. Um ein Haar wäre die Freude darüber, dass der Aufsteiger bei nur einem Punkt Rückstand auf den Relegationsplatz wieder im Geschäft ist, in Frust umgewandelt worden. Der wahrscheinlich härteste Konkurrent im Abstiegskampf, der BSV Sachsen Zwickau, stand im Parallelspiel kurz vor dem Überraschungssieg beim klar favorisierten Buxtehuder SV.

Beim 26:26 vergaben die Gäste die Chance auf die Führung. Im letzten Angriff der Buxtehudenerinnen übernahm Sinah Hagen die Verantwortung und versenkte den Ball zum 27:26-Sieg im Zwickauer Kasten. Entsprechend groß war der Jubel vor der Rekordkulisse von 2300 Fans, die Partie wurde ausnahmsweise in der Sporthalle Hamburg ausgetragen. Buxtehude bleibt damit als Fünfter in Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen – und der VfL Waiblingen könnte mit dem zweiten Saisonsieg am Samstag die Rote Laterne an Zwickau übergeben.

Auf Schützenhilfe von Sinah „Hagi“ Hagen darf der VfL dieses Mal allerdings nicht hoffen. Die Spielmacherin wird wohl auch kaum aus alter Gewohnheit den Ball zu den Spielerinnen im schwarz-weißen Trikot passen. „Natürlich wünsche ich dem VfL, dass er viele Punkte holt“, sagt „Hagi“ und lacht. „Aber eben nicht gegen uns.“

Buxtehude? Gibt's das?

Buxtehude? Ist das nicht diese Stadt – ähnlich wie Bielefeld –, deren Existenz immer mal wieder angezweifelt wird? Sinah Hagen muss wieder lachen. „Als ich ein paar Bekannten, die nichts mit Handball am Hut haben, erzählt habe, dass ich nach Buxtehude gehe, haben sie mich fragend angeguckt“, sagt sie. „Es heißt ja immer, Buxtehude sei das Ende der Welt.“

Zumindest ist die 40.000-Einwohner-Stadt ein gutes Stück von Hagens Heimatort weg. Rund acht Stunden dauert die Fahrt vom hohen Norden der Republik bis in die schwäbische Heimat. „Wenn ich ehrlich bin, würde ich mir schon wünschen, ich wäre ein bisschen näher dran.“ An Weihnachten war Sinah Hagen drei Tage bei den Eltern in Maitis bei Göppingen. Hier thront, 250 Meter über dem Dorf, der Hohenstaufen. In etlichen Kehren führt die Straße hinauf.

Steil bergauf ging’s auch in der Karriere von Sinah Hagen, nachdem sie zur Saison 2014/2015 vom TV Holzheim nach Waiblingen gewechselt war. Die schmächtige Spielmacherin entwickelte sich schnell zu einer wichtigen Säule im Spiel des VfL. In der Saison 2020/2021 wurde sie zur zweitbesten Spielerin der zweiten Bundesliga gewählt. Das weckte natürlich Begehrlichkeiten. Schnelle und spielintelligente Spielerinnen von Hagens Klasse gibt’s schließlich nicht im Dutzend.

Sport und Beruf lassen sich kombinieren

Zunächst hielt Hagen dem VfL aber die Treue und machte weitere Fortschritte. Auch dank des Trainers Thomas Zeitz, der sie mit seiner „ehrlichen und offenen Art und großen Empathie“ beeindruckt habe. „Er hat mir noch mehr Selbstvertrauen gegeben. Ich bin Thomas sehr dankbar, ohne ihn wäre ich nicht hier.“

Im März 2022 war’s so weit, Hagen unterschrieb beim Buxtehuder SV einen Zweijahresvertrag. Seit der Saison 1989/90 gehört der Traditionsverein ununterbrochen der ersten Liga an, Kontinuität gibt’s auch auf der Trainerposition: Seit 2008 hat Dirk Leun die sportliche Verantwortung. „Ich hatte damals mit mehreren Vereinen Kontakt“, sagt Hagen. Sie habe mit Dirk Leun und den Verantwortlichen gute Gespräche gehabt, und im Probetraining habe sie sich auf Anhieb wohlgefühlt. „Mit ausschlaggebend war aber auch, dass ich hier den Handball mit dem Beruf kombinieren kann.“

An der Universität in Stuttgart schloss Sinah Hagen ihr Lehramtsstudium Englisch und Sport fürs Gymnasium ab, in Buxtehude wurde ihr ein Referendariatsplatz angeboten. Sich ausschließlich auf den Handball zu konzentrieren, das sei für sie nie infrage gekommen. „Gerade im Frauenhandball ist das zweite Standbein sehr wichtig“, sagt sie. „Man weiß ja nie, wie lange man spielen kann und ob man verletzungsfrei bleibt.“ In ihrem Team sei, wie beim VfL Waiblingen auch, jede Spielerin noch nebenbei beschäftigt.

„Ich fühle mich rundum wohl hier“, sagt sie. Die 26-Jährige wohnt direkt in Buxtehude, die „süße“ Innenstadt gefällt ihr. In einer Dreiviertelstunde ist sie in Hamburg. Auch sportlich ist sie sehr gut angekommen. „Wir haben einen guten Teamspirit und verstehen uns untereinander richtig gut, das ist die halbe Miete.“

Hagen: „Ich bekomme meine Spielanteile“

Teamgeist ist auch nötig, schließlich ist vor allem im Rückraum das Gedränge groß bei acht Spielerinnen. Hagen kann nicht meckern. „Ich bekomme meine Spielanteile.“ Auf der Mitteposition im Angriff sowieso, aber auch auf Halb in der Abwehr. „Das hängt aber auch vom Gegner ab“, sagt Hagen und lacht. „Wenn auf Halbrechts eine mit 90 Kilo auf mich zukommt, bin ich machtlos.“ Ansonsten habe sie sich an die erste Liga gewöhnt, auch wenn der Sprung gewaltig sei. „Das Körperliche, der Gegnerkontakt, die Torhüterinnen: Das ist schon etwas anderes.“ Das höhere Tempo dagegen habe ihr keine Probleme bereitet. „Ich spiele ja selbst gerne schnell.“

Im Februar geht’s los mit dem Referendariat. „Ein bisschen nervös bin ich schon“, sagt sie. Nach sechs Jahren im theoretischen Studium werde sie nun ins kalte Wasser geworfen. „Aber ich freue mich drauf.“ Und sie ist zuversichtlich, dass sie der Doppelbelastung mit neun Trainingseinheiten in der Woche gewachsen sein wird.

VfL Waiblingen jetzt zum ersten Mal ihr Gegner

Aktuell indes fiebert sie dem kommenden Samstag entgegen – mit gemischten Gefühlen. „Ich freue mich sehr auf alles“, sagt sie. Auf die Rundsporthalle, die Fans, den Trainer Thomas Zeitz und die Spielerinnen. „Ein bisschen merkwürdig ist das aber schon.“ Acht Jahre habe sie für den VfL gespielt. „Und jetzt ist er zum ersten Mal mein Gegner.“

Acht Jahre hat Sinah Hagen das Trikot des VfL Waiblingen getragen, entsprechend emotional geriet der Abschied nach dem finalen Spiel in der vergangenen Saison. Zumal der VfL nach einer herausragenden Saison, an der die 26-Jährige maßgeblichen Anteil hatte, den Aufstieg in die erste Handball-Bundesliga klarmacht. Lange zuvor hatte die Spielmacherin beim Vorjahresdritten Buxtehuder SV einen Zweijahresvertrag unterschrieben. An diesem Samstag (18 Uhr) kommt’s in der Rundsporthalle in Waiblingen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper