dpa-Interview

Gladbach-Coach Rose: «Jedes Spiel wird eine Herausforderung»

Marco Rose
Führte Borussia Mönchengladbach in seinem ersten Jahr gleich in die Königsklasse: Trainer Marco Rose. Foto: Roland Weihrauch/dpa © Roland Weihrauch

Mönchengladbach (dpa) - Marco Rose ist gespannt auf das, was da noch kommt. Mit der Bundesligapartie am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (20.30 Uhr/DAZN) beginnt ein Spielemarathon, der ihm und seinem Team bis kurz vor Weihnachten eine Menge abverlangen wird.

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur spricht der Fußballlehrer über seine Champions-League-Premiere und die schwierigen Corona-Zeiten.

Kommende Woche beginnt die Champions League. Für Sie eine Premiere. Ist die Freude durch die anhaltende Pandemie getrübt?

Marco: Ja natürlich, weil wir auch sehen, dass es im Moment keine Chance auf die Rückkehr vieler Zuschauer gibt. Das ist dann schon eine andere Nummer. Dennoch müssen wir die Aufgaben annehmen und unseren Fans dann vor dem Fernseher Freude bereiten. Auch wenn einige damit hadern, wir versuchen schon den positiven Ansatz zu finden.

Ist die Mannschaft bereit für die Champions League?

Rose: Wir haben uns gut vorbereitet und uns eine ordentliche Form erarbeitet. Wir sind bereit, aber wir vermissen auch noch einige Spieler. Das wird eine intensive Zeit und wir wissen, dass wir auch Ergebnisse benötigen, um da mit einem guten Gefühl durchzugehen.

Sie haben eine schöne, aber schwere Gruppe erwischt. Wie wichtig sind Gegner wie Real oder Inter für die Entwicklung des Teams?

Rose: Wenn wir uns richtig gut entwickeln wollen, brauchen wir auch einige positive Ergebnisse. Daraus ziehst du am meisten. Nachhaltige Entwicklung entsteht durch Erfolgserlebnisse. Vor dem Ergebnis steht immer eine Leistung und wenn die gut ist, dann wirst du auch häufig belohnt. Wenn wir das schaffen, hätten wir einen großen Schritt gemacht. Wir haben uns schon eine Menge erarbeitet und stehen natürlich auch für eine gewisse Art von Fußball.

Inter Mailand verbindet man in Mönchengladbach mit einem ganz besonderen Spiel. Wann haben Sie erstmals von diesem aus der Statistik gelöschten 7:1 und dem Büchsenwurf gehört?

Rose: Ich hatte davon gehört, bevor ich bei Borussia angefangen habe. Und nach der Auslosung war das natürlich ein Thema.

Real ist ein Traumlos für alle: Trainer, Spieler, Zuschauer. Wahrscheinlich noch mehr für ihre Franzosen im Team, weil es gegen Zinedine Zidane geht?

Rose: Ich weiß gar nicht, ob die Jungs bei der Auslosung direkt an Zidane gedacht haben. Ich glaube, Marcus Thuram hat vielleicht eher daran gedacht, dass ihm Sergio Ramos über den Weg laufen wird als daran, dass sein Vater mit Zidane 1998 Weltmeister geworden ist. Aber das ist schon ein tolles Los. Ein Weltklasseverein mit großer Strahlkraft. Wir wissen allerdings auch, dass wir nicht einmal im Bernabeu-Stadion spielen, sondern im kleinen Trainingsstadion. Das schmälert das Ereignis schon ein wenig. Am Ende spielen aber ja dennoch Kroos, Benzema und Ramos.

Wen halten Sie für den stärksten Gruppengegner?

Rose: Das kann ich so gar nicht sagen. Vom System her erwarten wir Inter sicher eher mit einer Dreier-Abwehrreihe, Real und Donezk mit Viererkette. Inter spielt ein flexibles Pressing, Real wird sehr auf Kontrolle und individuelle Qualität setzen und Schachtjor ist ein Team mit guten Fußballern, vielen Brasilianern, das gut verteidigt und umschaltet. Jedes Spiel wird eine Herausforderung für uns.

Die vielen Länderspiele und die Berufung von Spielern aus dem zweiten Glied in die Nationalelf haben in Deutschland für Kritik gesorgt. Wie sehen Sie die Problematik?

Rose: Zunächst einmal sind wir natürlich stolz darauf, dass wir so viele Nationalspieler haben. Am Dienstag haben auch einige gegeneinander gespielt. Grundsätzlich haben wir irgendwann gesagt, dass wir wieder spielen wollen. Da wäre es kontraproduktiv, wenn wir uns nun bei der Nationalmannschaft querstellen. Die Situation ist nicht einfach. Wir sollten versuchen, so gut wie möglich zusammenzuarbeiten. Ich finde, der Bundestrainer macht es sehr gut. Es geht ja jetzt nicht darum, dass sich eine Mannschaft für die EM einspielt, sondern die Jungs gesund und bestmöglich durch diese Phase zu bringen. Da findet der Bundestrainer eine gute Mischung von Spielern. Ich verstehe seinen Ansatz.

ZUR PERSON: Der 44-jährige Rose ist seit Sommer 2019 Cheftrainer bei Borussia Mönchengladbach und hat sein Team gleich im ersten Jahr in die Champions League geführt. Zuvor war der frühere Bundesligaprofi sechs Jahre erfolgreich bei RB Salzburg tätig.

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