Formel 1

Haas-Piloten: Mick Schumacher und der Problemfall Masepin

Haas-Piloten
Das Verhältnis von Mick Schumacher (r) und Nikita Masepin hat gelitten. Foto: James Gasperotti/ZUMA Wire/dpa © James Gasperotti

Spielberg (dpa) - Mick Schumachers größtes Problem in der Formel 1 befindet sich in der Garage direkt neben ihm.

Während der 22-Jährige mit seinem unterlegenen Haas-Rennwagen weitestgehend am Limit agiert und sich stetig verbessert, ist der ehrgeizige Neuling von den oft unnötig harten und unüberlegten Manövern seines Teamkollegen Nikita Masepin von Woche zu Woche mehr genervt. «Es ist so sein Stil wahrscheinlich. Auf dem Level verstehen wir uns vielleicht nicht ganz so, aber dann müssen wir eben alle unsere Ellenbogen ausfahren», sagte Schumacher nach dem Großen Preis von Frankreich bei Sky.

Der Formel-2-Meister will sich offenbar nicht mehr gefallen lassen, wie rücksichtlos der oft überfordert wirkende Masepin sogar mit seinem eigenen Stallrivalen umgeht. Am vergangenen Sonntag hatte der Russe den gleichaltrigen Schumacher von der Strecke in die Auslaufzone gedrängt. Wäre der Deutsche auch stur geblieben, hätte es einen Unfall gegeben und beide wären ziemlich sicher ausgeschieden. Das passierte nur zwei Wochen, nachdem Masepin mit einem gefährlichen Zucken bei rund 320 km/h in Baku ebenfalls für jede Menge Zorn bei Schumacher gesorgt hatte. «Im Ernst? Will er uns umbringen?», fluchte Schumacher damals am Boxenfunk und gestikulierte in Richtung Masepin.

Gelungener Formel-1-Start

Der Sohn von Formel-1-Rekordweltmeister Michael Schumacher legte auch ohne WM-Punkte einen gelungenen Start in der Motorsport-Königsklasse hin. Doch der ansonsten immer höfliche und geduldige Nachwuchspilot forderte vor dem nächsten Rennen an diesem Sonntag (15.00 Uhr/Sky) in Österreich ein klärendes Gespräch innerhalb des Teams. Das hatte es nach den Vorfällen in Aserbaidschan schon gegeben. Doch obwohl sich Masepin für sein Verhalten entschuldigte und Schumacher auf Besserung hofft («Er wird sicher daraus lernen»), änderte sich noch gar nichts.

Zwar ist Masepin längst zum Problemfall für die Amerikaner von Haas geworden und auch andere Fahrer beschwerten sich in den ersten sieben Saisonläufen schon häufig über ihn, sein Cockpit räumen muss er aber ganz sicher nicht. Vater Dimitri ist mit seinem Bergbauunternehmen Uralkali auch Titelsponsor von Haas und sorgt für einen üppigen Teil des Geldes. Nicht umsonst fährt auch Schumacher in einem Rennwagen, auf dem die Farben der russischen Flagge ganz deutlich zu sehen sind.

«Irgendwann muss der Teamchef auch mal was sagen, auch wenn der Papa die größte Rechnung bezahlt. So nutzt es alles nichts», sagte Micks Onkel Ralf Schumacher in seiner Funktion als Sky-Experte. Eben jener Teamchef Günther Steiner beurteilte die Szene in Frankreich derweil als «hartes Racing», das «nicht unfair» gewesen sei. Er vertraue weiter beiden Fahrern und setzt auch auf deren Vernunft. Masepin nannte seine Aktion «ganz normal» und ergänzte: «Wenn du hinten bist, dann ergeben sich solche Chancen nicht sehr oft. Da hat sich eine Lücke aufgemacht und ich habe sie wahrgenommen.»

Vertrauen in Masepin verloren

Doch wie soll die angespannte Situation langfristig geklärt werden? Schumacher machte schon klar, dass ihm an einem freundschaftlichen Verhältnis wohl eher weniger liegt. «Wir machen unser Ding. Ich glaube, er macht seins», sagte der Rookie, der zugab, ein wenig Vertrauen in Masepin verloren zu haben. «Das ist wahr», sagte er, während Ex-Fahrer Ralf Schumacher deutlicher wurde: «Urlaub werden die zwei keinen miteinander machen. Die einzige Entschuldigung, die ich habe, ist, dass Nikita absolut überfordert ist.»

Auf der Strecke hat er jedenfalls keine Chance, Schumacher fährt die besseren Ergebnisse ein und wirkt insgesamt schon viel routinierter. Für mehr als Platz 19 reicht es unter normalen Umständen aber nicht, nur Masepin kann Schumacher hinter sich lassen. Das ist auch in den kommenden beiden Wochen das Minimalziel, wenn gleich zwei Rennen in Spielberg stattfinden. «Das gibt uns die Möglichkeit, ein paar Sachen auszuprobieren», sagte Schumacher. Eventuell könne man in Österreich Dinge gleich verbessern, die in der ersten Woche nicht gut laufen.

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