Women's Tennis Association

Halbfinal-Chance für Siegemund: Final-Traum «vermessen»

Laura Siegemund in Aktion
Laura Siegemund in Aktion. © Christian Kaspar-Bartke

Stuttgart (dpa/lsw) - Dass sie fitter aussehe als wohl je zuvor, hörte Laura Siegemund vor ihrer Halbfinal-Chance beim Tennis-Turnier in Stuttgart nicht zum ersten Mal. Solange sie nach ihrer Knie-Operation im vergangenen Jahr nicht richtig laufen konnte, habe sie «jede Minute» genutzt, ihren Oberkörper zu trainieren, erzählte die einzige deutsche Viertelfinalistin. «Wenn man so viel macht, ist es ja auch schön, wenn man es sieht», sagte die Schwäbin und lachte. Ihre Fitness soll ihr auch am Freitag (nicht vor 17.00 Uhr/Eurosport) im Viertelfinale gegen die ungesetzte Russin Ljudmila Samsonowa mit zum Erfolg verhelfen.

Gegen die Weltranglisten-Fünfte Maria Sakkaria musste Siegemund im Achtelfinale am Donnerstag nicht über die vollen zwei Sätze gehen. Die 34-Jährige führte 6:4, 3:1, als die Partie wegen der Aufgabe der Griechin abrupt endete. «Ich war jetzt auch sehr überrascht, und es ist natürlich mega-schade», sagte Siegemund, «aber ich freue mich natürlich trotzdem, dass ich eine Runde weiter bin, auch wenn es absolut nicht so ist, wie man das haben möchte.» Sakkari konnte das Match nach WTA-Angaben wegen Magenproblemen nicht fortsetzen.

Anders als die deutsche Nummer eins Angelique Kerber, die am Mittwoch in der ersten Runde eine weitere Enttäuschung hinnehmen musste, sicherte sich Wildcard-Inhaberin Siegemund das nächste Erfolgserlebnis. Vor fünf Jahren hatte sie mit einer eindrucksvollen Siegesserie den Turniererfolg beim Porsche Grand Prix gefeiert. 2016 hatte sie zudem im Endspiel gegen Kerber gestanden.

«Ich bin fünf Jahre älter jetzt. Das sagt eigentlich schon alles», antwortete Siegemund beim Interview auf dem Centre Court schmunzelnd auf die Frage, wie sie sich im Vergleich zu 2017 fühle: «Ich habe tatsächlich ein paar Jahre mehr auf dem Buckel, da kommt man nicht drum rum. Aber ich habe wirklich viel Motivation gehabt in der Verletzungszeit und hab das genutzt.»

Die Lokalmatadorin war mit geringen Erwartungen in das Turnier gestartet. Nach den Olympischen Spielen im Tokio 2021 hatte sie sich am Knie operieren lassen. Seit dem vergangenen Juni hatte sie im Hauptfeld eines WTA-Turniers im Einzel nicht mehr gewonnen - bis sie in der ersten Runde von Stuttgart gegen die Slowenin Tamara Zidansek überzeugte, eine Halbfinalistin der French Open 2021.

Gegen Sakkari spielte Siegemund variabel und nutzte im wechselhaften ersten Durchgang den dritten Satzball. Als sie sich im zweiten Satz das Break zum 3:1 gesichert hatte, schritt Sakkari für die Aufgabe ans Netz. «Wenn man in der dritten Runde steht, muss man nicht vom Finale träumen. Bis dahin ist es noch ein extrem weiter Weg», sagte Siegemund: «Es wäre vermessen, da jetzt hin zuschauen. Ich bin froh darüber, wo ich jetzt stehe. Ich habe ein gutes Match gespielt. Das geht leider ein bisschen unter, wenn man so weiter kommt.»

Die Metzingerin hatte für die Teilnahme an der hochklassig besetzten Sandplatz-Veranstaltung eine Wildcard erhalten, aufgrund ihrer Pause fiel sie in der Weltrangliste aus den Top 200. Von anfangs sechs deutschen Damen im Feld kam sie als einzige ins Viertelfinale. Außeseiterin Tamara Korpatsch schied mit einem 0:6, 6:2, 1:6 gegen die britische US-Open-Siegerin Emma Raducanu aus.